· Naturefund Pressemitteilung

Von der Sinnlosigkeit der Fuchsjagd

Fuchswelpen Foto: Detlev Hinrichs

Im Rahmen sogenannter „Fuchswochen“ wird derzeit erbarmungslos Hatz auf den Fuchs gemacht. Doch Studien aus mehr als 30 Jahren zeigen auf, dass die Fuchsjagd die Bestände der Füchse nicht reduziert, sondern oft zu einem Populationsanstieg führt.

Schonzeit für Füchse gefordert

Mehr als 70 Tier- und Naturschutzorganisationen und kritische Jäger fordern daher eine Beendigung dieses sinnlosen und oft auch grausamen Tötens des Fuchses.

Möglichst viele Tiere töten mit fragwürdigen Argument

Zurzeit hat der Fuchs besonders unter Nachstellungen zu leiden: Jäger nutzen die Paarungszeit der Füchse, um die sonst so vorsichtigen Tiere vor die Flinte zu bekommen. Zudem werden vielerorts sogenannte „Fuchswochen“ veranstaltet, bei denen revierübergreifend versucht wird, so viele Füchse wie irgend möglich zu töten.

Um diese erbarmungslose Verfolgung unseres letzten größeren Beutegreifers zu rechtfertigen, behauptet man kurzerhand, die Fuchsjagd sei „notwendig“, weil die Fuchsbestände ansonsten überhandnähmen.

Fuchsbestände müssen nicht „reguliert“ werden

Die 2011 gegründete Initiative „Schonzeit für Füchse“, der bereits über 70 Organisationen aus dem gesamten Bundesgebiet angehören, widerspricht dieser Behauptung vehement: Wie wir aus jagdfreien Gebieten wissen, sorgt die Sozialstruktur von Fuchspopulationen dafür, dass die Tiere sich nicht über Gebühr vermehren. Verfolgt man Füchse nicht, so leben sie in stabilen Familiengemeinschaften zusammen, in denen nur die ranghöchste Füchsin Nachwuchs bekommt.

Die Geburtenrate ist relativ gering und die Populationsdichte bleibt konstant. Englische Forscher um den Fuchsexperten Stephen Harris konnten zeigen, dass selbst ein 150faches Nahrungsüberangebot die Fuchsdichte nicht weiter wachsen lässt. Werden Füchse dagegen stark bejagt, so brechen die Gemeinschaften auseinander, und nahezu jede Füchsin wird befruchtet. Studien zeigen, dass zudem auch die Anzahl der Welpen pro Wurf wächst.

Jagd ist kontraproduktiv

Je stärker Füchse also bejagt werden, desto mehr Nachwuchs gibt es – eine „Regulation“ von Fuchsbeständen ist also weder nötig, noch ist sie mit jagdlichen Mitteln überhaupt möglich. Selbst als man in den 1970er Jahren Füchsen zur Tollwutbekämpfung nicht nur mit Flinten, Fallen und Hunden, sondern sogar mit Giftgas zu Leibe rückte, konnte die Fuchsdichte bundesweit nicht verringert werden.

Mehr noch: Die Tollwut breitete sich noch schneller aus als zuvor, da das Chaos in der stark bejagten Fuchsgesellschaft dafür sorgte, dass die nun zahlreich vorhandenen vagabundierenden Jungfüchse die Tollwut erst in neue Gebiete einschleppten. Die Schweizerische Tollwutzentrale folgerte daher, dass eine jagdliche Reduktion von Fuchspopulationen offensichtlich nicht möglich und die Jagd zur Tollwutbekämpfung sogar kontraktproduktiv sei. Erst tierfreundliche Impfköder konnten die Tollwut besiegen – sie gilt heute in Deutschland und in weiten Teilen Europas als ausgerottet.

Manche Jäger wollen die Natur mit der Flinte „zurechtschießen“

Diese Erfahrung ist geradezu symptomatisch für unseren Umgang mit Wildtieren: Manche Jäger wollen uns glauben machen, man müsse die Natur mit der Flinte „zurechtschießen“. Dass es anders wesentlich besser geht, zeigen jene wenigen Gebiete, in denen Füchse nicht bejagt werden.

Ob in Nationalparks im In- und Ausland, in jagdfreien Naturschutzgebieten, in Dünengebieten Nordhollands, im Kanton Genf oder im „Urwald“ bei Saarbrücken: Nirgendwo war nach der Einstellung der Jagd eine Zunahme der Fuchspopulation zu verzeichnen. „Die angebliche Notwendigkeit der Fuchsverfolgung ist eine reine Alibibehauptung“, erläutert Lovis Kauertz, einer der Initiatoren der Kampagne. 

„Tatsächlich geht es um die Lust an der Fuchsjagd, wie zahlreiche Fotos und Beiträge in einschlägigen Jagdforen im Internet eindrucksvoll beweisen.“

Fuchsjagd: Jagdlust als Motiv

Die intensive Verfolgung des Fuchses, der in den meisten Bundesländern nicht einmal eine Schonzeit hat, ist vollkommen unnötig. Sie fügt Tieren - ohne dass der vom Tierschutzgesetz geforderte „vernünftige Grund“ vorliegt - Schmerz und Leid zu. Die Initiative „Schonzeit für Füchse“ fordert daher in einer bundesweiten Kampagne eine mindestens neunmonatige Schonzeit für Meister Reineke.

"Im Grunde geht es um ein Umdenken in der Jagd. Lange Zeit war es ein Statussysmbol zu jagen, das meist nur Adligen vorbehalten war. Wer jagt, der zählt was. Doch dieses Denken ist mehr als überholt. Ermutigend ist die große Resonanz auf unsere Initiative, eine Schonzeit für Füchse zu fordern, der sich auch mehr und mehr Jäger anschließen." so Katja Wiese, Geschäftsführerin von Naturefund. "Mein Wunsch ist, dass es zum Statussymbol wird, klug, weise und vor allem mit Respekt vor den Mechanismen der Natur zu jagen."

Pressekontakt Wildtierschutz Deutschland e. V.

Lovis Kauertz (Vorsitzender)
Am Goldberg 5, 55435 Gau-Algesheim, Tel.: +49 177 723 008 6
lovis.kauertz(at)gmail.com, www.wildtierschutz-deutschland.de

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