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Weltweite Agrarsubventionen führen zu globalen Herausforderungen

Pflanzen wachsen aus dem Boden auf einer landwirtschaftlich betriebenen Fläche
Anbau in Monokultur

Ein neuer Bericht der UN zeigt: Die bisherige weltweite Verteilung von Agrarsubventionen trägt nicht zur Erreichung der Sustainable Development Goals bis 2030 bei. Im Gegenteil tragen die derzeitigen Lebensmittelsysteme zu komplexen globalen und ökologischen Herausforderungen bei.

Landwirtschaft und ihr immenser Einfluss auf eine nachhaltige Entwicklung

Lebensmittelsysteme sind für eine nachhaltige Entwicklung und die Erreichung der Sustainable Development Goals von entscheidender Bedeutung. So können sie dazu beitragen

  • Armut zu beenden
  • Hunger zu beseitigen
  • Ernährungssicherheit zu erreichen
  • die Ernährung zu verbessern
  • eine nachhaltige Landwirtschaft zu fördern
  • den nachhaltigen Konsum und die nachhaltige Produktion zu unterstützen
  • den Klimawandel zu bekämpfen
  • die Natur zu schützen und
  • Ungleichheiten zu verringern. 

In dem kürzlich erschienenen Bericht „Stand der Ernährungssicherheit und die Ernährung der Welt“ der Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen, haben zahlreiche Wissenschaftler untersucht, welche Auswirkungen die Landwirtschaft und die Agrarpolitik auf ökologische und soziale Faktoren hat. Das Ergebnis: Die derzeitigen öffentlichen Subventionen für die Landwirtschaft tragen nicht dazu bei, die Bedingungen der Lebensmittelproduktion zu verbessern. Grund dafür sind vor allem falsche Ziele und Anreize bei der Agrarpolitik. Diese steuert aktiv von der Erreichung der SDGs und der Erreichung der Ziele des Pariser Klimaabkommens weg.

Zwar hat der Agrarsektor laut Bericht große Fortschritte bei der Erzeugung von Lebensmitteln für eine wachsende Bevölkerung, bei der Senkung der realen Lebensmittelpreise in vielen Ländern, bei der Verbesserung der Lebensmittelsicherheit und bei der Verringerung lebensmittelbedingter Krankheiten gemacht. Jedoch tragen die derzeitigen Lebensmittelsysteme zu komplexen globalen und ökologischen Herausforderungen wie dem Klimawandel, der Zerstörung der Umwelt und der Beschränkung der natürlichen Ressourcen bei.

Zudem steigt auch die Anzahl unterernährter Menschen wieder an: Nachdem diese fünf Jahre lang unverändert blieb, stieg sie im Jahr 2020 um 1,5 Prozentpunkte. Weltweit waren im Jahr 2020 mehr als 720 Millionen Menschen von Hunger betroffen, fast jeder Dritte Mensch auf der Welt, also knapp 2,37 Milliarden Menschen, hatte keinen Zugang zu angemessener Nahrung. Gesunde Ernährung war 2019 für rund 3 Milliarden Menschen, insbesondere für ärmere Bevölkerungen, in allen Regionen der Welt unerreichbar. Gleichzeitig führt das Bevölkerungswachstum zu einer ständig steigenden Nachfrage nach Nahrungsmitteln.

Bericht zeigt: Politik begünstigt Landwirtschaft, die schädlich für die Umwelt und die menschliche Gesundheit ist

Betrachtet wurden in dem Bericht 88 Länder, welche maßgeblich an der Verteilung von Agrarsubventionen beteiligt sind. Zwischen 2013 und 2018 betrugen die Subvention für landwirtschaftliche Erzeuger in diesen Ländern im Durchschnitt fast 540 Milliarden US-Dollar pro Jahr, was etwa 15 Prozent des Wertes der gesamten landwirtschaftlichen Produktion entspricht. 294 Milliarden US-Dollar wurden dabei in Form von Preisanreizen zur Verfügung gestellt, während rund 245 Milliarden US-Dollar als Steuersubventionen bereitgestellt wurden. Rund 70 Prozent der Steuersubventionen waren dabei an die Produktion eines bestimmten Rohstoffes gebunden. Der geringste Teil mit 110 Milliarden Dollar wurden zur Förderung öffentlicher Güter bereitgestellt. Heißt: 470 Milliarden Dollar und damit 87 Prozent der Agrarsubventionen weltweit haben negative Folgen für die Bevölkerung oder die Umwelt.
 
So schaffen Preisanreize und Steuersubventionen Anreize für Produktionspraktiken und Verhaltensweisen, die der Gesundheit, der Nachhaltigkeit, der Gerechtigkeit und der Effizienz von Landwirtschaftssystemen abträglich sind. Immer mehr Landwirte spezialisieren sich weltweit auf den Anbau einiger, weniger Sorten, auf die es die höchsten Subventionen gibt. Steuerliche Subventionen, die an die Produktion eines bestimmten Rohstoffes gekoppelt sind, können so zu negativen Auswirkungen auf die Umwelt führen, da sie beispielsweise den Anbau von Monokulturen fördern und damit einhergehend auch den übermäßigen Einsatz von Agrochemikalien. Eine an die Produktion gekoppelte Unterstützung kann demnach letztlich eine nachhaltige Marktentwicklung behindern, Preisschocks auf globaler Ebene auslösen, Anreize für die Produktion von emissionsintensiven Produkten schaffen oder die Verfügbarkeit und Erschwinglichkeit von diversifizierteren und nahrhafteren Nahrungsmitteln, insbesondere für ärmere Verbraucher, begrenzen.

Und doch: Emissionsintensive und ungesunde Produkte erhalten größte monetäre Unterstützung

Der Bericht kommt zu dem Ergebnis, dass ungesunde Produkte, wie beispielsweise Zucker und emissionsintensive Waren wie beispielsweise Rindfleisch, Milch und Reis weltweit die größte finanzielle Unterstützung erhalten. Und dass trotz der potenziell negativen Auswirkungen auf die Gesundheit, die Eindämmung des Klimawandels sowie Fehlanreize, die diese Unterstützung für die Erzeugung gesünderer und nährstoffreicherer Lebensmittel schafft.

Laut Bericht ist die Nahrungsmittelproduktion mit hauptverantwortlich für die Verschmutzung von Luft und Wasser. Die Intensivierung der Landwirtschaft hat demnach zu einer immensen Verschmutzung der Land- und Meereslandschaft beigetragen. Schuld daran sind insbesondere Pestizide, der übermäßige Einsatz von Düngemittel und von Antibiotika. Auch bezüglich des Wasserverbrauchs stehen die momentanen Landwirtschaftssysteme schlecht da: Diese sind der größte Wasserverbraucher, auf die weltweit derzeit etwa 75 Prozent des Verbrauchs von Süßwasser fällt. Zudem verursacht die landwirtschaftliche Produktion etwa 25 Prozent der derzeitig ausgestoßenen Treibhausgase. Auch hier kann eine fehlgeleitete Agrarpolitik bemängelt werden, werden doch insbesondere Produkte wie beispielsweise Fleisch oder Milch vom derzeitigen Agrarsystem finanziell unterstützt, welche hohe Mengen an CO2 emittieren.

Dabei ist die Art und Weise, wie Länder den jeweiligen Agrarsektor monetär unterstützen je nach politischen Zielen sehr unterschiedlich und ändert sich tendenziell mit dem Entwicklungsstadium. So werden Preisanreize und die an die Produktion gebundenen Steuersubventionen häufig in Ländern mit hohem Einkommen, wie auch den Mitgliedstaaten der Europäischen Union, eingesetzt. So machen diese Art der Subventionen über 40 Prozent des weltweiten landwirtschaftlichen Produktionswertes aus.  In Ländern mit mittlerem Einkommen wie beispielsweise Argentinien, Ghana und Indien hingegen, benachteiligt die Politik die Landwirte häufig noch durch niedrige Preise. Ähnliche Tendenzen sind auch in Ländern mit niedrigen Einkommen zu erkennen, wie beispielsweise in Ländern in Afrika südlich der Sahara: Landwirte werden hier nur minimal steuerlich unterstützt. Auch wird der Landwirtschaftssektor durch eine Politik benachteiligt, welche Lebensmittelpreise niedrig halten will, um arme Verbraucher zu schützen.

Strategien zur Umverteilung notwendig

Der Bericht zeigt deutlich die Notwendigkeit auf, sich auf nationaler, regionaler und globaler Ebene für Strategien zur Umverteilung der Agrarförderungen einzusetzen: Preisverzerrende Maßnahmen und Subventionen, die an Produktionsentscheidungen gekoppelt sind, sind nach wie vor weit verbreitet. Zudem werden die meisten Subventionen weltweit immer noch für Rohstoffe mit dem größten ökologischen Fußabdruck gewährt. Laut Bericht sind daher größere Bemühungen erforderlich, umwelt- oder sozialschädliche Beihilfen wie Preisanreize oder an Rohstoffe gekoppelte Subventionen abzubauen. Stattdessen sollten Investitionsmittel in öffentliche Güter und Dienstleistungen für die Landwirtschaft, wie Forschung und Entwicklung und Infrastruktur, sowie in entkoppelte Steuersubventionen investiert werden. Das Ergebnis wäre ein positiveres landwirtschaftliches Wachstum und eine effiziente Armutsbekämpfung.

Hier geht es zum Bericht der FAO

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