Bienen und Hummeln

Eine Biene holt sich den Nektar

Neonicotinoide greifen sowohl Insektenschädlinge als auch Nützlinge wie beispielsweise Wild- oder Honigbienen an. 24  Problem: Wildbienen machen den Hauptbestandteil der Bestäubungsleistung einiger Kulturpflanzen aus.

Verbote

Neonicotinoide gelten als extrem toxisch. Häufig wird bei der Ausbringung von Neonicotinoiden der Wirkstoff Clothianidin verwendet, welcher für Bienen 10.800 Mal giftiger ist als DDT. 25 Ein Verbot dieser Wirkstoffgruppe steht in Europa und Kanada zur Disskussion. Aufgrund dessen, dass die Nebenwirkungen heutzutage intensiver erforscht werden, wurden in den letzten Jahren bereits drei Wirkstoffe in der EU verboten.  

Studien

Es gibt mehrere Studien, in denen Hummeln unterschiedlich hohe Dosierungen eines Neonicotinoids über Pollen und Nektar verabreicht wurde. 26 Die verabreichten Mengen entsprachen hierbei der Dosis wie sie auf Rapsfeldern aufgefunden werden kann. Folge der Verabreichung war, dass Hummeln, denen das Insektizid verabreicht wurde, kleiner blieben und bis zu 85% weniger Königinnen produzierten. Neonicotinoid-Konzentrationen im Bereich von einem ppb (Teilchen pro Milliarde Teilchen, d.h. ein Gramm auf 1000 Tonnen) in der Nahrung führte zu einer Reduktion der Eiablage um 30 Prozent. 

Aufgrund dessen, dass die Neonicotinoide systemisch sind, kommen sie im sowohl im Nektar als auch den Blütenpollen vor. Laut Studien war es nicht ausschlaggebend, ob das Insektizid auf den Boden versprüht, der Bewässerung zugesetzt oder als Saatgutbeizung verwendet wurde. Studien, die männliche Drohnen untersuchten, zeigten auf, dass die Neonicotinoide bei Drohnen wie Verhütungsmittel wirken. Drohnen die den Wirkstoff zu sich nahmen produzierten weniger Spermien als Drohnen, denen das Insektizid nicht verabreicht wurde. Die geringere Eiablage der Königinnen und die geringere Anzahl produzierter Spermien der Drohnen wirken sich stark auf die Vitalität des gesamten Bienenvolkes aus. 28

In untersuchten Pflanzenpollen aus Bienenstöcken konnten bis zu 17 verschiedene toxische Pestizide nachgewiesen werden. 32  Zusätzlich konnten noch 53 weitere Chemikalien in den Pflanzenpollen gefunden werden. Vor allem in Deutschland wurde ein toxisches, bioakkumulatives Abbauprodukt gefunden - das bereits vor Jahrzehnten verbotene DDT und das Nervengift Thiacloprid.

Effekt der Saatgutbeizung

Werden Neonicotinoide zur Saatgutbeizung eingesetzt, gelangen über 90% des Wirkstoffs in den Boden anstatt in die Pflanze. Der Wirkstoff ist sowohl in Kulturplanzen als auch in Ackerrandblüten vorzufinden. Somit sind auch Insekten betroffen, die sich von den Ackerrandblüten ernähren. Die Wirkung auf die Insekten ist oftmals nicht akut tödlich, jedoch wurde nachgewiesen, dass das Verhalten der Insekten beeinflusst wird. Insbesondere die Lernfähigkeit, die Nahrungssammlung und die Orientierung im Raum sind betroffen. Im Gegensatz zu den Insekten kann eine tödliche Wirkung bei Vögeln, Nagetieren und anderen Wildtieren festgestellt werden. Wenn diese gebeiztes Saatgut essen reichen bereits wenige Körner aus, um zum Tod zu führen. In den Niederlanden und den USA übersteigt die Konzentration an Neonicotinoiden die in Flüssen gefunden wurden im Allgemeinen die tödliche Dosis für aquatische Wildtiere.

Keine höheren landwirtschaftlichen Erträge

Bis heute konnte nicht nachgewiesen werden, dass die Saatgutbeizung mit Neonicotinoiden die landwirtschaftlichen Erträge erhöhen. 34 Jedoch konnte in mehreren Studien gezeigt werden, dass die Verwendung von Neonicotinoiden, im Vergleich mit anderen Methoden oder keinem Einsatz von Pestiziden, keinen ökonomischen Vorteil für die Landwirtschaft hat. Das heißt, dass seit mehr als 20 Jahren Neonicotinoide eingesetzt werden, obwohl es keinen Beweis für die Wirksamkeit dieser Stoffe gibt. Hier lässt sich vermuten, dass sich die moderne Landwirtschaft nicht auf wissenschaftlich belegte Fakten, sondern auf Marketinginteressen der Agrochemiekonzerne gründet. 

Insekten schützen

Studien

Autor J. Fischer et al. (2014)   Zeitschrift PLOS ONE

Neonicotinoids Interfere with Specific Components of Navigation in Honeybees

Three neonicotinoids, imidacloprid, clothianidin and thiacloprid, agonists of the nicotinic acetylcholine receptor in the central brain of insects, were applied at non-lethal doses in order to test their effects on honeybee navigation. A catch-andrelease experimental design was applied in which feeder trained bees were caught when arriving at the feeder, treated with one of the neonicotinoids, and released 1.5 hours later at a remote site.

Autor
J. Fischer et al.
Veröffentlicht
2014
Zeitschrift
PLOS ONE
Seiten
1-10
Studie
https://bit.ly/2klikrw
Autor T. B. Hayes et al. (2010)   Zeitschrift PNAS

Atrazine induces complete feminization and chemical castration in male African clawed frogs

The herbicide atrazine is one of the most commonly applied pesticides in the world. As a result, atrazine is the most commonly detected pesticide contaminant of ground, surface, and drinking water. Atrazine is also a potent endocrine disruptor that is active at low, ecologically relevant concentrations. Previous studies showed that atrazine adversely affects amphibian larval development. The present study demonstrates the reproductive consequences of atrazine exposure in adult amphibians.

Autor
T. B. Hayes et al.
Veröffentlicht
2010
Zeitschrift
PNAS
Seiten
4612–4617
Studie
https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC2842049/
Autor R. A. Releya (2003)   Zeitschrift Ecological Applications

Predator cues and pesticides: A double dose of danger for amphibians

Amphibians are declining globally, and biologists have struggled to identify the causes. Pesticides may play a role in these declines, but pesticide concentrations in nature often are low and considered sublethal. Past research has found that the globally common pesticide carbaryl can become more lethal under different environmental conditions including differences in temperature and competition.

Autor
R. A. Releya
Veröffentlicht
2003
Zeitschrift
Ecological Applications
Seiten
1515–1521
Studie
https://esajournals.onlinelibrary.wiley.com/doi/10.1890/02-5298
Autor P. R. Whitehorn et al. (2012)   Zeitschrift Science

Neonicotinoid Pesticide Reduces Bumble Bee Colony Growth and Queen Production

Growing evidence for declines in bee populations has caused great concern because of the valuable ecosystem services they provide. Neonicotinoid insecticides have been implicated in these declines because they occur at trace levels in the nectar and pollen of crop plants. In this study, treated colonies with the neonicotinoid imidacloprid had a significantly reduced growth rate and suffered an 85% reduction in production of new queens compared with control colonies.

Autor
P. R. Whitehorn et al.
Veröffentlicht
2012
Zeitschrift
Science
Seiten
351-352
Studie
http://bit.ly/2lfCZO8
Autor K. A. Stoner & B. D. Eitzer (2012)   Zeitschrift PLoS ONE

Movement of Soil-Applied Imidacloprid and Thiamethoxam into Nectar and Pollen of Squash

There has been recent interest in the threat to bees posed by the use of systemic insecticides. One concern is that systemic insecticides may translocate from the soil into pollen and nectar of plants, where they would be ingested by pollinators. This paper reports on the movement of two such systemic neonicotinoid insecticides, imidacloprid and thiamethoxam, into the pollen and nectar of flowers of squash when applied to soil.

Autor
K. A. Stoner & B. D. Eitzer
Veröffentlicht
2012
Zeitschrift
PLoS ONE
Seiten
1-5
Studie
https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC3384620/
Autor L. Straub et al. (2016)   Zeitschrift Proceedings of the Royal Society

Neonicotinoid insecticides can serve as inadvertent insect contraceptives

There is clear evidence for sublethal effects of neonicotinoid insecticides on non-target ecosystem service-providing insects. However, their possible impact on male insect reproduction is currently unknown, despite the key role of sex. This study shows that two neonicotinoids (4.5 ppb thiamethoxam and 1.5 ppb clothianidin) significantly reduce the reproductive capacity of male honeybees.

Autor
L. Straub et al.
Veröffentlicht
2016
Zeitschrift
Proceedings of the Royal Society
Seiten
1835-1842
Studie
https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC4971197/
Autor N. Gallaia et al. (2009)   Zeitschrift Ecological Economics

Economic valuation of the vulnerability of world agriculture confronted with pollinator decline

There is mounting evidence of pollinator decline all over the world and consequences in many agricultural areas could be significant. The study assessed these consequences by measuring 1) the contribution of insect pollination to the world agricultural output economic value, and 2) the vulnerability of world agriculture in the face of pollinator decline.

Autor
N. Gallaia et al.
Veröffentlicht
2009
Zeitschrift
Ecological Economics
Seiten
810-821
Studie
http://bit.ly/2kOZSIe
Autor J. D. Fine et al. (2017)   Zeitschrift scientificreports

An Inert Pesticide Adjuvant Synergizes Viral Pathogenicity and Mortality in Honey Bee Larvae

Honey bees are highly valued for their pollination services in agricultural settings, and recent declines in managed populations have caused concern. Colony losses following a major pollination event in the United States, almond pollination, have been characterized by brood mortality with specific symptoms, followed by eventual colony loss weeks later. This study demonstrates that these symptoms can be produced by chronically exposing brood.

Autor
J. D. Fine et al.
Veröffentlicht
2017
Zeitschrift
scientificreports
Seiten
1-9
Studie
https://www.nature.com/articles/srep40499

Unser täglich Gift

Die aufgeführten Daten und Fakten stützen sich auf das Buch "Unser täglich Gift" von Johann G. Zaller, Ökologe an der Wiener Universität für Bodenkultur sowie Experte der Österreichischen Biodiversitätskommission.

"Unser täglich Gift"

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