Die Politik ist gefragt

Eine pestizidfreie Wiese
Foto: Naturefund

Die sogenannte Gemeinsame Agrarpolitik der EU (GAP), hat einen großen Einfluss auf unser Ökosystem, denn mit mehreren Millionen Euro Budget wirkt sich die GAP auf mehr als 50% der Landfläche der EU aus. 48

Agrarsubventionen

Etwa vierzig Prozent des EU-Haushalts machen derzeit Agrarsubventionen aus. Dabei werden überwiegend die Lebensmittelindustrie und Großbetriebe mit finanziellen Mitteln gefördert 49, obwohl ein Großteil der Öffentlichkeit eine Vergabe der Mittel an Kleinbauern und Bergbauern bevorzugen würde. 

Betrachtet man die Vergabe der Fördermittel genauer, kristallisieren sich überwiegend Millionen-Abnehmer wie Fruchtsafthersteller, Erzeuger von Fertignahrung, Marketingfirmen, Fluglinien, Gemüseproduzenten und Großgrundbesitzer als Empfänger der finanziellen Mittel heraus. 50 Lediglich sechs Prozent der Förderungen gehen an Kleinbauern. Diese werden durch die geringen Zuwendungen weiterhin von Großbetrieben übernommen, wodurch die Zahl der Bauernhöfe in Europa kontinuierlich abnimmt.

Kritisches Hinterfragen nötig

Da etwa zwanzig Prozent des Wertes der landwirtschaftlichen Produktion durch den Steuerzahler subventioniert wird, ist ein kritisches Hinterfragen der Agrarsubventionen angebracht. Ökologischen Folgekosten der Landwirtschaft werden auf die Allgemeinheit übertragen, während diese zudem Steuermittel zu deren Förderung zahlen. 

Auch Verlagerungen von Umweltkosten werden derzeit nicht betrachtet: Nationale Entscheidungen können Konsequenzen für anderen Ländern haben. Der Sojaanbau für unsere Tiermastbetriebe erzeugt beispielsweise in den Produktionsländern Umweltkosten, die nicht auf unsere Fleischpreise umgelegt werden. Die logische Konsequenz wäre, Umweltauswirkungen zu besteuern, sodass Produkte aus umweltschädlicher Produktion teurer werden als Produkte aus umweltgerechter Produktion. Damit schafft man eine leistungsgerechte Bezahlung für Natur und Umwelt. 

Genauso sollten Umweltkosten die durch Pestizide verursacht werden, auf den Preis der Pestizide umgelegt werden, anstatt später von der Allgemeinheit bezahlt zu werden. Mit diesem Steuerinstrument könnte man den Einsatz von Pestiziden entscheidend verändern. In einigen europäische Staaten wurde die Idee bereits durchgeführt: So sank der Pestizidverbrauch in Dänemark im Vergleich zum langjährigen Mittel um 21 Prozent, in den Niederlanden um 43 Prozent, in Finnland um 46 Prozent und in Schweden um 79 Prozent. 

Politik muss faktenbasiert entscheiden und handeln

Letztendlich geht es darum, ob politische Entscheidungen der Ressorts der Landwirtschaft, Umwelt und Gesundheit weiterhin die Profitinteressen weltweit tätiger Konzerne vertreten. Denn Ernteverluste aufgrund von Schädlingen und Krankheiten konnten auch durch den Pestizideinsatz in den letzten Jahren nicht eingedämmt werden. 53

Der Einfluss der Agrarpolitik, von Handelssysteme und Unternehmen auf die Politik sollte kritisch betrachtet werden. Die Einführung eines international verbindlichen Abkommens zur Verringerung des Pestizideinsatzes könnte eine Lösung sein, ebenso wie die Hersteller zur Rechenschaft zu ziehen, deren Produkte nachweislich Schäden anrichten. Die Politik sollte sich in den Fällen an Hersteller wenden, in denen es um die Verschmutzung von Trinkwasser oder gesundheitliche Schäden geht, die auf den Einsatz von Pestiziden zurückzuführen sind. 

Ein weiteres Ziel ist es, Doppelstandards für Pestizide in verschiedenen Ländern auszuschließen. So wird bespielsweise ein Pestizid in einem Land wegen gesundheitlicher Bedenken verboten, in anderen Ländern mit weniger strengen Auflagen aber trotzdem weiterhin verkauft.

Darüber hinaus sollten Hersteller außerdem dazu verpflichtet werden, unverfälschte, öffentlich zugängliche, wissenschaftliche Studien vorzulegen, die die Notwendigkeit des Pestizids bestätigen. Sie sollten einen Nachweis erbringen, dass es keine ökologischen oder sonstigen Alternativen zum hergestellten Pestizid gibt. Auch sollten keine Pestizide zugelassen werden, bei denen die Unbedenklichkeit nicht 100 prozentig nachgewiesen ist, denn die Gesundheit von Mensch und Umwelt sollte immer an erster Stelle stehen. 

Es sollte darüber nachgedacht werden, neue Regeln in der Pestizidzulassung zu erlassen. Dabei sollten im Zulassungsverfahren die Nebenwirkungen der Wirkstoffe, die Beistoffe, die Kreuzwirkungen von Pestizid-Cocktails und die endokrinen Wirkung mit einbezogen werden. Langzeitstudien über mehrere Generationen hinweg sollten keine Einzelfälle mehr sein und die Untersuchungen sollten von unabhängigen Wissenschaftlern unter Offenlegung aller Daten und Analysemethoden durchgeführt werden. 

Prozess zur EU-Agrarreform unterstützen

Studien

Autor G. Pe'er et al. (2014)   Zeitschrift Science

EU agricultural reform fails on biodiversity

In December 2013, the European Union (EU) enacted the reformed Common Agricultural Policy (CAP) for 2014–2020, allocating almost 40% of the EU's budget and influencing management of half of its terrestrial area. Many EU politicians are announcing the new CAP as “greener,” but the new environmental prescriptions are so diluted that they are unlikely to benefit biodiversity.

Autor
G. Pe'er et al.
Veröffentlicht
2014
Zeitschrift
Science
Seiten
1090-1092
Studie
https://science.sciencemag.org/content/344/6188/1090
Autor E.-C. Oerke (2006)   Zeitschrift The Journal of Agricultural Science

Crop losses to pests

Productivity of crops grown for human consumption is at risk due to the incidence of pests, especially weeds, pathogens and animal pests. Crop losses due to these harmful organisms can be substantial and may be prevented, or reduced, by crop protection measures. An overview is given on different types of crop losses as well as on various methods of pest control developed during the last century.

Autor
E.-C. Oerke
Veröffentlicht
2006
Zeitschrift
The Journal of Agricultural Science
Seiten
31-43
Studie
http://bit.ly/2OwOSM2

Unser täglich Gift

Die aufgeführten Daten und Fakten stützen sich auf das Buch "Unser täglich Gift" von Johann G. Zaller, Ökologe an der Wiener Universität für Bodenkultur sowie Experte der Österreichischen Biodiversitätskommission.

"Unser täglich Gift"

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