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Kein Platz für Natur in der neuen GAP

Ackerfläche bis zum Horizont

Eine Analyse der Ausgestaltung der europäischen Agrarpolitik in den jeweiligen Mitgliedsstaaten zeigt: Auch in der kommenden Förderperiode wird es wohl zu wenig Rückzugsräume für die Natur geben.

Mindestens 10 % der landwirtschaftlichen Flächen für die Natur

Die durch die GAP-Subventionen geförderte Intensivierung der Landwirtschaft hat zur Beseitigung natürlicher Lebensräume in der Agrarlandschaft geführt. Der Verlust dieser abwechslungsreichen Strukturen und natürlichen Lebensräume kann als eine der Hauptursachen für den Rückgang der biologischen Vielfalt in der Agrarlandschaft gesehen werden. So ist die Zahl der Vögel in der Landwirtschaft laut Studien seit 1980 um 59 % zurückgegangen, die Insektenpopulationen brechen zusammen.

Lösungen für diese Probleme und zur Wiederherstellung der Artenvielfalt sind bekannt. Studien aus ganz Europa zeigen, dass sich die Populationen von Wildtieren erholen würden, wenn mindestens 10 % der heutigen landwirtschaftlichen Flächen nicht produktiv genutzt werden würden. Ein entsprechendes Ziel wurde auch in die EU-Biodiversitätsstrategie 2030 aufgenommen. Auf diesen Flächen, die zum Beispiel Brachen oder anderen Landschaftselementen wie Hecken, Bäume, Baumreihen, Feldränder, Pufferstreifen oder Tümpel enthalten können, muss der Natur ein Rückzugsraum gegeben werden.

Neben dem Schutz von Flora, Fauna und ganzen Ökosystemen dient eine ökologische Landwirtschaft zudem auch dieser selbst: Während laut Studien die Intensivierung der Landwirtschaft und der damit verbundene Verlust natürlicher Lebensräume und Arten die Ernteerträge schmälern, kann die Wiederherstellung von Flächen für die Natur die Erträge verbessern.

EU Vorgaben in der kommenden Förderperiode

Nicht verwunderlich also, dass die Europäische Kommission die Landwirtschaft in der derzeitigen Förderperiode bis 2027 hin zu mehr Nachhaltigkeit transformieren will. Für die nächste GAP-Förderperiode von 2023 bis 2027 ist der Erhalt von Subventionen nach der GAP-Strategieplan-Verordnung unter anderem an die Einhaltung des sogenannten GLÖZ-Standards 8 (guter landwirtschaftlicher und ökologischer Zustand) gebunden, wonach ein Mindestanteil der landwirtschaftlichen Fläche aus sogenannten „nicht produktiven Flächen“ oder Landschaftselementen bestehen muss.

Die Mitgliedstaaten können dabei zwischen drei Optionen zur Ausgestaltung des GLÖZ 8 wählen:

  1. Mindestens 4 % „nicht produktive Flächen“
  2. 3 % „nicht produktive Flächen“ und Öko-Regelungen zusätzlich zu GLÖZ 8, die 7 % der Fläche erfassen
  3. 3 % „nicht produktive Flächen“ und auf mind. 7 % der Fläche Anbau von Stickstoff-bindenden Pflanzen ohne Pestizide

Das wichtigste Instrument zur Erreichung dieser Ziele sind die nationalen GAP-Strategiepläne, die von jedem EU-Mitgliedsstaat ausgearbeitet werden müssen und die GAP-Ausgaben ab 2023 operationalisieren.

Analyse der nationalen Strategiepläne

Die Organisationen BirdLife Europe und das Europäische Umweltbüro haben alle GAP-Strategiepläne analysiert, um zu überprüfen, inwieweit die EU-Mitgliedsstaaten gewillt sind, der Natur auch auf landwirtschaftlichen Flächen mehr Raum zu geben. Interessant erscheint dies auch vor dem von der EU kürzlich veröffentlichten Gesetzesvorschlag, welcher vorsieht, bis 2030 auf mindestens 20 % der Land- und Meeresflächen der EU Maßnahmen zur Wiederherstellung der Natur durchzuführen und zudem alle natürlichen und naturnahen Ökosysteme bis 2030 auf den Weg der Erholung zu bringen.

Doch die Ergebnisse sind ernüchternd. Kritikpunkt der Analyse ist, dass keiner der Mitgliedstaaten in seinen nationalen Strategieplänen einen Mindest-Prozentsatz für nicht-produktive Flächen festlegt, der höher ist als der in den EU-Vorschriften geforderte. Das Problem daran: Das von der EU in den Verordnungen zum GAP-Strategieplan festgelegte Mindestniveau wurde von der Wissenschaft bereits als unzureichend eingestuft. Die meisten Mitgliedstaaten (22) gestalten ihre nationalen Strategiepläne so aus, dass die Summe der nicht produktiv genutzten Fläche weniger als 10 % beträgt. Damit wird das Ziel verfehlt, der Natur auch in unserer Agrarlandwirtschaft mehr wichtigen Rückzugsraum zu geben.

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Quelle:

Space for nature on farms in the new CAP: not in this round

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