Die Politik ist gefragt

Eine pestizidfreie Wiese.
Foto: Naturefund

Die sogenannte Gemeinsame Agrarpolitik der EU (GAP), hat einen großen Einfluss auf unser Ökosystem, denn mit mehreren Millionen Euro Budget wirkt sich die GAP auf mehr als 50% der Landfläche der EU aus.

Agrarsubventionen

Agrarsubventionen machen derzeit etwa vierzig Prozent des EU-Haushalts aus. Dabei nützt die derzeitige Agrarförderung überwiegend der Lebensmittelindustrie und den Großbetrieben, auch wenn ein Großteil der Öffentlichkeit eine Vergabe der finanziellen Mittel an Kleinbauern und Bergbauern bevorzugen würde. 

Betrachtet man die Vergabe der Fördermittel nämlich genauer, dann kristallisieren sich als Millionen-Abnehmer Fruchtsafthersteller, Erzeuger von Fertignahrung, Marketingfirmen, Fluglinien, Gemüseproduzenten und Großgrundbesitzer heraus. An Kleinbauern fließen hingegen lediglich sechs Prozent der Mittel. Die Folge daraus: Die Zahl der Bauernhöfe in Europa nimmt kontinuierlich ab, da Kleinbetriebe von den Großen übernommen werden.

Kritisches Hinterfragen nötig

Ein kritisches Hinterfragen von Agrarsubventionen erscheint nötig, da etwa zwanzig Prozent des Wertes der landwirtschaftlichen Produktion durch den Steuerzahler subventioniert werden. Ökologische Folgekosten werden auf die Allgemeinheit abgewälzt, während andererseits Steuermittel zu dessen Förderung eingesetzt werden. 

Auch eine Verlagerung der Umweltkosten wird derzeit nicht betrachtet: Nationale Entscheidungen können Konsequenzen in anderen Ländern haben. So erzeugt beispielsweise der Sojaanbau für unsere Tiermastbetriebe in den Produktionsländern Umweltkosten, die nicht auf unsere Fleischpreise umgelegt werden. Eine logische Konsequenz wäre, Umweltauswirkungen so zu besteuern, dass Produkte aus einer schädlichen Produktion teurer werden als Produkte aus umweltgerechter Produktion – Also eine leistungsgerechte Bezahlung für Natur und Umwelt. 

Kosten, welche durch Pestizide verursacht werden, sollten außerdem auf den Preis der Pestizide umgelegt werden, anstatt von der Allgemeinheit bezahlt zu werden. Dies könnte ein wichtiges Steuerinstrument sein, um den Pestizideinsatz zu senken. Einige europäische Staaten haben dies bereits durchgeführt: In Dänemark sank daraufhin der Pestizidverbrauch im Vergleich zum langjährigen Mittel um 21 Prozent, in den Niederlanden um 43 Prozent, in Finnland um 46 Prozent und in Schweden um 79 Prozent. 

Politik muss faktenbasiert entscheiden und handeln

Letztendlich geht es darum, ob sich die Ressorts Landwirtschaft, Umwelt und Gesundheit in der Politik dazu entscheiden, weiterhin die Profitinteressen weltweit tätiger Konzerne zu vertreten. Denn Ernteverluste aufgrund von Schädlinge oder Krankheiten konnten auch durch den breiten Einsatz von Pestizide in den letzten Jahren nicht eingedämmt werden.

Der Einfluss der Agrarpolitik, der Handelssysteme und der Einfluss von Unternehmen auf die Politik muss kritisch hinterfragt werden. Eine Lösung könnte außerdem die Einführung eines international verbindlichen Abkommens zur Reduktion des Pestizideinsatzes sein, sowie dass Hersteller für Schäden die ihre Produkte anrichten, zur Rechenschaft gezogen werden. Dabei sollte sich die Politik auch viel öfter an die Hersteller wenden, wenn es um Verschmutzung von Trinkwasser geht oder gesundheitliche Schäden, die auf Pestizide zurückzuführen sind. 

Ein weiteres Ziel besteht darin, Doppelstandards für Pestizide zu eliminieren. So kann es nicht sein, dass ein Pestizid in einem Land wegen gesundheitlicher Bedenken verboten wird, in andere Länder mit weniger strengen Auflagen aber trotzdem weiterhin verkauft wird.

Die Hersteller sollten außerdem dazu verpflichtet werden, unfrisierte, öffentlich zugängliche wissenschaftliche Studien vorzulegen, die die Notwendigkeit des Pestizids bestätigen. Des Weiteren sollte ein Nachweis zu erbringen sein, dass es keine ökologischen oder sonstigen Alternativen zum Pestizid gibt. Auch sollten keine Pestizide zugelassen werden, bei der die Unbedenklichkeit nicht 100 prozentig nachgewiesen ist, denn die Gesundheit von Mensch und Umwelt sollte an erster Stelle stehen. 

Generell sollte darüber nachgedacht werden, die Pestizidzulassung neu zu regeln. Dabei müssen im Zulassungsverfahren sowohl die Nebenwirkungen der Wirkstoffe, die Beistoffe, die Kreuzwirkungen von Pestizid-Cocktails und die endokrinen Wirkungen betrachtet werden. Langzeitstudien über mehrere Generationen sollten kein Einzelfall mehr sein. Unabhängige Wissenschaftler sollten unter Offenlegung aller Daten und Analysemethoden die Untersuchungen durchführen. 

Prozess zur EU-Agrarreform unterstützen

Studien

Autor G. Pe'er et al. (2014)   Zeitschrift Science

EU agricultural reform fails on biodiversity

In December 2013, the European Union (EU) enacted the reformed Common Agricultural Policy (CAP) for 2014–2020, allocating almost 40% of the EU's budget and influencing management of half of its terrestrial area. Many EU politicians are announcing the new CAP as “greener,” but the new environmental prescriptions are so diluted that they are unlikely to benefit biodiversity.

Autor
G. Pe'er et al.
Veröffentlicht
2014
Zeitschrift
Science
Seiten
1090-1092
Studie
https://science.sciencemag.org/content/344/6188/1090
Autor E.-C. Oerke (2006)   Zeitschrift The Journal of Agricultural Science

Crop losses to pests

Productivity of crops grown for human consumption is at risk due to the incidence of pests, especially weeds, pathogens and animal pests. Crop losses due to these harmful organisms can be substantial and may be prevented, or reduced, by crop protection measures. An overview is given on different types of crop losses as well as on various methods of pest control developed during the last century.

Autor
E.-C. Oerke
Veröffentlicht
2006
Zeitschrift
The Journal of Agricultural Science
Seiten
31-43
Studie
http://bit.ly/2OwOSM2

Unser täglich Gift

Die aufgeführten Daten und Fakten stützen sich auf das Buch "Unser täglich Gift" von Johann G. Zaller, Ökologe an der Wiener Universität für Bodenkultur sowie Experte der Österreichischen Biodiversitätskommission.

"Unser täglich Gift"

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