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Eindrücke des Naturefund-Teams zum Wisent-Projekt

Das Naturefund-Outdoor-Team
Foto: Naturefund

Das Naturefund-Team war für eine  Woche zum Arbeitseinsatz in Bad Berleburg. Gemeinsam mit den beiden Wisentrangern wurde im Freilandgehege eine Fanganlage für Wisente gebaut.

Der Wisent ist selten und die Tiere sind sehr eng miteinander verwandt. Immer wieder führt es dazu, dass vor allem Jungbullen getötet werden müssen, um Inzucht zu vermeiden. Seit Anfang 2020 unterstützt Naturefund die Wisent-Welt-Wittgenstein. Als erstes gemeinsames Projekt entstand die Idee, eine Fanganlage für Wisente zu bauen, damit die Tiere zukünfig schonend gefangen und an Projekte weitergegeben werden können. Es war eine ganz besondere Woche für alle Beteiligten. Hier erzählen die sechs Mitarbeiter von Naturefund über ihre Eindrücke.

Hanna Engler von Naturefund erzählt: Es ist Mitte Oktober, die Wolken hängen tief und grau über den Wipfeln und das ganze Rothaargebirge scheint im Herbst-Blues gefangen. Das ganze Rothaargebirge? Nein! Eine kleine unbeugsame Gruppe wuselt fleißig um ein großes hölzernes Konstrukt herum, neben Regengeplätscher und Windböen bestimmen die Geräusche von Motorsäge, Akkuschrauber und Flex die Umgebung.

Es ist das Outdoor-Team von Naturefund aus Wiesbaden zusammen mit den beiden Rangern der Wisent-Welt, die den produktiven Krach verursachen. Das gemeinsame Ziel: Die Fanganlage für Wisente fertig bauen, so dass die Tiere der kleinen Herde im Gehege zukünftig schonend gefangen werden können. Bisher wurden sie betäubt, z. B. für eine medizinischen Behandlung oder für einen Transport. Doch jede Betäubung birgt ein Risiko für das Tier. Mitunter wurden die Tiere auch erschossen, insbesondere dann, wenn man Jungbullen entnehmen musste, um Inzucht zu vermeiden. 

Eine Fanganlage soll nun zukünftig helfen, die Tiere schonend und in Ruhe zu vereinzeln, sie medizinisch zu versorgen oder mitunter auch in einen Transporter zu verladen, um sie zu anderen Wisentherden zu bringen, die über ganz Europa bis nach Russland verteilt sind.

Der Bau der Fanganlage

Die Fanganlage besteht aus Holz mit einem großen Metalltor. Es mussten dabei nicht nur Bretter und Pfosten zurecht geschnitten, sondern auch Zaunelemente weiter verstärkt und Querstreben angebracht werden. Rund um die runde Anlage wurde ein Laufgang angebracht, so dass die Ranger sicher von außen die Tiere beobachten können. Wie viele Schrauben und Akkus wir verbraucht haben? Wir wissen es nicht! 

Katja Wiese, Gründerin von Naturefund: „Am Beeindruckendsten war für mich die Natur. Fünf Tage umgeben von Wald, Wiesen und einer kleinen Herde Wisente, die nahebei stand. Nebel hing morgens in den Bergen, ab und zu regnete es leicht, das Licht war oft diesig und doch oder vielleicht gerade deswegen war der Blick auf die bewaldeten Hügel und grünen Täler wunderschön. Gemeinsam bauten wir mit Holz und Schrauben an der Fanganlage, die nach und nach Form annahm. Die Motorsäge war zu hören, immer mal wieder auch ein Lachen, wenn z. B. eine Schraube nicht passte, oder Stimmen, wenn kurz der nächste Schritt abgestimmt wurde.“

Die Wettervoraussetzungen waren zwar rosig, doch ein Lagerfeuer aus Holzresten glimmte stets und die Stimmung war prima! Für Vera Scheidt von Naturefund war das mit am eindrücklichsten: „Die Zusammenarbeit lief so harmonisch, jede und jeder wusste, welche Handgriffe zu machen sind. Das Miteinander hat einfach super gut geklappt! Und zu sehen, was es für Tiere in Deutschland mal frei in der Wildnis gegeben hat, das europäische Bison live zu erleben, war unbeschreiblich.“ Auch Martin Unfricht empfand den Teamgeist spürbar und ebenso die Wisente: „ Die Begegnung mit diesem fast schon historischen Tieren hautnah und in fast freier Wildbahn, das kann einem schon die Tränen in die Augen treiben. Das ganze Gelände hat so eine tolle, archaische Aura, man merkt richtig, hier gehören die Wisente hin. Ich hoffe sehr, dass die frei lebende Herde größer und nicht von privaten Menscheninteressen wieder eingeschränkt wird.“

Neben der kleinen Herde im Gehege gibt es aucheine freilebende Herde, welche durch die Wälder des Rothaargebirges streift. Damit diese freilebenden Wisente weiterhin frei umherziehen können, daran arbeitet das Team der Wisent-Welt und kann in Zukunft wohl immer mit der tatkräftigen Unterstützung durch Naturefund rechnen. Sarah Hamberger von Naturefund dazu: „Die Wisent-Welt-Woche war eine ganz besondere Arbeitswoche für mich! Mit den Outdoor-Kollegen zusammen an einer Fanganlage zu arbeiten, die dafür sorgt, dass die Tiere nicht geschossen werden müssen, sondern in andere Gehege gebracht werden können, war für mich Artenschutz pur! Nebenbei hat der Bau, vielleicht gerade weil es für einen guten Zweck war, super Spaß gemacht - und das trotz der Kälte. Der schönste Moment war natürlich, als wir das Tor des Geheges zur Fanganlage für die Wisente öffneten. Einen schöneren Abschluss der Woche hätte es nicht geben können!“

Tatsächlich packten alle Beteiligten kräftig mit an, darunter auch ehrenamtliche Helfer des Wisent-Stammtischs sowie die Projektleiterin Kaja Heising. Die Zusammenarbeit griff  so gut ineinander, dass der Bau schneller als geplant fertig wurde. Zum ganz besonderen Glück für die Besucher aus Wiesbaden, denn so konnten sie hautnah miterleben, wie die Ranger die Wisent-Herde wieder in den Abschnitt des Freigehege ließen, in dem jetzt die neue Fanganlage stand. Die Tiere gingen neugierig gleich auf die Fanganlage zu und beschnupperten sie … erst einmal nur von außen.

Nachwuchs in der Wisent-Welt

Wenige Tage vor Ankunft der Naturefund-Teams wurde zudem ein Wisentkalb geboren, ein Bulle. Naturefund hatte die Ehre, einen passenden Namen zu geben und Martin hatte dann auch die Idee, ihn „Quercus“, den lateinischen Namen für Eiche, zu geben. Ein junger Baum/Wisent, der aufwächst und nun zukünftig nicht mehr geschossen werden muss, sondern dank Fanganlage die seltene Art der Wisente bereichern kann.  

Sebastian Schön dazu: „Die erste Begegnung mit Quercus, dem erst wenige Tage alten Kalb, dem wir einen Namen geben durften, und seinen Genossen war einer der Momente, die bei mir einen bleibenden Eindruck hinterließen. Aber es gab viele: Beispielsweise war es faszinierend zu beobachten, als Zac, der Bulle, als erster seiner Herde die Fanganlage beschnupperte kurz nachdem wir sie fertig gestellt hatten. Alles in allem war es eine große Freude, den Wisenten die Möglichkeit zu bieten, ein glückliches Leben zu führen. Ich bin jederzeit bereit, wieder Energie in solch ein Projekt zu stecken!“

Und so lautete das Fazit von Katja wie vom gesamten Team: „Es war wie ein miteinander Weben an einem gemeinsamen Projekt. Schön war auch, mit dem Team von der Wisent-Welt zusammenzuarbeiten, sie und ihre Arbeit näher kennenzulernen, die Herausforderungen und  ihre Träume. Als wir dann vom Team Naturefund wieder zurückkamen in das Rhein-Main-Gebiet, wurde uns erst bewusst, wie intensiv nahe wir in dieser Woche in der Natur waren. Gerne wieder.“

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