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Grüße aus Bolivien – die Aufforstung geht weiter

Erträge trotz Dürre Foto: Naturefund

Katja Wiese von Naturefund reiste nach Bolivien, um das Aufforstungsprojekt zu evaluieren. Mittlerweile gibt es großes Interesse an der Aufforstungsmethode dynamischer Agroforst. Naturefund startet daher ein weiteres Projekt: Phase III der Aufforstung in den Anden.

Naturefund bekommt viele neue Anfragen

Offiziell ist unser Aufforstungsprojekt in Bolivien mit 10.000 Bäumen erfolgreich beendet. Doch unser Projekt mit der Einführung von dynamischen Agroforst rund um den Nationalpark Tunari ist so erfolgreich, dass wir uns vor Anfragen kaum retten können. Auf einmal kommen die Bezirksregierungen und fragen uns, ob sie mitmachen können. Sogar die Regierung von Cochabamba, vergleichbar mit dem Land Hessen, möchte mit Naturefund zusammenarbeiten. Dessen nicht genug, der Direktor aller 22 Nationalparks von Bolivien möchte ebenfalls mit Naturefund kooperieren.

Also bin ich nach Bolivien geflogen, um zum einen die ersten zwei Etappen des Projektes mit 10.000 Bäumen zu evaluieren. Die Ergebnisse sind sehr gut und wir haben wieder mehr gepflanzt, als offiziell angegeben. Ich habe die aktuelle Zusammenstellung noch nicht, aber es müssten etwa 15.000 Bäume sein. Naturefund pflanzt immer mehr Bäume, um auf der sicheren Seite zu sein.

Schwerste Dürre in Bolivien seit 25 Jahren

Bolivien erlebt derzeit die schwerste Dürre seit 25 Jahren. Die kleine Regenzeit im August ist ausgefallen und die große Regenzeit, die Anfang November beginnen sollte, verzögert sich. Fast alle Wassertanks sind leer, ebenso die natürlichen Wasserreservoirs in den Bergen. Die Millionenstadt La Paz steht kurz vor dem Kollaps. Seit Wochen haben einige Stadtviertel kein Wasser mehr, d. h. die Menschen können nicht kochen, sich nicht waschen und auch nicht zur Toilette gehen, denn die Wasserspülung funktioniert nicht mehr. Wir sprachen mit jemanden von der deutschen Botschaft, die uns mitteilte, die Lage sei sehr ernst. Familien mit Kindern wird empfohlen, nach Deutschland zurückzugehen und das Technische Hilfswerk ist informiert. Einer Stadt mit Millionen Menschen ohne Wasser droht Cholera und Ähnliches. Ja, es sind die Folgen des Klimawandels und es ist auch menschliches Versagen.

Nun zu unseren Parzellen … trotz der langen Dürre haben über 90% der von uns gepflanzten Bäume überlebt! Die Methode dynamischer Agroforst mit hoher Diversität, hoher Dichte und Schnitt macht es möglich. Die verschiedenen Pflanzenarten bilden Konsortien, die sich in dieser Dürrezeit gegenseitig unterstützen. Die dicke Mulchschicht aus Biomasse verhindert die Austrocknung des Bodens. Ich habe Setzlinge von Apfelbäumen in 4.000 m Höhe gesehen, die wir vor 8 Monaten gepflanzt haben und die außer anfangs nicht mehr gegossen wurden. Sie sind immer noch grün.

Wir machen selbstverständlich mit den Projekt weiter

Es wäre wirklich zu schade, das großes Interesse an dynamischen Agroforst und die Öffnung der staatlichen Stellen für diese alternative Anbauform nicht zu bedienen. Aktuell bekommen wir dafür Unterstützung von Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und wahrscheinlich auch von der deutschen Botschaft in Bolivien. Es wird für den Anfang reichen, doch bestimmt werden wir irgendwann wieder nach Spenden für Bolivien fragen ...

Unser Fokus in der dritten Phase wird neben der Unterstützung von Kleinbauernfamilien auch auf der Ausbildung und Verbreitung der Methode dynamischer Agroforst liegen. Wir haben ein Curriculum mit theoretischem und praktischem Teil aufgebaut. Alle Techniker der dritten Projektphase müssen diese Ausbildung durchlaufen, selbst wenn sie schon einiges wissen. Wir wollen eine gemeinsame Grundlage in der Methode dynamischer Agroforst schaffen. Am Ende wird es ein Zeugnis von Naturefund geben.

Doch das wird nicht ausreichen

Wir haben mittlerweile weltweit viele Anfragen nach dieser Methode. Noch ist Naturefund zu klein, um alle gleich bedienen zu können. Daher werden wir ein Lehrvideo in verschiedenen Sprachen über diese Methode produzieren. Das Video wird die Ausbildung nicht ersetzen können, gerade auch wegen dem praktischen Anteil unter Anleitung einer Expertin. Doch ein Video bietet zumindest die Möglichkeit, auch ohne Ausbildung mit dynamischem Agroforst anzufangen.

Es ist in unseren Augen eine der besten, wenn nicht die besten Anbau- und Aufforstungsmethode weltweit, insbesondere für die Bedürfnisse von Kleinbauernfamilien. Die Ergebnisse in Bolivien bestätigen unsere Auffassung. Mit dieser Methode entsteht ein Naturwaldähnliches System mit hoher Produktivität, das auch stark degradierte Boden in kurzer Zeit wieder aufbaut und fruchtbar macht. Es schafft einen gesunden Boden, der wesentlich mehr Wasser speichern kann, als ohne dynamischen Agroforst. Damit können dynamische Agroforstparzellen Klimaschwankungen besser ausgleichen. Chemische Hilfsstoffe wie Dünger oder Pestizide werden kaum noch und meist gar nicht mehr gebraucht. Und … es entsteht neuer Lebensraum für viele, teilweise vom Aussterben bedrohte Arten.

Trotz der Dürre, trotz der aktuell starken Abholzungsrate, gerade auch in Bolivien, habe ich daher Hoffnung. Hoffnung, dass die Menschheit neue Wege findet, mit größerem Einklang und Respekt mit den natürlichen Ressourcen und der Natur zu leben.

Herzliche Grüße aus Bolivien
Katja

 

Bilder von Bolivien 2016 finden hier in unserer Bildergalerie

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Urwald in den Andenin Bolivien

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Bäume für Bolivien

Ihr Beitrag zur Wiederbewaldung der Anden in Bolivien.

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