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Ein "Yippiieh!!" auf Hessens Graureiher-Kolonie

Naturschützer kaufen Sumpfwald an der hessisch-thüringischen Landesgrenze. Naturefund plant schon den nächsten Coup.

9 Hektar Land in trockenen Tüchern

Liebe Leserin, lieber Leser,

Wenn in Pressemitteilungen der Ausruf "Yipiiehh" in dieser Schreibweise und dann noch mit zwei Ausrufezeichen steht, dann muss etwas Ungewöhnliches passiert sein. Was die Autorin der Mitteilung und Geschäftsführerin von "Naturefund", Katja Wiese, so in Verzückung versetzt, ist die Tatsache, dass Mitglieder und Freunde des vor zwei Jahren gegründeten Naturschutz-Vereins ein neun Hektar großes Stück Sumpfwald an der hessisch-thüringischen Landesgrenze kaufen konnten, um die dort zu findende Artenvielfalt vor menschlichen Eingriffen zu bewahren. Am Dienstag wurde das nicht nur von der Geschäftsführerin bejubelte Ereignis gefeiert.

So mancher Naturfreund vergleicht das Fleckchen Erde mit Gegenden in Afrika oder Amerika, andere schwärmen von einem Stück Urwald. Naturefund verweist darauf, dass sich dort über 50 Graureiher-Paare niedergelassen hätten, damit sei der Sumpfwald bei Obersuhl, einem Ortsteil von Wildeck im Kreis Hersfeld-Rotenburg, "die größte Graureiher-Kolonie Hessens".

Eigentlich ist das Naturparadies thüringisches Gebiet, Naturefund kaufte es für 55 000 € der 1116-Seelen-Gemeinde Dankmarshausen im Wartburgkreis ab. Der Wald mit angrenzenden Feuchtwiesen und einem Teich war bei der Grenzziehung nach dem II. Weltkrieg der westlichen Seite des geteilten Deutschland zugeschlagen worden, erst nach der Wende wurde er wieder ein Teil von Dankmarshausen. 40 Jahre lang lag das Gebiet so weit abseits von Straßen und Wegen, dass sich Pflanzen und Tiere dort weitgehend ungestört entwickeln konnten.

30 € - 30 Quadratmeter

Naturefund mobilisierte 1199 Paten, die für 30 € ein 30 Quadratmeter großes Stück des Sumpfwaldes kauften, der künftig von der Ortsgruppe des Naturschutzbundes (NABU) betreut wird. Zwar kein Pate, aber ein nicht unbedeutender Finanzier des Projektes ist das Kasseler Unternehmen Kali und Salz, das nicht nur die Hälfte des Kaufpreises, sondern auch noch Geld für die Renaturierung gab. Laut Naturefund nicht ganz uneigennützig, denn das Unternehmen, das in der Region Kaligruben und Verarbeitungswerke betreibt, habe sich so Ökopunkte gekauft, die es künftig abrechnen könne, wenn Ausgleichmaßnahmen bei Bauprojekten anstünden.

Eine der sichersten Maßnahmen Natur zu schützen

Naturefund sieht in seiner Kaufaktion "eine der sichersten und häufig auch die am schnellsten umzusetzende Maßnahme", um Naturschätze zu bewahren. Der Verein, dem nach eigenen Angaben bundesweit 50 Fördermitglieder angehören, hat sich ein hehres Ziel gesetzt: Bis zum Jahre 2020 sollen in jedem Land der Erde mindestens zehn Prozent der Fläche unter Naturschutz stehen. Das Projekt in Wildeck-Obersuhl ist das zwar das erste, das der noch junge Verein realisiert hat, doch das zweite ist laut Geschäftsführerin Wiese schon in Arbeit: Im Vogelsberg soll ein 2,5 Hektar großer Perlgrasbuchenwald gekauft werden, unter anderem wegen der dort zahlreich nistenden Fledermäuse.

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