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Totholz in der Streuobstwiese – ein alles andere als toter Lebensraum

Zweijährige Benjeshecke entlang eines Weges.

Bei der Baumpflege in Streuobst­wiesen fallen schnell erhebliche Mengen an Ästen und Zweigen in unter­schied­lichster Dicke und Länge an. Für die Weiter­verwendung dieses Holzes gibt es verschiedene Möglichkeiten.

Entweder die Äste werden gehäckselt und als Hackschnitzel zum Auslegen von Wegen und Plätzen verwendet, oder sie werden zum Mulchen in die Erde eingearbeitet. Auch die Herstellung von Holzkohle ist eine oft genutzte Verwertung. 

Der Totholzhaufen

Das zurückgeschnittene Holz kann aber auch an Ort und Stelle verbleiben und dort als Landschaftselement in Form eines Totholzhaufens oder einer Benjeshecke eine wichtige Aufgabe erfüllen. Mit der Zeit entstehen in diesen Aufhäufungen durch Zersetzung und Fäulnis eigene kleine Biotope mit vielen Nischen und Verstecken. Gerade für die bevorstehende kalte Jahreszeit entstehen hierüber attraktive Winterquartiere für viele Reptilien, Amphibien und vor allem Insekten. 

Die Benjeshecke

Als Benjeshecke wird eine der Länge nach wahllos geschichtete Reihe an Ästen, Zweigen und Gestrüpp innerhalb zweier Reihen an senkrecht im Boden steckenden Holzpfählen bezeichnet. Im Laufe der Zeit sackt eine solche Hecke zusammen und Wind und Vögel tragen Samen ein. Die Hecke beginnt durch nachwachsendes Grün zu leben. Das im Inneren der Hecke liegende Holz verwandelt sich durch die Zersetzungsarbeit vieler Pilze und Mikroben zu einem Eldorado für unzählige Käfer, Asseln und Spinnen.

Totes Holz am Baum

Aber auch an den Obstbäumen selbst entsteht immer wieder totes Holz. Äste und Zweige sterben oft durch Krankheiten oder Schädlingsbefall ab. Auch Misteln können einen Baum so stark schädigen, dass ganze Partien in der Krone aufgrund von Wasser- und Nährstoffmangel vertrocknen. Sturmereignisse oder übermäßiger Fruchtbehang können ebenso zum Abknicken oder Bruch von Ästen bzw. zum Umstürzen des ganzen Baumes führen. Das Gewähren dieser Baumleichen in einer Streuobstwiese ist von sehr hohem ökologischen Wert, da sie zu einem eigenen kleinen Biotop für die dortige Insektenwelt – für viele Käfer und Wildbienen – werden.  

Wie entsteht eine Asthöhle?

Auch Pflegemaßnahmen haben oft als Folge, dass sich abgestorbene Bereiche im Baum ausbilden. Meist geschieht dies, wenn größere Äste eingekürzt oder direkt am Stammansatz abgesägt werden. Ab einem bestimmten Durchmesser der Schnittfläche gelingt es dem Baum nicht mehr, die Schnittwunde durch Ausbildung von neuer Rinde zu überwallen. Das Kernholz bleibt über die Jahre der Witterung ausgesetzt, und Pilze und Insekten nagen sich ins Holz. Es wird mit der Zeit morsch und fällt nach und nach in sich zusammen, bzw. wird aktiv von Vögeln – wie z.B. der Familie der Spechte – nach draußen befördert. Umgeben von noch lebendem Splintholz und der Rinde ist nun eine Asthöhle im Inneren des Stammes entstanden. Ein natürlicher Nistplatz für viele Höhlenbrüter – wie Steinkauz, Wendehals und Meisen. Auch Kleinsäuger wie Siebenschläfer und Haselmaus nutzen mit Vorliebe die Asthöhlungen als Unterschlupf oder als Kinderstube für die Aufzucht ihres Nachwuchses.

Es klingt paradox, doch erst mit Totholz wird eine Streuobstwiese zu einem sehr lebendigen Naturlebensraum. 

Eine Streuobstwiese ist damit mehr, als nur eine Ansammlung auf einer Wiese stehender Bäume. Extensive Pflege und der Erhalt des Obstbaumbestandes auch über die ertragreiche Lebenszeit hinaus ergibt den besonderen Wert dieser einzigartigen Kulturlandschaft.

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