Bauernhaus in Costa Rica vor dicht mit Regenwald bewachsenem Berg
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Reise-Blog: Den Korridor abfahren

Letzter Tag in Costa Rica. Ich sitze in einer Bar direkt am Wasser und höre lateinamerikanische Klänge. Vor mir die Bucht, el Golfe Dulce, der süße oder ansprechende Golf von Golfito und das ist er wirklich.

Fotos

Bauernhaus in Costa Rica vor dicht mit Regenwald bewachsenem BergStraße in Dorf in Costa Rica vor dem Hintergrund dicht mit Wald bewachsener BergeRinderweide in Costa Rica schmiegt sich an dichten WaldViele verschiedene Pflanzen wachsen im grünen Dickicht des Regenwaldes in Costa Rica

Schutz von Flächen nahe Golfito

Es ist ein Blick auf den Pazifik, der hier von bewaldeten Hängen umgeben ist. Eine Bucht, mal strahlend schön im Sonnenlicht, mal mystisch mit weißen Wolken, die zwischen den Hängen buchstäblich hängengeblieben sind, und dann wieder im Grau der starken Regenfälle kaum zu erkennen. Und es regnet hier viel, selbst für tropische Verhältnisse: 5000 mm im Jahresdurchschnitt. Nördlich von Golfito in etwa 27 km Entfernung im Nationalpark Piedras Blancas gibt es dann noch ein besonderes Regenfeld – der Rio Esquinas. In einem breiten Delta ergießt er sich in den Golf. Rechts und links seiner Ufer regnet es sogar noch mehr, das ganze Jahr durch. Es gibt keine 4 Monate Trockenzeit, wie in Golfito. Darum sind die Bäume hier höher. Der Wald in dieser Region hat das höchste Kronendach in ganz Mittelamerika.

Nun ist das Gute, dass hinter der Bergkette von Golfito und beinahe parallel zu Nationalpark Piedras Blancas sich ein beinahe unterschnittenes Waldgebiet Richtung dem Landesinneren erstreckt, also genau auf dem Weg, den ein möglicher Verbindungskorridor zum internationalem Nationalpark La Amistad nehmen könnte. Das Dumme ist nur, dass dieses Waldgebiet nicht geschützt ist. Eine grobe Abmessung ergab eine Größe von etwa 7.000 - 8.000 ha. Wir fangen an und kaufen dort die ersten 180 ha, evtl. noch weitere 97 ha. Es sind drei Grundstücke, die strategisch sehr wichtig sind, denn es sind die letzten Wälder, die direkt an die Inter-Amerika, also der großen internationalen Straße von Nord- nach Südamerika, grenzen. Und auf der gegenüberliegenden Seite dieser Straße gibt es teilweise auch noch Wald, der bis ins Hinterland hin zur Bergkette Fila de Cal reicht. Dies ist aktuell die einzige Stelle, wo Wald an Wald grenzt … wenn auch mit einer Straße dazwischen. Hier wäre also eine Verbindung möglich.

Von Golfito Richtung La Amistad

Mit diesem Gedanken im Gepäck sind wir von Golfito Richtung La Amistad gefahren und haben dabei geschaut, ob eine weitere Verbindung zwischen den beiden großen Schutzregionen möglich ist. Die ersten beiden Etappen: Besagtes Waldgebiet von 7.000 - 8.000 ha mit einer Verbindung über die Inter-America und danach die Bergkette Fila de Cal mit einer Höhe von bis zu 1.300 m, sehr steilen Hängen, großen Waldflächen und ersten Projekten, die in dieselbe Richtung arbeiten. Hier gibt es gute Möglichkeiten, über den Kauf von bestehenden Waldflächen und die Wiederaufforstung von abgeholzten Flächen nachzudenken.

Nach der Bergkette kommt eine Region, die im ersten Moment wie eine Ebene wirkt, doch wer genau hinschaut, sieht zahlreiche Hügel, Tälern, mäandernde Flüsse. Es ist wie ein Meer bei ruhigem Wellengang und ja, in diesem Meer gibt es noch zahlreiche dunkelgrüne Flecken mit Wald, manche nur einen halben Hektar groß, manche bis zu 10 ha und mehr. Dazwischen viel Weidewirtschaft. Das vorherrschende Vieh sind Rinder mit Schlappohren. Ein wenig wirken sie wie Aliens im Vergleich zu schwarzbunten Holsteinern oder … Murnau Werdenfelser. Es sind Zeburinder, die schon gut 200 Jahre hier sind. Gut angepasst an die Hitze und Feuchtigkeit und zudem offenbar auch noch echte Ziegen, da die Hänge sehr steil sind und die Beweidung nicht nachhaltig. Überall ist zu kurzes Gras und roter offener Boden zu sehen. Hier ist es womöglich sinnvoller zu schauen, ob Ganzheitliches Weidemanagement die Farmer unterstützen könnte, die Ökosysteme der Region insgesamt zu verbessern. Und ja, natürlich, auch hier wäre es wichtig, Waldreste zu kaufen und damit zu sichern.

Vom Pass der Fila de Cal kommend biegen wir von der Teerstraße ab und fahren Dirtroad oder Gravelroad, also eine unbefestigte Straße, teilweise sehr steil. Nach etwa 20 Kilometern sind wir am Haupteingang vom größten Nationalpark Costa Ricas – La Amistad.

Waldkorridor zwischen La Amistad und der Karibik

Als wir zur Rangerstation Altamira, dem Haupteingang vom Nationalpark La Amistad kamen, begrüßte uns sein sehr netter Ranger. Zu viert sind sie dort normalerweise, gerade hielt er jedoch allein den Posten. Wir seien die ersten Besucher seit vier Tagen gewesen. Wie viele denn so im Jahr kommen, fragten wir? Letztes Jahr waren etwa 900 Besucher gewesen. Am Haupteingang? Nein, alle drei Zugänge zum Nationalpark La Amistad zusammengerechnet. Hmmm, das stimmt nachdenklich, der größte und artenreichste Nationalpark Costa Ricas und nur 900 Besucher im Jahr.

Was wirklich toll ist: Es besteht bereits ein Waldkorridor von La Amistad zur Karibik. Im Anschluss an La Amistad in Richtung Karibik gibt es zwei Reservate für indigene Völker, hier leben Bribri und die Cabecars. Als die Europäer kamen, flohen zahlreiche Menschen vom Volk der Bribri über die Talamanca-Gebirgskette, welche den heutigen La Amistad durchzieht und begannen sich auf der anderen Seite anzusiedeln. Noch heute ist es so, dass junge Männer den langen Weg über das Gebirge gehen, um sich bei ihrem Volk auf der anderen Seite eine Braut zu suchen. Für diese Wanderung, die mit großen Abschnitten durch La Amistad führt, brauchen sie drei Tage.

Unabhängig von der Brautsuche auf Urwaldwegen und einem versteckten Naturparadies mit wenigen Besuchern ... es besteht die reelle Chance, einen Regenwald-Korridor zwischen Corcovado und La Amistad aufzubauen. Es ist eine sehr große Aufgabe – und eine schöne.

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