Pestizide

Pestizide werden gespritzt
Foto: Pixabay

Pestizide stellen Formulierungen aus mehreren Chemikalien dar. Zu diesen zählt der eigentliche Pestizidwirkstoff (z. B. Glyphosat) und eine Vielzahl von inerten Beistoffen.

Pestizidprodukte

Derzeit sind in Europa 290 Pestizidwirkstoffe zugelassen. Kombiniert mit den Beistoffen werden diese in unterschiedlichen Rezepturen als Pestizidprodukte angeboten. Beistoffe dienen dazu, die Handhabung, Aufnahme und Wirkung der Pestizidwirkstoffe zu verbessern. So sollen sie zum Beispiel dazu dienen, dass die Wirkstoffe leichter anhaften, nicht so leicht vom Regen weg gewaschen werden und sich gut verteilen.

Derzeit sind in Deutschland insgesamt 1.200 Pestizidprodukte zugelassen. Dabei beherrschen die vier folgenden Agrochemiekonzerne mehr als 70 % des gesamten Marktes: Bayer, BASF, Syngenta und Corteva. Bayer stellt seit der Übernahme von Monsanto den größten Hersteller da.

Auswirkungen von Pestiziden

Pestizide, deren Abbauprodukte und die Beistoffe reichern sich im Boden an, beeinträchtigen die Nährstoffkreisläufe, stören das Zusammenspiel der Arten, gelangen ins Trinkwasser und auf unsere Teller. Mittlerweile sind Gesundheitsbeeinträchtigungen durch Pestizideinwirkungen rechtlich anerkannt. So ist in Frankreich bei Weinbauern die Erkrankung mit Parkinson durch Pestizide offiziell als Berufskrankheit akzeptiert. Auch in Deutschland wurde die Parkinsonerkrankung mehrerer Landwirte bereits als Berufskrankheit anerkannt.

Dabei wirken nur etwa 10% der eingesetzten Pestizide tatsächlich gegen Schädlinge und die Krankheiten, die bekämpft werden sollen. Die anderen 90% gelangen auf Nicht-Zielorganismen, also Lebewesen, die eigentlich nicht bekämpft werden sollen. Dies ist eine wesentliche Ursache für den Artenrückgang in der konventionellen Landwirtschaft. Trotz dessen steigt die Nachfrage nach Pestiziden – seit 1950 um das fünfzigfache. Geschätzter jährlicher Umsatz: 49 Milliarden Euro.

Die Spritzung von Pestiziden

Die Annahme, dass nur mit Pestiziden gespritzt wird, wenn Krankheiten oder Schädlinge auftreten, ist falsch. In den allermeisten Fällen werden Pestizide vorbeugend gespritzt. Moderne Landwirte werden mittlerweile per SMS von den Pestizidherstellern auf eine notwendige Pestizidbehandlung hingewiesen, zum Beispiel dann, wenn bestimmte Wetterlagen die Wahrscheinlichkeit für Pilzerkrankungen erhöhen. Spitzenreiter im Pestizideinsatz ist der Apfelanbau mit 31 Pestizidbehandlungen pro Saison. Bei einer Saison von 6 Monaten, also 24 Wochen, sind das etwa 1,25 Pestizidbehandlungen pro Woche. Der Weinanbau verzeichnet durchschnittlich 18 Pestizidbehandlungen pro Saison, der Kartoffelanbau 12, der Hopfenanbau 9 und der Weizenanbau 6.

Besonders umstritten – die Abreifespritzung oder Sikkation: Ein Getreidefeld kurz vor der Ernte hat häufig grüne, noch nicht reife Bereiche. Hier hilft die moderne Landwirtschaft mit einer Herbizidspritzung nach, die dafür sorgt, dass der Bestand gleichmäßig abstirbt und damit leichter vom Mähdrescher geerntet werden kann. Bei dieser Abreifespritzung kommt es immer zu Pestizidrückstände in den Lebensmitteln. Obst vor dem Essen waschen reicht dann nicht mehr, da viele Pestizide mittlerweile systemische Substanzen sind. Das bedeutet, dass sie nicht mehr außen an der Pflanze anhaften sondern in der gesamten Pflanze bis zu den Früchten verteilt werden.

Eine nachhaltige Anbaumethode entdecken.

Studien zu Pestiziden

Autor David Pimentel et al. (1992)   Zeitschrift Bio Science Vol. 42 No. 10

Environmental and Economic Costs of Pesticide Use

Weltweit werden jährlich mehrer Millionen Tonnen Pestizde mit einem Kaufpreis von mehreren Milliarden US-Dollar eingesetzt. In dieser Studie werden daneben auch die ökologischen und sozialen Kosten des Pestizideinsatzes ermittelt. Diese betragen 8 Milliarden US-Dollar.

Autor
David Pimentel et al.
Veröffentlicht
1992
Zeitschrift
Bio Science Vol. 42 No. 10
Seiten
750-760
Studie
http://bit.ly/2ZrdrAI
Autor R. Mesnage et al. (2014)   Zeitschrift BioMed Research International

Major Pesticides Are More Toxic to Human Cells Than Their Declared Active Principles

Pesticides are used throughout the world as mixtures called formulations. They contain adjuvants, which are often kept confidential and are called inerts by the manufacturing companies, plus a declared active principle (AP), which is the only one tested in the longest toxicological regulatory tests performed on mammals. This paper tests to what extent the AP or adjuvants in present formulations account for the toxicity of 9 major pesticides: 3 herbicides, 3 insecticides, and 3 fungicides.

Autor
R. Mesnage et al.
Veröffentlicht
2014
Zeitschrift
BioMed Research International
Studie
https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC3955666/
Autor C. A. Mullin et al. (2016)   Zeitschrift Frontiers in Public Health

Toxicological Risks of Agrochemical Spray Adjuvants: Organosilicone Surfactants May not Be Safe

This paper deals with the presumption, that agrochemical risk assessment that takes into account only pesticide active ingredients without the spray adjuvants commonly used in their application, will miss important toxicity outcomes detrimental to non-target species, including humans. The paper is the first to possibly link spray adjuvant use with declining health of honey bee populations.

Autor
C. A. Mullin et al.
Veröffentlicht
2016
Zeitschrift
Frontiers in Public Health
Studie
https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC4862968/
Autor D. Roßberg (2016)   Zeitschrift Journal für Kulturpflanzen 68 (2)

Erhebungen zur Anwendung von Pflanzenschutzmitteln im Ackerbau

In dieser Studie werden statistische Erhebungen zur Anwendung von Pflanzenschutzmitteln im Ackerbau durchgeführt. In der Veröffentlichung werden die Ergebnisse der Erhebungen aus den Jahren 2011 bis 2014 dargestellt und kommentiert. Während des Berichtszeitraum war im Winterweizen und Winterraps ein leichter Anstieg der Pflanzenschutzaktivitäten zu verzeichnen.

Autor
D. Roßberg
Veröffentlicht
2016
Zeitschrift
Journal für Kulturpflanzen 68 (2)
Seiten
25-37
Studie
http://bit.ly/2ZrQSM2
Autor H. N. Geisz et al. (2008)   Zeitschrift Environmental Science & Technology

Melting Glaciers: A Probable Source of DDT to the Antarctic Marine Ecosystem

The paper analyzes Adelie penguin samples collected from 2004 to 2006 to evaluate current levels of ΣDDT in these birds, which are confined to Antarctica. ΣDDT has not declined in Adelie penguins from the Western Antarctic Peninsula for more than 30 years even it has been banned or severely restricted since peak use in the 1970s. DDT in these birds indicates that there is a current source of DDT to the Antarctic marine food web, implicating glacier meltwater as a likely source for DDT contamination in coastal Antarctic seas.

Autor
H. N. Geisz et al.
Veröffentlicht
2008
Zeitschrift
Environmental Science & Technology
Seiten
3958–3962
Studie
https://pubs.acs.org/doi/10.1021/es702919n
Autor Sara Villa et al. (2003)   Zeitschrift Journal of Atmospheric Chemistry 46

Historical Trends of Organochlorine Pesticides in an Alpine Glacier

The significance of persistent organic pollutants, such as organochlorine compounds, as global contaminants in cold regions has been recognised for a long time. In particular, there is a growing interest on the role of high mountains as `cold condensers' for these chemicals. In this paper, organochlorine pesticides (DDTs, HCHs, HCB) are analysed in an ice core sampled on a glacier in the Alps.

Autor
Sara Villa et al.
Veröffentlicht
2003
Zeitschrift
Journal of Atmospheric Chemistry 46
Seiten
295–311
Studie
https://link.springer.com/article/10.1023/A:1026316217354
Autor D. Roßberg, J. Portner (2018)   Zeitschrift Journal für Kulturpflanzen 70

Erhebungen zur Anwendung von Pflanzenschutzmitteln im Hopfen

Die Studie kommt zu dem Ergebnis, dass die Pflanzenschutzmittelapplikation in Hopfen keine Pflanzenschutzmittelreduktion erwarten lässt. Im Gegenteil: Die zunehmende Selektivität der Wirkstoffe fördert das Auftreten von neuen oder selten vorkommenden Schädlingen.

Autor
D. Roßberg, J. Portner
Veröffentlicht
2018
Zeitschrift
Journal für Kulturpflanzen 70
Seiten
25-31
Studie
http://bit.ly/2ZmHObo
Autor D. Roßberg, R. Ipach (2015)   Zeitschrift Journal für Kulturfplanzen 67

Erhebungen zur Anwendung von Pflanzenschutzmitteln im Weinbau

Die Studie beschäftigt sich mit der tatsächlichen Anwendung chemischer Ergebnisse in der Landwirtschaft, bezogen auf das Beispiel Weinbau. Die Ergebnisse der Erhebungen zeigen, dass sichdie Pflanzenschutzintensität im Weinbau in den letzten Jahren relativ stetig erhöht hat.

Autor
D. Roßberg, R. Ipach
Veröffentlicht
2015
Zeitschrift
Journal für Kulturfplanzen 67
Seiten
410-416
Studie
http://bit.ly/2ZkOk2i
Autor D. Roßberg et al. (2017)   Zeitschrift Gesunde Pflanzen

Erhebungen zur Anwendung von chemischen Pflanzenschutzmitteln in Zuckerrüben

Die Studie beschäftigt sich mit der tatsächlichen Anwendung chemischer Ergebnisse in der Landwirtschaft, bezogen auf das Beispiel Zuckerrüben. Die Ergebnisse der Erhebungen zeigen, dass sich die Pflanzenschutzintensität in Zuckerrüben in den letzten Jahren im Vergleich zum Zeitraum 2005 bis 2010 erhöht hat.

Autor
D. Roßberg et al.
Veröffentlicht
2017
Zeitschrift
Gesunde Pflanzen
Studie
http://bit.ly/2LfOI8p
Autor D. Roßberg, U. Harzer (2015)   Zeitschrift Journal für Kulturpflanzen 67

Erhebungen zur Anwendung von Pflanzenschutzmitteln im Apfelanbau

Die Studie beschäftigt sich mit der tatsächlichen Anwendung chemischer Ergebnisse in der Landwirtschaft, bezogen auf das Beispiel Weinbau. Die Studie zeigt, dass eine Verringerung der Anzahl chemischer Pflanzenschutzmaßnahmen in den kommenden Jahren nicht zu erwarten ist, sondern dass das zunehmende Auftreten von neuen invasiven Schädlingen vermutlich eher zu einer zusätzlichen Anwendungen von chemischen Pflanzenschutzmitteln führt.

Autor
D. Roßberg, U. Harzer
Veröffentlicht
2015
Zeitschrift
Journal für Kulturpflanzen 67
Seiten
85-91
Studie
http://bit.ly/2ZqnUfP

Unser täglich Gift

Die aufgeführten Daten und Fakten stützen sich auf das Buch "Unser täglich Gift" von Johann G. Zaller, Ökologe an der Wiener Universität für Bodenkultur sowie Experte der Österreichischen Biodiversitätskommission.

"Unser täglich Gift"

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