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Internationale Studie fordert Umbau des globalen Ernährungssystems

Der sogenannte Nationale Strategieplan der GAP wird entscheiden, wie ab 2023 die Agrarsubventionen verteilt werden und damit darüber ob es sich für Betriebe lohnt natur- und klimaverträglich zu wirtschaften oder nicht.

Studie zeigt: Ernährungssystem treibende Kraft für Biodiversitätsverlust

Eine am Mittwoch veröffentliche internationale Studie „Auswirkungen des Ernährungssystems auf die biologische Vielfalt“ von Chatham House in Zusammenarbeit mit dem Umweltprogramm der Vereinten Nationen und der Nichtregierungsorganisation Compassion in World Faming zeigt, dass unser Ernährungssystem die treibende Kraft für den Biodiversitätsverlust ist. Die einflussreichsten Faktoren sind hierbei die Umwandlung von intakten Ökosystemen in intensiv bewirtschaftetes Land, der Anbau in Monokulturen sowie der Mangel an Strukturen und Refugien für die Natur in der Agrarlandschaft. Außerdem führen der hohe Einsatz von Pestiziden und Düngemitteln in der intensiven Landwirtschaft zu weiteren Umwelt- und Biodiversitätsbelastungen.

Die politisch gewollte und hochsubventionierte Intensivierung der Landwirtschaft, also das Produzieren von immer mehr Nahrungsmitteln zu immer günstigeren Preisen, ermöglichte in Europa nach dem Krieg zunächst die Überwindung der Ernährungskrise, führte dann aber in einen ökonomischen und ökologischen Teufelskreis. Niedrige Preise erzwingen immer weitere Produktionssteigerungen. Gerade in Entwicklungsländern wird immer mehr Fläche für die Produktion von Nahrungsmitteln erschlossen. Der Großteil der weltweiten Agrarfläche (78%) wird für die Bereitstellung tierischer Produkte (Futtermittelanbau und Weide) belegt.

Die Auswirkungen des Ernährungssystems sind jedoch nicht allein auf den Artenschwund begrenzt. So trägt die Landwirtschaft mit etwa 30% zu den weltweiten CO²-Emmissionen erheblich zur Klimakrise bei. Weiterhin führen billige Nahrungsmittel in vielen Regionen der Erde zu einer erheblichen Lebensmittelverschwendung, zu Übergewicht auf der einen Seite und Mangelernährung  durch einseitige Lebensmittel auf der anderen Seite.

Umbau des Ernährungssystems

Das Ernährungssystem ist nach Einschätzung der Studie jedoch nicht nur das größte Problem der Biodiversität, sondern gleichzeitig auch der Schlüssel zu ihrer Wiederherstellung, wenn sie naturverträglich und klimafreundlich ablaufe. Der Chatham House Bericht empfiehlt folgende drei Maßnahmen zum nachhaltigen Umbau des Ernährungssystems:

  • Die globalen Ernährungsmuster müssen sich hin zu einer pflanzenbasierenden Ernährung bewegen, vor allem aufgrund der unverhältnismäßigen Auswirkungen der Tierhaltung auf die Artenvielfalt, die Landnutzung und die Umwelt. Eine solche Umstellung, gekoppelt mit der Reduzierung der globalen Lebensmittelverschwendung, würde die Nachfrage und den Druck auf Umwelt und Land verringern, der Gesundheit der Bevölkerung auf der ganzen Welt zugutekommen und zudem dazu beitragen, das Risiko von Pandemien zu verringern.
  • Es muss mehr Land für die Natur reserviert und geschützt werden. Die größten Gewinne für die biologische Vielfalt werden erzielt, wenn wir ganze Ökosysteme erhalten oder wiederherstellen.
  • Wir müssen die Landwirtschaftspraxis naturfreundlich und biodiversitätsfördernd gestalten, den Einsatz von umweltschädlichen Betriebsmitteln einschränken und Monokulturen durch Polykulturen ersetzen.

GAP-Strategie

Hieraus ergeben sich viele Anregungen für den Nationalen Strategieplan Deutschlands im Rahmen der GAP-Umsetzung. Wie viel Fläche müssen Landwirt*innen als nicht-produktive Fläche, sogenannten Space for Nature, bereitstellen wenn sie Subventionen erhalten wollen? Wie hoch wird die finanzielle Ausstattung sein, um Naturschutzmaßnahmen in den beiden Säulen der GAP zu fördern? Wieviel von den erwiesen schädlichen und ineffizienten pauschalen Flächenprämien der Erste Säule werden umgewidmen in sogenannte Eco-Schemes oder umgeschichtet in die Zweite Säule? Welche konkreten Förderprogramme werden die Bundesländer zum Schutz der Biodiversität anbieten? Die Regierungen und Parlamente von Bund und Ländern haben in den nächsten Wochen die Chance, das Agrarfördersystem so auszugestalten, dass Biodiversität, Klima und letztlich die Landwirtschaft selbst davon profitieren.

Zum GAP-Ticker des NABU

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