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Interview mit der Gründerin von Naturefund, Katja Wiese

Katja Wiese Foto: Naturefund

Naturefund ist eine gemeinnützige Naturschutzorganisation mit dem Ziel, Land zu kaufen und zu schützen, um Lebensräume für die Vielfalt der Arten zu erhalten.

Was ist die Besonderheit Ihrer Firma?

Naturefund arbeitet wie ein Scharnier zwischen Naturschutzprojekten und der Öffentlichkeit. Wir vermitteln interessante und wichtige Naturschutzprojekte an den Einzelnen wie auch an Firmen.

Gleichzeitig induzieren wir neue Projekte durch unseren Fokus auf den Schutz von Lebensräumen über den Kauf von Land. Land zu kaufen ist häufig eine der wirkungsvollsten und auch am schnellsten umzusetzenden Maßnahmen, um Raum für die Vielfalt der Arten zu erhalten. Dafür nutzen wir modernes Marketing, um eine Vielzahl von Menschen für die Belange der Natur zu gewinnen.

Hintergrund hierfür ist die Tatsache, dass viele Naturschutzorganisationen sehr gute Naturschutzarbeit machen, doch Marketing und Pressearbeit nicht immer ihre Stärken sind. Gleichzeitig werden zahlreiche Menschen durch den Ansatz mancher Organisation nicht angesprochen. Und dennoch ist eine intakte Natur so wichtig für uns alle, heute mehr denn je, dass wir einfach mehr Unterstützung für den Schutz der Natur brauchen. Hier setzt Naturefund an und versucht über klare, transparente Kommunikation sowie guten Kundenservice, zahlreiche Menschen für den Naturschutz zu gewinnen.

Was waren Ihre ersten beruflichen Erfolge?

Die ersten beruflichen Erfolge waren der Kauf und Schutz von 92.000 Quadratmetern Sumpfwald inklusive Feuchtwiesen und einem etwa 10.000 Quadratmeter großen See in Nordhessen im Jahr 2005. Seitdem ist Naturefund gewachsen und konnte bereits etwa 300.000 Quadratmeter Land für die Natur kaufen und schützen.

Seit 2007 arbeiten wir auch international, unter anderem unterstützen wir die Aufforstung in einem der letzten großen Regenwaldgebiete in Mittelamerika. Innerhalb kurzer Zeit konnten wir mehr als 10.000 Bäume wieder aufforsten. Aktuell sind wir dabei einen langfristigen Plan mit dem Management des Nationalparks Patuca, Honduras, zu entwickeln, um abgeholzte Fläche im Nationalpark wieder aufzuforsten und weitere 25.000 Bäume aufzuforsten.

Darüber hinaus sind zahlreiche Firmenkooperationen zu nennen. Die jüngste Kooperation ist die mit einem Reifenhersteller, der im Frühjahr 2008 für jeden Satz seiner Sommerreifen mit Naturefund einen Baum in Europa aufgeforstet hat. Der Reifen ist ein rollwiderstandsoptimierter Reifen, der den Spritverbrauch und damit auch CO2-Ausstoß von Autos nachweislich senkt. Insgesamt kamen so über 25.000 Bäume zusammen.

Last but not least sind unsere beiden Werbespots zu nennen, die wir mit Unterstützung eine Filmproduktion aus Frankfurt sowie mit zahlreichen Sponsoren realisieren konnten. Der neue Werbespot lief dieses Jahr sogar auf den Werbefilmfestspielen in Cannes.

Wie war Ihr beruflicher Werdegang?

Studium von Politik und Wirtschaft, Abschluss Magister 1996; 1996 - 1997 Redaktionsassistentin beim NDR-Hörfunk, Hamburg; 1998 - 2000 Referentin für Corporate Fundraising, WWF Deutschland, Frankfurt/Main; 2000 - 2003 Beraterin bei CSC Ploenzke und der plenum AG, Wiesbaden; 2003 - 2008 Gründung, Aufbau und Leitung von Naturefund, Wiesbaden, nebenbei freiberuflich Beraterin und Coach für Firmen und Einzelpersonen.

Was war für Sie der Auslöser, ein eigenes Unternehmen zu gründen?

Als ich 14 Jahre alt war, fuhr ich einmal mit einem Bauern auf eine Pferdewagen über nordfriesische Wiesen bei Husum. Die Wiesen dort sind eigenartig gewellt, da die Bauern dort Drainagen gelegt hatten, um die ehemaligen Moore trocken zu legen, damit sie wirtschaftlich genutzt werden konnten. Die einzigartige Artenvielfalt ging verloren, zurück blieben weite Wiesen und ödes Land. Da beschloss ich oben auf dem Kutschbock: Wenn ich einmal groß bin, kaufe ich Land für Natur!

Diesen Traum habe ich irgendwie nie vergessen, vielmehr war es für mich wie eine leise Sehnsucht. Als ich dann durch meinen beruflichen Werdegang Erfahrungen sammeln konnte, sowohl in der Pressearbeit, im Naturschutz wie auch in der Zusammenarbeit mit Firmen und dabei zahlreiche Werkzeuge kennen lernte, wie professionelle Kommunikation und modernes Marketing, insbesondere im Internet, dachte ich, jetzt sei es Zeit, diesen Traum zu verwirklichen. So fing ich 2003 voller Begeisterung an.

Wer hat Sie beraten, wer sind Ihre Helfer und Mentoren?

Hmm, beraten hat mich eigentlich niemand. Die Ideen für Naturefund entstanden aus mir und meiner beruflichen Erfahrung in den verschiedenen Welten.

Es gab und gibt jedoch zahlreiche Helfer und Helferinnen, die sich für die Idee von Naturefund begeistern. So gibt es einen Naturfotografen, der uns kostenlos seine wunderbaren Bilder zur Verfügung stellt, eine Hausfrau, die mich vor allem in den ersten Jahren bei der Buchhaltung und bei Rechercheraufgaben unterstützte, ein Patentanwaltsbüro, dass uns seit Jahren kostenlos unterstützt und viele andere. Ohne diese Helfer und Helferinnen wäre Naturefund nicht dahin gekommen, wo wir heute stehen.

Wie haben Sie die ersten Tage als Gründerin erlebt?

Die ersten Tage oder besser das erste Jahr nach der Gründung, waren aufregend und immer wieder von tiefen Zweifeln geprägt. Schließlich kam ich aus einem gut bezahlten Job als Unternehmensberaterin und wollte mich mit der verrückten Idee einer Naturschutzorganisation selbstständig machen, einem Bereich, in dem man garantiert nicht reich wird und der mittlerweile so weit entfernt war von der Welt, in der ich mich als Beraterin bewegt hatte. Außerdem gab es doch schon so viele Naturschutzorganisationen. War ich nicht vermessen, hier etwas Neues gründen zu wollen? Dann blieb anfangs der Erfolg aus, die Schritte waren so langsam. Und doch, ich blieb dran, denn mein Traum und auch die Sehnsucht in mir nach mehr wilden Naturräumen war nach wie vor da.

Was war Ihre größte Herausforderung und wie haben Sie diese gemeistert?

Die erste große Herausforderung war, dran zu bleiben, meiner Idee treu zu bleiben, auch wenn der erste, schnelle Erfolg ausblieb. Vielmehr mich nicht ablenken zu lassen, sondern immer wieder zu überprüfen, passt die Idee zur Zeit, wie kann ich die Umsetzung optimieren, wie meine Arbeit effektiver gestalten etc.?

Dann war und ist es sehr viel Arbeit und die finanziellen Mittel waren und sind immer noch sehr eng. Ich musste mein Leben komplett umstellen. Nicht mehr abends einfach Essen gehen oder sich schnell mal neue Kleider kaufen, sondern andere, kreative Lösungen finden.

Mittlerweile ist Naturefund gewachsen und es gibt neue Schritte. Immer wieder stehe ich vor der Frage, soll ich den nächsten Schritt wagen, soll ich das neue Büro mieten, den neuen Mitarbeiter einstellen, die Marketingkampagne starten? Soll ich investieren und ein Risiko eingehen. Immer wieder stehe ich vor dieser Frage und immer wieder ist die Antwort: Wenn ich selbst an diese Idee glaube, dann ist die Antwort: Ja!

Wie machen Sie auf Ihr Unternehmen aufmerksam? Was ist Ihre beste Vermarktungsidee?

Wir machen auf uns aufmerksam vor allem mit vier Werkzeugen: 1. Das Internet, 2. Pressearbeit, 3. klassische Werbung, wobei vor allem die Werbespots hervorzuheben sind, und schließlich 4. Kooperationen, denn die Partner haben mitunter ganz andere Herangehensweisen und Kanäle, den Namen von Naturefund und unsere Idee einem breiteren Publikum bekannt zu machen.

Wie haben Sie die Finanzierung Ihrer Gründung umgesetzt?

Das Arbeitslosen- und das Überbrückungsgeld haben mir in den ersten 18 Monaten den Rücken freigehalten, so dass ich Naturefund in Ruhe aufbauen konnte. Ansonsten habe ich mein Erspartes genutzt und eben sehr viel gearbeitet.

Welchen Traum möchten Sie noch verwirklichen?

Das Ziel von Naturefund ist, 3,5 Millionen Quadratkilometer Land zu kaufen und zu schützen. Dafür möchte ich noch internationaler arbeiten, mit mehr Kooperationen sowohl im NGO- wie auch im Firmenbereich. Ich möchte einen Topf, einen Fonds aufbauen mit am liebsten zehn Milliarden Euro - wenn schon die großen Summen in aller Munde sind, dann bitte auch für die Natur.

Aus diesem Fonds sollen dann regelmäßig jedes Jahr weltweit der Kauf und Schutz größerer Flächen für die Natur finanziert werden. Außerdem träume ich davon, auch für uns Menschen Ruheorte einzurichten. Einen schönen Ort nahe einem Schutzprojekt, wo sich zum Bespiel Naturschützer und Naturschützerinnen erholen und neue Gedanken entstehen lassen können, mich eingeschlossen.

Bitte ergänzen Sie folgenden Satz: Wenn Sie mehr Zeit hätten würden Sie ...

... mehr leere, faule Momente kreativ nutzen und genießen, mehr schöne Kleider für mich nähen, mittlerweile mein großes Hobby, und mehr Fahrradfahren. Ebenso würde ich öfters Freunde zum Essen einladen und gemeinsam schöne Abende verbringen.

Was ist Ihr besonderer Tipp: Was würden Sie Gründerinnen und Gründern empfehlen?

Ruhe bewahren und dran bleiben. Immer wieder gut für sich selbst sorgen und leere, faule, schöne Momente einplanen und genießen. Misserfolge als Herausforderung sehen und nüchtern schauen, was beim nächsten Mal besser gemacht werden kann.

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