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Schutz vor Hochwasser durch Moore und Wälder

Panorama eines Hochmoors in der Sonne

Die kürzlichen Hochwasserkatastrophen in Teilen Deutschlands und die Dürresommer der vergangenen Jahre zeigen: Strategien der Anpassung an die Folgen des Klimawandels sind in Deutschland dringend erforderlich.

Starkniederschlagsereignisse als Folge des Klimawandels

Wir haben es in den letzten Wochen in einigen Teilen Deutschlands erlebt: Durch starke Niederschläge können in den Tälern der Mittelgebirge gefährliche Sturzfluten entstehen. In sehr kurzer Zeit fielen dabei Niederschlagsmengen von bis zu 200 Litern pro Quadratmetern, wodurch Bäche und Flüsse um mehrere Meter anstiegen und sich in reißende Wassermassen verwandelten. 

Als Folge des Klimawandels wird davon ausgegangen, dass solche Starkniederschlagsereignisse weiter zunehmen werden. Denn: In Mitteleuropa gibt es häufiger ungewöhnlich starke Niederschläge als früher – nämlich etwa doppelt so häufig wie noch vor 100 Jahren. Zum einen liegt dies daran, dass die durch die Erderwärmung wärmere Luft mehr Wasser aufnehmen kann, zum anderen verlangsamt sich der Jetstream, wodurch Regengebiete länger an einer Stelle verweilen und daher auch mehr Niederschläge abgeben.

Hochwasserschutz

Der Schutz vor Hochwasser kann und muss sich aus verschiedenen Bestandteilen wie beispielsweise Klimaschutz, ökologischem Hochwasserschutz, Verhinderung exzessiver Flächenversiegelung oder Bodenschutz zusammensetzen. Mit die effizientesten Hilfsmittel der Natur gegen Überschwemmungen sind Moore und Wälder. 

Naturnahe Wälder aufforsten:

Wälder haben ein immenses Potenzial, Wasser in der Landschaft zu halten und Hochwasser zu verhindern bzw. abzumildern. Zum einen schirmen Wälder den Boden bei Regen durch ihre Kronen besser ab als Wiesen oder Äcker: Bis zu 50 Prozent des Niederschlags gelangt bei Wäldern erst gar nicht auf den Boden - stattdessen verdunsten die Tropfen. Zum anderen ist in Waldböden das Hohlraumsystem, welches beispielsweise aus Wurzel- oder Tierröhren besteht, stärker ausgeprägt als bei einer landwirtschaftlichen Nutzung des Bodens. Wurzeln spielen jedoch eine zentrale Rolle bei der Wasserspeicherleistung, weshalb der Waldboden auch bis zu sechs Mal mehr Wasser speichern kann als eine Wiese. Ohne Wurzelwerk wird der Boden fester und kann dadurch weniger Regen aufnehmen.

Besonders an Hanglagen und in Auen ist die Versickerung von Wasser im Wald ein wichtiger Baustein des ökologischen Hochwasserschutzes. Bestens eignen sich dabei Naturwälder, da diese über intaktere Waldböden verfügen als Wirtschaftswälder, die häufig durch Forststraßen durchzogen oder deren Boden durch Maschinen verdichtet ist. Naturwälder entwickeln zudem eine stabile Vielfalt an auch tief wurzelnden Baumarten. 

Erosionsschutz durch Wälder fördern: 

Bäume fixieren dank ihres Wurzelgeflechts den Oberboden und leisten damit einen wesentlichen Beitrag zur Stabilisierung von Hängen. Bei sehr starkem Regen oder Dauerregen wirken Wurzel- oder Tierröhren als eine Art Überdruckventil, über die das Hangwasser weitergeleitet wird. Ist dieses Ventil nicht in ausreichendem Maß vorhanden, steigt der Wasserdruck im Boden deutlich und die Gefahr von Erdrutschen ist höher. Daher ist es immens wichtig, noch bestehende Wälder und dabei insbesondere naturnahe Laubwälder zu erhalten sowie bei Gefahr von Erosionen Hanglagen wieder zu bewalden. 

Der Schutz von Mooren:

Moore sind eines der effizientesten Hilfsmittel der Natur gegen Überschwemmungen. So können diese immense Mengen an Wasser aufnehmen, denn die Torfböden sind extrem quellfähig und die im Moor verbreiteten Moose wirken wie Schwämme. Untersuchungen haben gezeigt, dass ein intaktes Hochmoor bei Starkregen rund 90 Prozent des Niederschlagwassers aufsaugen und später dann nach und nach wieder abgeben kann. Ihre Saugfähigkeit ist laut Schätzungen fünf Mal stärker als die von Wiesen. Aufgrund dieser Pufferfunktion werden Moore auch als natürliche Retentionsräume bezeichnet und sind immens wichtig für den ökologischen Hochwasserschutz und können Überflutungen mildern oder sogar verhindern. Die Renaturierung von Mooren dient jedoch nicht nur dem Schutz vor Hochwasser, gleichzeitig werden auch durch die Renaturierung von Mooren auch immense Kohlenstoffspeicher geschaffen. So enthalten Moore weltweit derzeit mehr mehr gebundenen Kohlenstoff als alle Wälder der Erde zusammen.

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Renaturierung von Flussauen: 

Natürliche Überschwemmungsgebiete leisten durch ihre Fähigkeit zur Wasserrückhaltung einen wichtigen Beitrag zum ökologischen Hochwasserschutz. Durch naturnahe Flusslandschaften und Auen, in denen sich das Hochwasser ausdehnen kann, kann dies gefördert werden. Die Wiedervernetzung von Flüssen mit Flussauen ist daher nicht nur extrem wichtig für die Biodiversität sowie die Aufnahmen von Kohlenstoff, sondern auch für den Schutz gegen Hochwasser. So nimmt eine naturnahe Aue bei hohem Wasserstand ähnlich wie ein Schwamm Wasser auf und gibt dieses bei niedrigeren Wasserbeständen wieder an den Fluss ab. Auen sollten daher zum Schutz vor Hochwasser vor einer Bebauung geschützt werden. Derzeit sind allerdings bereits rund 80 Prozent der Auen an großen Flüssen in Deutschland verloren gegangen. Denkbare Maßnahmen wären daher die Zurückverlegung von Deichen, die stärkere Vernetzung von Flüssen und Auen sowie die Renaturierung der Ufer. 

Verbesserung der Versickerungsfähigkeit in Böden: 

Die Ausräumung der Landschaft, das Entwässern von Feuchtgebieten und die Bodenverdichtung auf landwirtschaftlichen Flächen vermindert die Fähigkeit des Bodens, Wasser aufzunehmen. Um die Versickerungsfähigkeit zu verbessern, müsste die Bodenbearbeitung reduziert und eine ganzjährige Bodenbedeckung ermöglicht werden. Nur so kann Humus im Boden aufgebaut und dadurch mehr Wasser und Kohlenstoff in ihm gespeichert werden. Zudem erhöht sich durch den Aufbau von Humus auch die Resilienz des Bodens gegenüber Erosionen. 

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Verringerung der Flächenversiegelung:

Auch die Verringerung der Versiegelung von Flächen ist eine weitere wirksame Maßnahmen zum Hochwasserschutz. Derzeit werden in Deutschland täglich circa 100 Hektar Fläche versiegelt - und dass, obwohl die Bundesregierung sich die Senkung der Versiegelungsrate auf 30 Hektar pro Tag als Ziel gesetzt hat. Das Problem daran: Durch die Versiegelung von Flächen kann Regenwasser nicht mehr im Boden versickern, stattdessen fließt dieses oberflächlich schnellstmöglich ab, beispielsweise in die Kanalisation. Die Folge: Die Natur leidet unter zunehmender Trockenheit, die Städte erhitzen sich immer stärker. 

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