Grenzwerte

Die Bestimmung der Grenzwerte ist fraglich.
Foto: Pixabay

In Europa gilt allgemein eine Höchstmenge bei Pestizidrückständen von 0,1 Milligramm pro Kilogramm.

Wie kommen Grenzwerte zustande?

Für die Risikobewertung von Pestiziden für den Menschen werden in Tierversuchen gesunde Labortiere mit einem einzelnen Pestizidwirkstoff gefüttert oder besprüht und die Auswirkungen dessen betrachtet. Aus den Beobachtungen werden dann toxikologische Grenzwerte berechnet.

Da sich die Übertragung der Messwerte vom Labortier auf den Menschen als problematisch darstellt, wurde der sogenannte Sicherheitsfaktor eingeführt. Dieser soll Unterschiede zwischen Menschen und Tieren berücksichtigen.

Sicherheitsfaktor

Da man nicht exakt bestimmen kann, wie empfindlich der Mensch im Vergleich zum Versuchstier ist, wird pauschal ein Sicherheitsfaktor von 10 angenommen. Da es in der Bevölkerung außerdem Unterschiede in den Empfindlichkeiten gibt (z.B. reagieren Gesunde anders als Kranke), gibt es einen weiteren Faktor von 10. Ein dritter Faktor in beliebiger Höhe kann außerdem angewendet werden, wenn die Behörden nicht genügend Daten zur sicheren Einschätzung des Risikos zur Verfügung haben. Dieser pauschale Sicherheitsfaktor wurden in den 1950ern eingeführt und seither nicht mehr verändert. Da der Faktor auf 60 Jahre alten Annahmen basiert, kann nicht sicher gesagt werden, dass Rückstände unterhalb der errechneten Grenzwerte unbedenklich sind.

Auch reagieren die Versuchstiere nicht alle gleich und in der Regel werden keine Langzeitstudien durchgeführt. So werden Laborratten höchstens über 2 Jahre hinweg untersucht, während der Mensch den Pestiziden oftmals Jahrzehntelang ausgesetzt ist. Das Problem daran: Viele Pestizide sind Speichergifte, die sich in bestimmten Körperdepots anreichern. Dabei kann es Jahrzehnte dauern, bis es überhaupt zu einer Wirkung durch die eingelagerten Gifte kommt und diese entdeckt wird. Daher gibt es für Pestizide keine sicher ungefährliche Dosis.

Auch die gegenseitigen Beeinflussungen der Pestizide bei gleichzeitigem Einsatz werden bei der Festlegung der Grenzwerte nicht untersucht. Dabei gibt es zahlreiche Studien die beweisen, dass Pestizide in Kombination mit anderen Pestiziden wesentlich giftiger sind, als wenn sie einzeln angewendet werden.

Extrapolation

Zur Einschätzung der Pestizidwirkung wird auch häufig die Extrapolation angewendet: Von den Ergebnissen eines Experiments wird auf andere Arten und andere Umweltsituationen geschlossen. Oftmals sind diese Extrapolationen jedoch wissenschaftliche nur schwer nachzuvollziehen. So werden beispielsweise Ergebnisse, die bei der Testung mit ausgewachsenen Honigbienen ermittelt wurden, auf alle anderen Lebensstadien und alle Bienenarten, manchmal sogar auf alle Insektenbestäuber übertragen.

Bei der Testung der Effekte von Pestiziden werden außerdem aus praktischen und monetären Gründen nur bestimmte Endpunkte untersucht. Diese können frei vom Untersucher gewählt werden. Typische Endpunkte wären der Tod des Versuchstiers, Krebsgeschwüre oder das Gewicht bestimmter Organe. Endpunkt kann aber auch die Neurotoxizität sein: Das sind beispielsweise Lerndefekte, Fehlfunktionen des Immunsystems, der Reproduktionsorgane oder Multigenerationeneffekte. Die meisten dieser Aspekte werden aufgrund der oben genannten praktischen und monetären Gründe bei der Untersuchung möglicher Auswirkungen der Pestizide nicht berücksichtigt.

Unser täglich Gift

Die aufgeführten Daten und Fakten stützen sich auf das Buch "Unser täglich Gift" von Johann G. Zaller, Ökologe an der Wiener Universität für Bodenkultur sowie Experte der Österreichischen Biodiversitätskommission.

"Unser täglich Gift"

Naturefund e. V.
Karl-Glässing-Straße 5
65183 Wiesbaden

+49 611 504 581 011
info(at)naturefund.de

Jetzt spenden

Registriert beim Registergericht Wiesbaden, VR 3739

Umsatzsteuer-Identifikationsnummer: DE 293241718

Freistellungsbescheid: Als gemeinnützige Körperschaft
befreit von der Körperschaftssteuer gem. §5 Abs.1 Nr.9 KStG
unter der Steuernummer 43/250/76281.

Ihre Spende an Naturefund kann steuerlich abgesetzt werden.