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Vorpommersche Boddenlandschaft

Die typische Salzbinsenweide ist voller Priele. Foto: I. Stodian

Kirr ist die bekannteste Salzgraslandinsel im Nationalpark Vorpommersche Boddenlandschaft. In dieser Lagunenlandschaft der Ostsee liegt die Insel in einer Meerzunge zwischen dem Festland Mecklenburg-Vorpommerns und der Halbinsel Fischland-Darß-Zingst.

„Lagunen der Ostsee“

… werden die fast völlig von der Ostsee abgeschnittenen flachen Gewässer zwischen dem eigentlichen Binnenland und der Halbinsel Fischland-Darß-Zingst genannt. Wie die Perlen einer Kette reihen sich die sogenannten Bodden in der stark zerklüfteten Küstenlandschaft aneinander.

Doch wie konnte eine so bizarre Küstenform entstehen, deren einzigartige Bedeutung weit über den Ostseeraum hinaus geht?

Das Prinzip des Küstenausgleichs

Die Bildung dieses Küstentyps der vorpommerschen Boddenausgleichsküste setzte mit dem Abschmelzen des letzten Vorstoßes des Gletschereises ein. Erhebliche küstenverändernde Prozesse folgten. Als küstenformende Kräfte spielen die windbedingten Wasserströmungen eine große Rolle.

In den letzten Jahrtausenden feilten sie an den aus der Ostsee ragenden Flanken der Inselkerne. Die Strömung transportierte das abgetragene Sediment weiter, das sich in strömungsberuhigten Bereichen wieder ablagerte. Die Inselkerne dienten dabei als Gerüstelemente, zwischen denen sich das abgetragene Material als neu gebildete Landbrücke ansammelte.

Bis heute bildete sich so eine relativ geschlossene Küstenlinie aus, durch die Meeresbuchten abgetrennt und küstendynamisch beruhigt wurden.

Insule in Kyrre – Ein mit Sträuchern bewachsener Ort

In einer solchen Ostseebucht, im Barther Bodden, liegt die 370 Hektar große Insel Kirr. Sie besteht aus einer Sandplatte, die mit einer Torfdecke eines Küstenüberflutungsmoores bedeckt ist. Sie bildete sich im ehemaligen Rückstromdelta des inzwischen versandeten Seegatts Straminke.

Seegatts werden die Fluttore genannt, durch die die Ostsee und die Boddengewässer verbunden werden. Als Strömungsrinnen sorgen sie für einen regelmäßigen Wasseraustausch zwischen der Ostsee und den Bodden. Heute sorgt ein noch aktives Seegatt, die Pramorter Flutrinne, für einen regelmäßigen Wasseraustausch zwischen Ostsee und Bodden.

Hochwasser bei starken Winden

Die Insel wird bei Hochwasser überflutet. Anders als an der Nordseeküste, tritt das Hochwasser nur  auf, wenn starker Wind oder sogar Sturm aus östlichen oder nordöstlichen Richtungen das Wasser an die Küste „drückt“.

Im extremsten Fall treibt zunächst ein aus Westen kommendes Tief aus Richtung West oder Nordwest Wasser aus der Nordsee durch Skagerrak und Kattegat in das „Binnenmeer“ Ostsee. Zieht das Tief zur südlichen Ostsee und weiter bis nach Polen und dreht dann der Wind rasch auf Nord bis Nordost, dann „schwappt“ Wasser in der Ostsee wie in einer Badewanne zurück und läuft an der Küste Mecklenburg-Vorpommerns auf.

Tritt ein solches Hochwasser auf, überfluten die salzhaltigen Boddenwässer die Wiesen der Insel fast vollständig. Durch die Priele kann das Boddenwasser größtenteils wieder abfließen.

Etwas Wasser bleibt jedoch immer in vielen Tümpeln stehen oder verdunstet in so genannten Salzpfannen oder Röten.

Nur eine Momentaufnahme

Die landschaftsverändernden Prozesse schreiten weiter voran. Der heutige Küstenverlauf stellt nur eine Momentaufnahme dar und wird durch stetige Landverluste an Steilküsten und Landgewinne an exponierten Flachküstenabschnitten geprägt.

Die Küstenausgleichsprozesse in der Vorpommerschen Boddenlandschaft sind in ihrer Großflächigkeit für Mitteleuropa beispielhaft und deshalb wesentlicher Grund für die Ausweisung des Nationalparks gewesen.

Quellen: Die Halbinsel Fischland-Darß-Zingst und das Barther Land, Hrsg. Konrad Billwitz, Haik Thomas Porada, Böhlau Verlag 2009

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