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Zukunftskommission Landwirtschaft legt Abschlussbericht vor

Ein Schwein steht in einem Stall und schaut in die Kamera

Der Abschlussbericht, der gestern an Bundekanzlerin Angela Merkel übergeben wurde, empfiehlt einen grundlegenden Umbau des Agrarsektors, weg von Massentierhaltung hin zu mehr Geld für Umweltschutzprogramme.

Zu welchen Ergebnissen kommt die Kommission?

Die Zukunftskommission Landwirtschaft gibt in ihrem Bericht Empfehlungen für eine naturverträglichere, sozial gerechtere und ökonomisch tragfähigere Landwirtschaft. Insgesamt empfiehlt die Kommission auf 190 Seiten einen grundlegenden Wandel des Systems. 

Für diesen Wandel werden unter anderem die folgenden Ziele dargelegt: 

  • eine finanziell attraktive  Honorierung von Gemeinwohlleistungen für alle landwirtschaftlichen Betriebe
  • ein Mindestflächenanteil an Landschaftsstrukturelementen, Saumstrukturen und nichtproduktiven Flächen zur Erhalt der Biodiversität
  • vollständige Ausrichtung der Direktzahlungen der Gemeinsamen Agrarpolitik an Natur-, Umwelt- und Klimaschutz
  • Stärkung von regionalen Kooperationen zwischen Landwirtschaft und Naturschutz bei der Umsetzung von Agrarumwelt- und Klimamaßnahmen

Aufgezeigte Zukunft der Landwirtschaft

Der Abschlussbericht wird geleitet von einer Vision für die Zukunft des Landwirtschafts- und Ernährungssystems: Landwirte sollen eine breite gesellschaftliche Anerkennung inklusive finanzieller Entlohnung erhalten; in Zukunft soll die Landwirtschaft zudem zum Erhalt der Biodiversität beitragen und positiv auf unser Klima wirken. Ebenso wichtig ist laut Kommission außerdem die Stärkung von regionalen Kreisläufen und eine stabile bis steigende Anzahl der Höfe. Ebenfalls zeigt das Zukunftsbild die Haltung von Tieren unter hohen Tierschutzstandards sowie gut informierte Verbraucher auf.

Die Empfehlungen der ZKL zielen auf die nachfolgenden Veränderungen ab: die ökologische Nachhaltigkeit des deutschen Agrar- und Ernährungssystems soll deutlich verbessert werden, seine ökonomische Tragfähigkeit soll dauerhaft gesichert und Produktionsverlagerungen in europäische wie außereuropäische Regionen mit geringeren ökologischen und sozialen Standards soll entgegengewirkt werden. Zu diesem Zweck entwickelt die Kommission eine Vielzahl von Vorschlägen und Empfehlungen zu verschiedenen Aspekten des Agrar- und Ernährungssystems. Allen Vorschlägen gemein ist das Ziel der Vermeidung schädlicher Effekte auf Klima, Umwelt, Biodiversität, Tierwohl und die menschliche Gesundheit. Die Politik muss das Vermeiden dieser fördern und beschleunigen. 

Ökologische Kompetenz und Leistungskraft

Im Vordergrund stehen die Beiträge der Landwirtschaft zum Kampf gegen den Klimawandel und für den Erhalt der Biodiversität. Ziel muss es sein, dass die Landwirtschaft dazu beiträgt, die Klimaerwärmung auf 1,5 Grad zu begrenzen. So muss der Ausbau landwirtschaftlicher Treibhausgassenken wie Moore oder Humus deutlich gesteigert und attraktiv gestaltet werden. Nicht weniger wichtig ist die Schaffung stabiler Agrarökosysteme, der Erhalt und die Bereitstellung biodiversitätsfördernder Strukturen und Landschaftselemente in ausreichendem Umfang sowie die nachhaltige Gestaltung regionaler Wirtschafts- und betrieblicher Nährstoffkreisläufe. In diesem Zusammenhang gibt die ZKL des Weiteren Empfehlungen für eine Reduzierung des Konsums von tierischen Produkten, einer Verbesserung des Tierwohls und eine Verringerung der Tierbestandszahlen.

Faire Märkte 

Märkte für Lebensmittel und sonstige Agrarprodukte sind für das Einkommen in der Landwirtschaft entscheidend. Um Mehrkosten im Hinblick auf die Steigerung der ökologischen Rahmenbedingungen und des Tierwohls erwirtschaften zu können, müssen die Lebensmittelpreise die tatsächlichen Produktionskosten wieder besser abbilden und der Wettbewerb um Produktqualitäten gegenüber bloßem Mengenwettbewerb an Bedeutung gewinnen. Eine stärkere Orientierung hin zu pflanzlichen Lebensmitteln wird von der ZKL empfohlen und kann durch durch die Politik gefördert werden. Ein so initiierter nachhaltiger Konsum bringt positive Effekte für uns Menschen ebenso wie für das Gesundheitswesen und für Umwelt, Klima und Tierwohl.

Förderung gesellschaftlicher Ziele

Die Gemeinsame Agrarpolitik muss maßgeblich dazu beitragen, den Übergang zu einem nachhaltigen Ernährungssystem in der EU zu bewältigen und Landwirten auch ökonomisch in die Lage zu versetzen, ihren unverzichtbaren Beitrag zur Erreichung der Klimaschutz-, Tierschutz-, Bodenschutz-, Luftund Wasserreinhaltungs- sowie Biodiversitätsziele zu leisten und die Umwelt umfassend zu schützen. Dies erfordert, dass die bisherigen flächengebundenen Direktzahlungen aus der 1. Säule der GAP im Laufe der nächsten zwei Förderperioden schrittweise und vollständig in Zahlungen umgewandelt werden, die konkrete Leistungen im Sinne gesellschaftlicher Ziele betriebswirtschaftlich attraktiv werden lassen. Dabei empfiehlt die ZKL, die Konditionalitäten entsprechend abzubauen, den Anteil der EcoSchemes schrittweise zu erhöhen, Übergangsregelungen für den Transformationsprozess zu entwickeln und die Vernetzung von Biotopen, Landschaftselementen etc. sowie kooperative Lösungen zu fördern. 

Viele Gemeinsamkeiten mit Ideenpapier von Naturefund

Deutlich wird: Die Empfehlungen der Zukunftskommission Landwirtschaft stimmen zum großen Teil mit unserer Vision einer zukünftigen, nachhaltigeren Landwirtschaft überein. So zeigen auch wir in unserem Arbeitspapier für eine zeitgemäße Agrarpolitik auf, dass der Aufbau von Humus als Kohlenstoffsenke oberste Priorität bei der Ausgestaltung der Agrarpolitik haben sollte, dient ein gesunder Boden doch als Wasser- und Kohlenstoffspeicher, ist maßgeblich entscheidend für das Wachstum gesunder Pflanzen und dient zudem auch noch der Erhaltung von Biodiversität. Zudem fordern auch wir die Förderung einer regionalen Produktion und Vermarktung und setzen uns für einen Erhalt der Vielfältigkeit von Betrieben ein. Auch wir fordern faire Verbraucherpreise, die die Erzeugerkosten auf jeden Fall decken - Von der derzeitigen Billig- und Exportorientierung muss dringend Abstand genommen werden. Dafür müssen auch gesellschaftliche Wandlungsprozesse vollzogen werden hin zu einem stärkeren Fokus auf die Qualität statt der Produktion von Masssen. Ebenso fordern auch wir eine Zusammenlegung des Budgets der 1. und 2. Säule, bei dem die Auszahlung an die Erbringung gesellschaftlicher Leistungen geknüpft sein muss.

Der vollständige Abschlussbericht der Zukunftskommission Landwirtschaft

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