Wirkung auf das Nerven- und Hormonsystem

Pestizide schädigen das Nervensystem

Schon Pestizidkonzentrationen die unter den gesetzlichen Grenzwerten liegen und als unbedenklich eingestuft werden, können zu irreversiblen Schäden bei Mensch und Tier führen.

Pestizide beeinflussen Föten, Neugeborene und Kinder

Studien belegen, dass die Entwicklung des Nervensystems und die Gehirnentwicklung von Föten und Neugeborenen durch Pestizide beeinflusst wird. 115  Auch Pestizidkonzentrationen, die unter dem gesetzlichen Grenzwert liegen und von der Behörde als unbedenklich eingestuft werden, können diese Wirkung entfalten.

Eine US-amerikanische Studie hat in der Nabelschnur von Neugeborenen bis zu 232 Chemikalien, unter anderem auch Pestizide, nachgewiesen. 123 Giftige und hormonell wirksame Stoffe sollten nicht auch in noch so geringen Mengen im Körper von hochempfindlichen Embryonen vorkommen. 124 Eine Studie aus Paraguay zeigt, dass Frauen die in einem Radius von einem Kilometer zu pestizidbesprühten Sojafeldern leben, eine zweimal so hohe Wahrscheinlichkeit haben, ein Kind mit Fehlbildungen auf die Welt zu bringen, als Frauen die keinen Pestiziden ausgesetzt sind. 127

Eine weitere Studie aus Mexiko untersucht die Einflussnahme von Pestiziden auf die Zeichenfähigkeit von vier- und fünfjährigen Kindern. 117 Die Studie betrachtet zwei Gruppen von Kindern, welche aus einem ähnlichen genetischen und kulturellem Umfeld stammen. Eine Gruppe lebt in einem landwirtschaftlich aktiven Dorf und ist dementsprechend Pestizidabdriften ausgesetzt. Die andere Gruppe lebt im Gebirge, entfernt von der Landwirtschaft. Die Kinder, die den Pestizidabdriften ausgesetzt waren, waren in ihrer Gehirnentwicklung um einiges rückschrittlicher, als die, die abseits der Landwirtschaft lebten. 

Versuche mit Ratten, die während deren Schwangerschaft und Stillzeit durchgeführt wurden, zeigten, dass deren männlicher Nachwuchs durch glyphosathaltige Pestizide geschädigt wird. 125 Weitere Versuche zeigten den sogenannten Multigenerationseffekt: Schon ein kurzfristiger Kontakt mit Pestiziden in der Schwangerschaft führt auch in den drei  nachfolgenden Generationen noch zu vermehrtem Zystenwachstum an den Eierstöcken.126 In einer weiteren Studie wurden schwangere Ratten einem Insektizid ausgesetzt. Das Ergebnis: Selbst Enkel und Urenkel dieser Ratten wiesen noch Defekte in den Geschlechtsorganen auf. Diese Defekte konnten auf die Insektizidbelastung zurückgeführt werden.129

Pestizide sollen laut Befunden außerdem zu sensorischen Störungen wie zum Beispiel einer mangelnden Empfindsamkeit, kognitiven Wirkungen wie Gedächtnisverlust, Sprachproblemen und Lernstörungen führen. Des Weiteren können sie das Atemsystem und die Fortpflanzungsorgane beeinträchtigen.

Hormonelle Wirkstoffe

Endokrine Disruptoren sind hormonelle Wirkstoffe, die besonders schwerwiegende, irreversible Effekte auslösen, denn sie stören unser sensibles Hormonsystem. Die Stoffe imitieren die natürlichen Hormone oder blockieren deren Wirksamkeit, dadurch kommt es unter anderem zu einer verminderten Spermienaktivität, Brustkrebs und Diabetes. 

Man schätzt, dass sich derzeit circa 20.000 Chemikalien mit hormoneller Wirkung im Umlauf befinden. 118 Folglich hat die Anzahl von Krankheiten ausgelöst von hormonellen Störungen in den letzten Jahren bei Menschen und Tieren stark zugenommen. Im Tierreich wurden Verweiblichungen bestimmter Populationen festgestellt. Bei Menschen wurde eine Abnahme der Spermienaktivität sowie eine Zunahme von Brustkrebs, Diabetes und abnormen Genitalentwicklungen festgestellt. Mindestens 43 häufig eingesetzte Pestizide stehen im Verdacht, hormonell wirksam zu sein.

Untersuchungen aus Dänemark, Brasilien und Spanien belegen, dass bei Gärtnereimitarbeitern und deren Kindern häufiger Fruchtbarkeitsstörungen und Missbildungen der Geschlechtsorgane auftreten. 130 In Dänemark wurden mehrfach Fälle von Neugeborenen mit Hodenhochstand und Fehlbildungen der Harnröhre dokumentiert. Dies kann als Verweiblichungserscheinung angesehen werden und lässt auf eine Störung des Hormonsystems schließen.

In einer Studie aus Frankreich wurden in Haarproben von Schulkindern im Durchschnitt 21 Pestizide mit endokriner Wirkung gefunden. Hormone spielen vor allem bei der Entwicklung von Kindern eine große Rolle. 118

Landwirtschaft 2.0 - Der partizipative Prozess von Naturefund zur EU-Agrarpolitik.

Studien

Autor T.L. Crumpton et al. (2000)   Zeitschrift Brain Research

Developmental neurotoxicity of chlorpyrifos in vivo and in vitro: effects onnuclear transcription factors involved in cell replication and differentiation

Chlorpyrifos is a widely used organophosphate insecticide that is a suspected developmental neurotoxin. Although chlorpyrifos exertssome effects through cholinesterase inhibition, recent studies suggest additional, direct actions on developing cells. This study assessed theeffects of chlorpyrifos on nuclear transcription factors involved in cell replication and differentiation using in vitro and in vivo models.

Autor
T.L. Crumpton et al.
Veröffentlicht
2000
Zeitschrift
Brain Research
Seiten
87–98
Studie
https://www.sciencedirect.com/science/article/pii/S0006899399023574
Autor E. A. Guilette et al. (1998)   Zeitschrift Environmental Health Perspectives

An anthropological approach to the evaluation of preschool children exposed to pesticides in Mexico

This comparative study compensated for many of the known variables that influence children's growth and development by selecting two groups of 4-5-year-old Yaqui children who reside in the Yaqui Valley of northwestern Mexico. These children share silar geneic backgrounds, diets, water mineral contents, culural patterns, and social beviors. the major difference was their exposure to pesticides.

Autor
E. A. Guilette et al.
Veröffentlicht
1998
Zeitschrift
Environmental Health Perspectives
Seiten
347–353
Studie
https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC1533004/
Autor W. Mnif et al. (2011)   Zeitschrift International Journal of Environmental Research and Public Health

Effect of Endocrine Disruptor Pesticides: A Review

Endocrine disrupting chemicals (EDC) are compounds that alter the normal functioning of the endocrine system of both wildlife and humans. A huge number of chemicals have been identified as endocrine disruptors, among them several pesticides. Pesticides are used to kill unwanted organisms in crops, public areas, homes and gardens, and parasites in medicine. Human are exposed to pesticides due to their occupations or through dietary and environmental exposure (water, soil, air).

Autor
W. Mnif et al.
Veröffentlicht
2011
Zeitschrift
International Journal of Environmental Research and Public Health
Seiten
2265-2303
Studie
https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC3138025/pdf/ijerph-08-02265.pdf
Autor E. Carlsen et al. (1992)   Zeitschrift BMJ

Evidence for decreasing quality of semen during past 50 years

Concern is increasing about impact of the environment on public health, including reproductive ability. Controversy has arisen from some reviews which have claimed that the quality of human semen has declined. However, only little notice has been paid to these warnings. As a decline in semen quality may have serious implications for human reproductive health, it is of great importance to elucidate whether the reported decrease in sperm count reflects a biological phenomenon or, rather, is due to methodological errors.

Autor
E. Carlsen et al.
Veröffentlicht
1992
Zeitschrift
BMJ
Seiten
609-613
Studie
https://www.bmj.com/content/bmj/305/6854/609.full.pdf
Autor M. J. Perry et al. (2016)   Zeitschrift Environmental Health Perspective

Sperm Aneuploidy in Faroese Men with Lifetime Exposure to Dichlorodiphenyldichloroethylene (p,p´-DDE) and Polychlorinated Biphenyl (PCB) Pollutants

Environmental endocrine-disrupting chemicals have been associated with impaired male reproductive function and may affect sperm development. Aneuploidy, that is, an abnormal chromosome complement in the fetus, is thought tocontribute to ≤ 50% of early pregnancy losses. The most common aneuploidies in humans at birth involve an abnormal number of X or Y chromosomes, and ≥ 50% of XXY trisomies originate from the father.

Autor
M. J. Perry et al.
Veröffentlicht
2016
Zeitschrift
Environmental Health Perspective
Seiten
951–956
Studie
https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC4937854/
Autor T. Mose et al. (2008)   Zeitschrift Journal of toxicology and environmental health

Placental passage of benzoic acid, caffeine, and glyphosate in an ex vivo human perfusion system

Ex vivo perfusion of the human term placenta is a method to study placental transfer without extrapolation from animal to human and with no ethical concerns for mother and child. However, ex vivo placenta perfusion has a limited potential within chemical screening and testing as the method is time-consuming. This study was an attempt to construct data needed to develop quantitative structure-activity relationship (QSAR) models that are able to predict placental transfer of new compounds.

Autor
T. Mose et al.
Veröffentlicht
2008
Zeitschrift
Journal of toxicology and environmental health
Seiten
984-991
Studie
https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/18569607
Autor E. Dallegrave et al. (2007)   Zeitschrift Archives of Toxicology

Pre- and postnatal toxicity of the commercial glyphosate formulation in Wistar rats

Glyphosate is the active ingredient and polyoxyethyleneamine is the surfactant present in the herbicide Roundup formulation commercialized in Brazil. The aim of this study was to assess the reproductive effects of glyphosate-Roundup on male and female offspring of Wistar rats exposed during pregnancy and lactation.

Autor
E. Dallegrave et al.
Veröffentlicht
2007
Zeitschrift
Archives of Toxicology
Seiten
665–673
Studie
https://link.springer.com/article/10.1007/s00204-006-0170-5
Autor M. K. Skinner et al. (2013)   Zeitschrift PLOS ONE

Environmentally induced transgenerational epigenetic reprogramming of primordial germ cells and the subsequent germ line

Environmentally induced epigenetic transgenerational inheritance of disease and phenotypic variation involves the germline transmission of altered epigenetic information in the absence of direct exposure. The critical window for exposure is during the period of epigenetic reprogramming of the developing germ line coincident with the onset of fetal gonadal sex determination.

Autor
M. K. Skinner et al.
Veröffentlicht
2013
Zeitschrift
PLOS ONE
Seiten
1-15
Studie
https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC3712023/
Autor M. Manikkam et al. (2013)   Zeitschrift Reproductive Toxicology

Pesticide and insect repellent mixture (permethrin and DEET) induces epigenetic transgenerational inheritance of disease and sperm epimutations

Environmental compounds are known to promote epigenetic transgenerational inheritance of disease. The current study was designed to determine if a “pesticide mixture” (pesticide permethrin and insect repellent N,N-Diethyl-meta-toluamide, DEET) promotes epigenetic transgenerational inheritance of disease and associated DNA methylation epimutations in sperm.

Autor
M. Manikkam et al.
Veröffentlicht
2013
Zeitschrift
Reproductive Toxicology
Seiten
708-719
Studie
https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC3513590/
Autor E. Bingham, C. Monforton (2010)   Zeitschrift European Environmental Agency

The pesticide DBCP and male infertility

Dibromochloropropane (DBCP) is a pesticide used against nematodes (roundworms or threadworms) that damage pineapples, bananas and other tropical fruits. It was introduced into US agriculture in 1955 and approved for use as a fumigant in 1964. By 1961 laboratory experiments had shown that it made the testicles of rodents shrink and significantly reduced the quantity and quality of sperm. Nonetheless, the compound was widely marketed and became a commercial success.

Autor
E. Bingham, C. Monforton
Veröffentlicht
2010
Zeitschrift
European Environmental Agency
Seiten
203-214
Studie
https://www.eea.europa.eu/ds_resolveuid/17KIHXPYSE
Autor L. A. Thrupp (1991)   Zeitschrift International Journal of Health Services

Sterilization of workers from pesticide exposure: the causes and consequences of DBCP-induced damage in Costa Rica and beyond

Public health hazards from the use of agricultural pesticides have received increasing attention in developing as well as industrial nations. This article examines a remarkable case of massive sterilization of approximately 1,500 workers in Costa Rica, due to exposure to a toxic nematicide called DBCP (1, 2-dibromo-3-chloropropane), applied in large commercial banana plantations.

Autor
L. A. Thrupp
Veröffentlicht
1991
Zeitschrift
International Journal of Health Services
Studie
https://journals.sagepub.com/doi/abs/10.2190/25B9-QFMV-Y28P-L736
Autor R. Repetto, S. S. Baliga (1996)   Zeitschrift World Resources Institute

Pesticides and the Immune System: The Public Health Risks

Although some pesticides have been restricted or banned because they pose risks of cancer, birth defects, or neurological damage, little attention has so far been given to what may be their greatest risk: impairment of human and animal immune systems. According to this new report, there is considerable evidence that widely used pesticides may suppress immune responses to bacteria, viruses, parasites, and tumors, making people significantly more vulnerable to disease.

Autor
R. Repetto, S. S. Baliga
Veröffentlicht
1996
Zeitschrift
World Resources Institute
Studie
https://www.wri.org/publication/pesticides-and-immune-system
Autor J. Kaiser (2003)   Zeitschrift Science

How Much Are Human Lives and Health Worth?

By using new assumptions on the dollar value of a human life, among other things, director John Graham of the White House Office of Information and Regulatory Affairs (OIRA) hopes to determine which regulations deliver the biggest bang for the buck. Economists generally support the call for more rigorous cost-benefit analyses, but some question whether OIRA's techniques are ready for prime time.

Autor
J. Kaiser
Veröffentlicht
2003
Zeitschrift
Science
Seiten
1836-1837
Studie
https://science.sciencemag.org/content/299/5614/1836

Unser täglich Gift

Die aufgeführten Daten und Fakten stützen sich auf das Buch "Unser täglich Gift" von Johann G. Zaller, Ökologe an der Wiener Universität für Bodenkultur sowie Experte der Österreichischen Biodiversitätskommission.

"Unser täglich Gift"

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