Vögel und Fledermäuse sterben

Pestizide setzen den Fledermäusen zu.
Foto: Naturefund

Der Rückgang der Vögel und Fledermäuse in den letzen Jahrzehnten hängt auch mit der immer höheren Ausbringung von Pestiziden zusammen. Diese werden entweder durch den direkten Kontakt mit Pestiziden vergiftet oder verhungern aufgrund eines geringerem Nahrungsangebots.

Vögel verhungern

Europaweit gehen Vögel in der Agrarlandschaft zurück, da sie durch den Pestizideinsatz weniger Nahrung finden. Denn mit der Vernichtung der Schädlinge verschwinden auch Futtertiere wie Schmetterlingsraupen und andere Insekten. Pestizide dezimieren somit die Nahrungsgrundlage für viele Vögel. Den Vögeln bleibt so oftmals nicht genügend Nahrung um zu überleben und um ihre Brut aufzuziehen. Dies ist bei Rebhuhn, Goldammer, Grauammer und der Feldlerche wissenschaftliche belegt.

In einer Studie über mehrere europäische Länder hinweg fand man heraus, dass speziell Insektizide und Fungizide einen sehr negativen Effekt auf die Diversität von bodenbrütenden Feldvögel haben. Eine Studie aus Kanada und Frankreich fand einen Zusammenhang zwischen Herbizidanwendungen und dem Rückgang vor allem von samenfressenden Vögeln.

Tod durch direkte Auswirkungen der Pestizide

Oftmals sterben Vögel auch an der direkten Vergiftung durch Pestizide. In einem Weizenfeld in den USA wurden beispielsweise 1200 Kanadagänse tot aufgefunden, nachdem dort das Insektizid Parathion ausgebracht wurde. Andere Studien berichten von Pestizidvergiftungen von tausenden Enten und Gänsen nach Anwendung von Pestiziden in Getreidebeständen. Schätzungen ergeben, dass allein in den USA circa ein bis zwei Millionen Vögel pro Jahr durch Anwendungen mit dem Insektizid Carbofuran getötet werden. Eine Studie aus den Niederlanden zeigt, dass je mehr Imidacloprid im Oberflächenwasser zu finden ist, desto rückläufiger die Bestände von 15 Vogelarten. Konzentrationen von einem zwanzig Milliardstel Gramm Insektizid führte dort zu einem jährlichen Rückgang der Vogelpopulationen von 3,5 Prozent! Insektizide aus der Gruppe der Neonicotinoide schädigen also nicht nur Bienen, Hummeln und Bodenorganismen, sondern auch Vögel.

Auch die Beutegreifer unter den Vögeln sind gefährdet: Tausende von Bussarden, Eulen, Adlern, Geiern und anderen Greifvögeln werden jedes Jahr getötet, da Pestizide zur Dezimierung von Nagetieren, die Nahrung der Beutegreifer, eingesetzt werden. Eine Studie zeigte in diesem Zusammenhang, dass eine einzige chemische Bekämpfungsmaßnahme gegen Wühlmäuse 28 Rotmilanen und sechzehn Mäusebussarden den Tod kostet.

Auch Fledermäuse finden weniger Nahrung

In Europa leben etwa 40 verschiedene Fledermausarten, welche häufig in der Agrarlandschaft leben und sich dort von Insekten ernähren. Trotz dessen wird die Auswirkung von Pestiziden auf Fledermäuse bei den EU-Zulassungsverfahren für Pestizide nicht berücksichtigt.

Dabei sind die Bestände von in den ländlichen Gegenden vorkommenden Fledermäusen nach der Anwendung von Pestiziden in den sechziger und siebziger-Jahren rückläufig und teilweise sogar ganz zusammengebrochen. Denn ähnlich wie bei Vögeln tragen Herbizide auch bei den Fledermäusen dazu bei, dass diese weniger Nahrung finden. Denn Pestizide vernichten die Beuteinsekten der Fledermäuse. Zusätzlich dazu reichern sich Gifte in den Speicherfetten der Fledermäuse an. Während der Überwinterung werden die Fettdepots dann abgebaut und die Pestizide im Körper der Fledermäuse freigesetzt. Dadurch kommt es beispielswiese zu Störungen der Kommunikationsfähigkeit und des Lernvermögens sowie zur Beeinträchtigung des Immunsystems.

Rückgang kostet 23 Milliarden US-Dollar pro Jahr

Die ökonomischen Auswirkungen des Rückgangs der Fledermäuse sind enorm: Für die USA wurde berechnet, dass eine einzelne Fledermauskolonie von 150 Tieren der großen braunen Fledermaus im Jahr circa 1,3 Millionen Schadinsekten frisst. Dies entspricht einem Beitrag von 400 US-Dollar pro Hektar, der durch die Fledermäuse eingespart wird: Denn dieser Betrag müsste pro Hektar ansonsten für die chemische Tötung der Insekten gezahlt werden. Wenn man das auf die Erntefläche der USA im Jahr 2007 hochrechnet, ergibt sich der enorme Wert der monetären Leistung der Fledermäuse von 23 Milliarden US-Dollar pro Jahr.

Agrochemiekonzerne müssen verpflichtet werden

Um die oben beschriebe Entwicklung zu stoppen, müssten die Agrochemiekonzerne dazu verpflichtet werden, umfassende Untersuchungen durch unabhängige Wissenschaftler zu finanzieren, bevor ein Pestizid zugelassen wird. Denn derzeit werden die Auswirkungen von Pestiziden auf die Nahrungsressourcen der Tiere nicht überprüft. Wünschenswert wäre, dass die Risikoanalyse von Pestiziden einen Ansatz verfolgt, bei dem die Auswirkungen von Pestiziden für alle potenziell betroffenen Tiergruppen untersucht wird.

Die Natur und deren Bewohner schützen.

Studien

Autor D. H. White et al. (1982)   Zeitschrift Journal of Field Ornithology

Organophosphate insecticide poisoning of Canada geese in the Texas panhandle

The long-term subtle effects of persistent organochlorine pesticides, such as DDT and dieldrin, on avian populations have been well documented. The use of some of these chemicals in the United States has been severely restricted, or banned entirely, and others are under closes crutiny. In contrast, the new erorganophosphate compounds (OPs) are favored for field application. Certain of the OPs are extremely toxic to wildlife for short periods after application and reports of mortality in exposed avian populations have increased in recent years.

Autor
D. H. White et al.
Veröffentlicht
1982
Zeitschrift
Journal of Field Ornithology
Seiten
22-27
Studie
http://bit.ly/2mPezM0
Autor W. C. Mullié et al. (1991)   Zeitschrift Archives of environmental Contamination and Toxicolcgy

The Impact of Furadan 3G (Carbofuran) Applications on Aquatic Macroinvertebrates in Irrigated Rice in Senegal

The impact of Furadan 3G applications on aquatic macroinvertebrates was studied in irrigated test plots with rice in northern Senegal. Total biomass of macroinvertebrates and numbers of Odonata, Ephemeroptera, Nematocera, and Hydrocorisae were severely and significantly reduced after treatment, and remained significantly lower than those in control plots until at least 24 days after treatment. Side-effects of carbofuran applications were also observed in frogs and birds; some birds that consumed spilled granules died immediately.

Autor
W. C. Mullié et al.
Veröffentlicht
1991
Zeitschrift
Archives of environmental Contamination and Toxicolcgy
Seiten
177-182
Studie
https://link.springer.com/article/10.1007/BF01055902
Autor C. A. Hallmann et al. (2014)   Zeitschrift Nature

Declines in insectivorous birds are associated with high neonicotinoid concentrations

The use of neonicotinoid pesticides in recent decades has been linked to declines in bees and other invertebrate pollinators. This study presents data from the Netherlands showing a correlation between declines in insectivorous farmland bird populations and water concentrations of imidacloprid, a neonicotinoid. The spatial connection remains once other land-use changes have been accounted for.

Autor
C. A. Hallmann et al.
Veröffentlicht
2014
Zeitschrift
Nature
Seiten
341–343
Studie
https://www.nature.com/articles/nature13531
Autor D.W. Gibbons et al. (2006)   Zeitschrift Proceedings of the Rocal Society B

Weed seed resources for birds in fields with contrasting conventional and genetically modified herbicide-tolerant crops

This study uses Farm Scale Evaluations data and information on bird diets to determine how genetically modified herbicide-tolerant cropping (GMHT) might change the food resources available to farmland birds. More than 60 fields of each of four crops, spring- and winter-sown oilseed rape, beet and maize, were split, one half being sown with a conventional variety, the other with a GMHT variety.

Autor
D.W. Gibbons et al.
Veröffentlicht
2006
Zeitschrift
Proceedings of the Rocal Society B
Seiten
1921–1928
Studie
http://bit.ly/2mqELMz
Autor F. Geiger et al. (2010)   Zeitschrift Basic and Applied Ecology

Persistent negative effects of pesticides on biodiversity and biological control potential on European farmland

During the last 50 years, agricultural intensification has caused many wild plant and animal species to go extinct regionally or nationally and has profoundly changed the functioning of agro-ecosystems.In this study, the impacts of various components of agricultural intensification on species diversity of wildplants, carabids and ground-nesting farmland birds and on the biological control of aphids are disentangled.

Autor
F. Geiger et al.
Veröffentlicht
2010
Zeitschrift
Basic and Applied Ecology
Seiten
97–105
Studie
http://bit.ly/2kPb1J2
Autor K. E. Gibbs et al. (2009)   Zeitschrift Diversity and Distributions

Human land use, agriculture, pesticides and losses of imperiled species

Anthropogenic habitat loss is usually cited as the most important cause of recent species’ extinctions. This paper asks whether species losses are in fact more closely related to habitat loss than to any other aspect of human activity such as use of agricultural pesticides, or human population density (which reflects urbanization).

Autor
K. E. Gibbs et al.
Veröffentlicht
2009
Zeitschrift
Diversity and Distributions
Seiten
242–253
Studie
http://bit.ly/2mqSDq7
Autor F. Chiron et al. (2014)   Zeitschrift Agriculture, Ecosystems and Environment

Pesticide doses, landscape structure and their relative effects on farmland birds

Agricultural changes related to the intensification of farming practices and the simplification of land-scape elements often occur simultaneously. Their respective effects on biodiversity are thus difficult todisentangle and are poorly understood. This study assessed the relative contribution of each componentof agricultural intensification on taxonomic and functional bird communities.

Autor
F. Chiron et al.
Veröffentlicht
2014
Zeitschrift
Agriculture, Ecosystems and Environment
Seiten
153-160
Studie
http://bit.ly/2lkT5Ge
Autor M. Coeurdassier et al. (2004)   Zeitschrift Conservation Biology

Unintentional wildlife poisoning and proposals for sustainable management of rodents

In Europe, bromadiolone, an anticoagulant rodenticide authorized for plant protection, may be applied intensively in fields to control rodents. The high level of poisoning of wildlife that follows such treatments over large areas has been frequently reported. In France, bromadiolone has been used to control water voles since the 1980s. Both regulation and practices of rodent control have evolved during the last 15 years to restrict the quantity of poisoned bait used by farmers.

Autor
M. Coeurdassier et al.
Veröffentlicht
2004
Zeitschrift
Conservation Biology
Seiten
315-321
Studie
https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/24405288
Autor J. G. Boyles et al. (2011)   Zeitschrift Science

Economic Importance of Bats in Agriculture

White-nose syndrome (WNS) and the increased development of wind-power facilities are threatening populations of insectivorous bats in North America. Bats are voracious predators of nocturnal insects, including many crop and forest pests. The study presents analyses suggesting that loss of bats in North America could lead to agricultural losses estimated at more than $3.7 billion/year.

Autor
J. G. Boyles et al.
Veröffentlicht
2011
Zeitschrift
Science
Seiten
41-42
Studie
http://bit.ly/2mJr3EK

Unser täglich Gift

Die aufgeführten Daten und Fakten stützen sich auf das Buch "Unser täglich Gift" von Johann G. Zaller, Ökologe an der Wiener Universität für Bodenkultur sowie Experte der Österreichischen Biodiversitätskommission.

"Unser täglich Gift"

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