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Back to the roots – Unabhängigkeit durch Agroforstwirtschaft

Alejandro mit seiner ErnteFoto: Ecosaf

Durch das Projekt von Naturefund „Verbesserung der Lebenssituation von Kleinbauern in semiariden Tälern von Cochabamba mit dynamischen Agroforst“, konnte Alejandro Rojas, ein dreißig jähriger Lehrer aus Arani, Bolivien, seine eigene Agroforstzelle einrichten und erlangte so seine Unabhängigkeit und mehr Lebensfreude.


Skepsis weicht Zukunftsvision

„Es war reiner Zufall,“ meint er. Drei Jahre zuvor wurde der Agroforstingenieur Studiengang in Arani eröffnet. In seiner Kindheit hatte Alejandro dank seiner Eltern schon Kontakt mit der Landwirtschaft. Der verantwortliche Ingenieur kannte ihn und fragte ihn, ob er nicht Lust hätte ein weiteres Studium in diesem Fach zu absolvieren. Erst war Alejandro skeptisch: „Wozu sollte ich studieren, wenn ich schon einen Beruf hatte?“ Doch aufgrund der schlechten und unzuverlässigen Bezahlung als Lehrer in Bolivien und der kostenlosen Einschreibegebühren im ersten Studienjahr, konnte er überzeugt werden. „Ich hoffte auf eine bessere Zukunft.“, sagte er. Und bis heute bereut er die Entscheidung nicht.


Ran an die Praxis

In der von Naturefund gespendeten Parzelle, konnte Alejandro dann sein erworbenes Wissen in die Praxis umsetzen. „Meine Familie und meine Nachbarn schüttelten bloß den Kopf, wenn sie die Büsche, die dichte Streuschicht und die Mischung der vielen verschiedenen Kulturpflanzen sahen. Aber der Boden braucht Schutz gegen den Wind und die starke Sonne.“, erklärt er.

Für ihn selbst war das Umdenken auch nicht einfach: „In Arani wird der Boden üblicherweise in der Winterruhe geackert und bleibt während der Trockenzeit unbedeckt. Die sandigen Böden, werden dann von den starken Winterwinden verweht. Ich habe viel Neues gelernt über natürliche Prozesse und mir wurde klar, dass unsere Landwirtschaft nicht gut ist für die Erde. Agroforstwirtschaft ist kaum bekannt in der Gegend, doch können wir genau dadurch der Erde helfen und unsere Familien mit gesunden Nahrungsmitteln ernähren.¨


Aus einem gesunden Boden schmeckt das Gemüse besser

Die Zweifel seiner Familie waren zerstreut sobald seine erste Ernte von Bohnen und Kaffee zwischen den Forst- und Obstbäumen reicher ausfiel als außerhalb des Agroforstsystems.

„Seither teilen sie meine Neugier. Sie bringen mir Samen und ermutigen mich neues auszuprobieren.“, erzählt er mit großer Freude.

Die zusätzliche Handarbeit und stetige Anpassungen der Pflegemaßnahmen je nach Pflanzenart stören Alejandro nicht. „Ich bin überzeugt, dass es sich lohnt etwas mehr zu arbeiten und dafür besser essen zu können. Auch meine Familie ist der Meinung, dass es ohne Chemie und aus einem gesunden Boden besser schmeckt.“


Unabhängigkeit und mehr Lebensfreude

„Ich fühle mich allgemein besser.“ sagt er. Durch sein eigenes Geschäft, welches von Tag zu Tag ertragreicher zu werden scheint, erhält er eine Unabhängigkeit, die er bei seinem Job als Lehrer nicht hatte. Seine finanziellen Sorgen sind vergessen. Alejandro erntet mittlerweile eigene Samen und hat eine eigene kleine Baumschule. Auch die Projektparzelle ist auf die doppelte Größe gewachsen. „Ich bin unabhängig.“, er strahlt


Was die Zukunft bringt

Der Bolivianer kann sich zwar vorstellen wieder als Lehrer zu arbeiten, würde allerdings seine Unabhängigkeit nicht wieder aufgeben wollen. Sein Ziel ist es, das Studium zu beenden und wahrscheinlich anschließend Teilzeit als Lehrer tätig zu sein. So hat er seinen Lehrer-Lohn, kommt aber nicht sofort in Schwierigkeiten wenn dieser nicht pünktlich ausgezahlt wird.

Sein Traum ist es Agroforstwirtschaft und den respektvollen Umgang mit der Natur weiterzuverbreiten. Durch eigene Beobachtungen leistet er große Beiträge zur Optimierung des Projektes bezüglich lokaler Bedingungen.

Seine Arbeit trägt die ersten Früchte – und das nicht nur in Form von Äpfeln und Pfirsichen. Auf dem Nationalen Agroforstkongress, der Ende November in Arani stattfinden wird, ist er eingeladen seine Parzelle als praktisches Beispiel für die optimale Nutzung des Dynamischen Agroforstes zu präsentieren.


„Back to the roots“

Die Anbaumethode des dynamischen Agroforstes basiert auf dem Wissen indigener Völker Lateinamerikas – Vielleicht haben Vorfahren Alejandros vor Jahrhunderten schon ähnliche Anbaumethoden verwendeten?

Artikel basierend auf Interview mit Charlotte Siegler von Ecosaf

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