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Erster Biodiversitäts-Projektmarkt in Südhessen

Der Kreis-Anzeiger berichtet von der ersten Veranstaltung für Südhessen in Bingen. Naturefund war mit dabei.

Natur- und Artenschutz in Hessens dicht besiedelten Landschaften hat dann eine Chance, wenn Wissenschaftler, Behörden und Initiativen und ehrenamtliche Naturschützer eng zusammenarbeiten. Das war die wichtigste Botschaft in der Sampo-Halle der Lebensgemeinschaft Bingenheim.

Solche bereits bestehenden Vernetzungen wurden im Zusammenhang mit bedrohten Arten und Erhaltungsmaßnahmen dargestellt: die Arnika, der Zweifelhafte Grannenhafer, die Streuobstwiesen, Gelbbauchunke, Laubfrosch & Co., der Gartenrotschwanz, der Gartenschläfer und das Rebhuhn. Statt eines linearen Fachvortrags habe man bewusst ein anderes Format gewählt, ein Forum intensiven Erfahrungsaustauschs mit dem Ziel der Quervernetzung, betonte die Diplombiologin Jutta Schmitz vom Regierungspräsidium Darmstadt (RP) als Organisatorin.

So gab es zu Beginn ein Zeitfenster für die Besucher, an den Thementischen mit Experten und Praktikern ins Gespräch zu kommen. Erst dann begrüßte Gabriele Fillbrandt (Dezernat Schutzgebiete und biologische Vielfalt beim RP) Vertreter von Forst- und Naturschutzgruppen, Institutionen und Kommunen, Unteren Naturschutzbehörden (UNB) und Landschaftspflegeverbänden. "Innerhalb der letzten 30 Jahre ist ein Rückgang der Biomasse der Insekten um 75 Prozent, der Offenlandvögel, insbesondere der Feldlerche, um 35 Prozent, des Rebhuhns um 85 Prozent zu beobachten", führte Fillbrandt ins Thema ein. "So hat das Land 2013 mit der Auflage der hessischen Biodiversitätsstrategie reagiert, 2015 bereits 41 Projekte organisiert und gefördert, die Strategie im vergangenen Jahr erweitert und für 2018 bereits die Erhöhung von Naturschutzmitteln geplant."

Arbeitsrunden

In zwei Arbeitsrunden von 25 Minuten wählten sich die Teilnehmer Thementische aus. Andreas Mohr, Vorsitzender des Büdinger Jagdverbandes Hubertus und Gründer des Hegerings Rebhuhn, schilderte die Bestandserfassung mit allerdings sehr ungleicher Verteilung in der Wetterau und weitere Pflegemaßnahmen in Niederwildrevieren mit dem Angebot von Blühflächen, von Futtereimern, vom Schutz naturbelassener Hecken und Raine, Toleranz von Brachflächen.

Vernetzung zeigte sich bei den Themen Erhaltung des Gartenrotschwanzes mit den Experten Dr. Tim Mattern von der UNB Friedberg und Otto Weber (UNB Heppenheim) sowie Streuobstwiesen. Dort berichteten Reinhard Ebert (UNB Rüsselsheim) und Katja Wiese (Verein Naturefund Wiesbaden) über die Pflege von Streuobstwiesenbeständen im Bereich Groß-Gerau, Mörfelden-Walldorf und weiteren Standorten im Rhein-Main-Gebiet, von Nachpflanzungen alter Sorten, Bereitstellung von Nistkästen, Blühflächenpflege, Mistelentfernung sowie - soweit möglich - von der Organisation von Schafbeweidung. Praktiker vom Naturschutzbund (Nabu) Friedberg schilderten vergleichbare Projekte in Dorheim und Ockstadt. In solch günstigen Lebensräumen können auch Brutpaare des stärk gefährdeten Gartenrotschwanzes beobachtet werden.

Stark rückläufig sind die Bestände des Gartenschläfers, eines kleinen nachtaktiven Nagers aus der Familie der Bilche. Johannes Lang vom Institut Tierökologie in Lich und Wolfgang Jost (Nabu Niedernhausen) beschrieben die Auswilderung aus Auffangstationen, das Angebot spezieller Nistkästen, votierten für naturnahe Gartenpflege und das Beseitigen von "Todesfallen" wie offenen Regentonnen.

Erhaltung von Borstgrasrasen sichere zugleich die Lebensräume der alten Heilpflanze Arnika und des Zweifelhaften Grannenhafers, schilderten Barbara Fiselius und Sonja Kraft, (Landschaftspflegeverband Main-Kinzig beziehungsweise Rheingau-Taunus). Es ging um Bestandskartierung, Samengewinnung, Aufzucht und Ausbringung in Zusammenarbeit mit Botanischen Gärten sowie Standortschutz.

Auch Bürger können zur Erhaltung gefährdeter Arten beitragen.

Angesprochen wurde eine Vielzahl alltagspraktikabler Verhaltensweisen von naturnaher Gartenpflege unter Verzicht auf Herbizid- und Pestizideinsatz bis zum bewussten Verbraucherverhalten oder zur Mitarbeit in Naturschutzinitiativen. Manche aufwendigen Schutzmaßnahmen müssen allerdings von Fachleuten erledigt werden. In der Runde Gelbbauchunke, Laubfrosch & Co. berichteten Walter Schmidt (Forstamt Nidda) und Günther Hunold (Forstamt Hanau) von der Anlage und Pflege von kleinen Feuchtbiotopen.

Trotz erschreckendem Bestands- und Artenrückgang gebe es auch erfreuliche Schutzerfolge, betonte Schmitz. So haben sich in der Wetterau die Graureiherbestände stabilisiert, der Weißstorch ist häufiger zu sehen, im Bingenheimer Ried leben und laichen wieder die seltenen Knoblauchkröten, ebenfalls eine gefährdete Rote Liste-Art.
 

Artikel vom Kreis-Anzeiger

In Bingenheim fand der erste Biodiversitäts-Projektmarkt für Südhessen statt

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