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Bericht Insel Kirr 2014 - Sichler gesehen!

Ein seltener Gast - ein Sichler Foto: H. Krug

Neues von unserm Schutzprojekt "Insel Kirr" im Nationalpark Vopommersche Boddenlandschaft, dass wir 2012 sicherten: Der Braune Sichler wurde gesehen, die Insel soll Fuchsfrei werden und ein Jubiläum steht an.

Ein seltener Gast aus dem Mittelmeerraum

Eine kleine Sensation ereignete sich in diesem Jahr auf der Küstenvogelschutzinsel Kirr, als es einem ehrenamtlichen Vogelwärter gelang, den Braunen Sichler nachzuweisen. Der Vogelwart traute seinen Augen kaum, als er die dunkle Erscheinung in braun-metallisch glänzendem Gefiederkleid durch die Priele der Salzgrasinsel schreiten sah.

Der bis zu 65 cm große Vogel mit seiner typischen Ibis-Gestalt und dem langen, abwärts gebogenem Schnabel ist zwar weltweit beheimatet und brütet in Europa vor allem im Mittelmeerraum. Doch in den Nordosten Deutschlands zieht es den Sichler dagegen äußerst selten. Deshalb gehört er zu den sogenannten dokumentationspflichtigen Arten in Mecklenburg-Vorpommern. Das heißt, dass zunächst die Deutsche Seltenheitenkommission die Sichtmeldung dokumentiert, bevor der Vogel als nachgewiesen geführt werden darf.

Ein Sechser im Lotto für Ornithologen

Für jeden Ornithologen ist es wie ein Sechser im Lotto, im Augenblick der seltenen Sichtung sowohl über eine einsatzbereite Kamera als auch über starke Nerven zu verfügen, um ein brauchbares Belegfoto vom begehrten Objekt ergattern zu können. Das ist hier gelungen.

Dass der seltene Gast wie der Bienenfresser sein Verbreitungsareal im Zuge des fortschreitenden Klimawandels nach Norden verschieben könnte, ist jedoch eher unwahrscheinlich. Grund für den Zwischenstopp auf der Kirr könnte vielmehr ein Schlechtwetterproblem gewesen sein, mit dem der Sichler auf seinem Zug in den Süden zu kämpfen hatte.

Die zu diesem Zeitpunkt herrschenden Starkwinde aus südlicher Richtung, könnten den Zugvogel nach Norden verdriftet haben. Nach kurzer Stärkung brach der Sichler wieder gen Süden auf und wurde nicht wieder gesehen.

Außergewöhnlicher Artenreichtum

Die Insel Kirr und auch die Nachbarinsel Oie zeichnen sich durch einen außergewöhnlichen Artenreichtum an Wasser- und Watvögeln aus. Dieser trug maßgeblich zum Bekanntheitsgrad der Inseln als eines der bedeutendsten Küstenvogelbrutgebiete an der südlichen Ostseeküste bei. Die Insel unterliegt vielfältigen Veränderungen, die auch Auswirkungen auf den Bruterfolg der vielen am Boden brütenden Vögel haben. Neben Überflutungen tritt zum Beispiel auch der Fuchs oder anderes sogenanntes Haarraubwild in Erscheinung.

Eine fuchsfreie Insel ist für den Bruterfolg von Rotschenkel, Säbelschnäbler & Co. entscheidend. Die Arbeitsgemeinschaft (AG) Küstenvogelschutz setzt deshalb zusammen mit dem Nationalparkamt eine Projektidee in die Tat um: fünf künstliche Fuchsbauten installierten Experten auf den Inseln Kirr und Oie. Sobald ein Fuchs einen solchen Bau bezogen hat, senden Bewegungs- und Temperatursensoren diese Information an die AG Küstenvogelschutz.

Die Akteure sehen in diesem Projekt eine Chance, dem rückläufigen Bestandstrend entgegenzuwirken, den Ornithologen bereits seit einigen Jahren in vielen Küstenvogelbrutgebieten der Ostseeküste beobachten. Eine Ursache sehen die Experten im Verlust des Nachwuchses der bodenbrütenden Vögel durch Füchse und anderes Raubwild. Auf der Insel Kirr werden alljährlich innerhalb der gesetzlich vorgegebenen Jagdzeit gemeinschaftliche Jagden auf behaarte Raubtiere durchgeführt.

Weitere Erfolge, die rückläufigen Bestandstrends zur stabilisieren, verspricht sich das Nationalparkamt von der Umsetzung einer Ausgleichs- und Ersatzmaßnahme in den kommenden Jahren. Geplant sind Maßnahmen, die insgesamt zur Verbesserung der Bruthabitate beitragen sollen. Unter anderem sollen das Wasserregime sowie die Bedingungen für die Beweidung verbessert werden.

„25 Jahre Ostseenationalparke in Deutschland“

Die Arbeit in der Nationalparkregion steht derzeit ganz im Zeichen des Nationalparkjubiläums, dass sich im Jahr 2015 zum 25. Mal jährt. Zu diesem Anlass wird auch den Küstenvogelbrutgebieten, darunter der Insel Kirr besondere Aufmerksamkeit zuteil.

In enger Zusammenarbeit zwischen dem Nationalparkamt und dem Deutschen Meeresmuseum entsteht die Jubiläumsausgabe „25 Jahre Ostseenationalparke in Deutschland“ Band Nr. 25 der Schriftenreihe Meer und Museum des Deutschen Meeresmuseums. Neben der spannenden Nationalpark-Entstehungsgeschichte wird der Entwicklung des Brutbestandes im Nationalpark in einem Kapitel besondere Aufmerksamkeit gewidmet. Die Festschrift wird im Januar 2015 erscheinen.

Direkt zum Schutzprojekt "Insel Kirr"

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