Internationaler Luft- und Seeverkehr im 21. Jahrhundert

Weltweit nimmt der Güter- und Personenverkehr zu, wobei das wachsende Verkehrsaufkommen geographisch ungleich verteilt ist. Die Liberalisierung der Transportbranche führte zu einem erhöhten Rentabilitätsdruck und zu Marktkonzentration. Die damit ausgelösten Veränderungen verstärken die ungleiche Entwicklung: Einige Regionen werden privilegiert, andere marginalisiert.

Starke Zunahe des Seefrachtverkehrs

Der Seefrachtverkehr, über den der interkontinentale Warentransport überwiegend abgewickelt wird, hat sich seit 1975 mehr als verdoppelt und erreichte 2004 ein Volumen von 6,7 Mrd. Tonnen. Die Versorgungsrouten sind weitgehend unverändert geblieben.

Im Jahr 2004 entfielen auf Rohöl und Mineralölerzeugnisse 34 % der Tonnenkilometer, auf Erze 10 %, auf Kohle 9,7 %, auf Getreide 3,7 %, auf sonstiges Schüttgut 13 % und auf andere, überwiegend in Containern transportierte Waren 28,3 %.

Gros des Seehandels zwischen Nordamerika, Europa und Asien

Die Häfen und Umschlagplätze konzentrieren sich auf Nordamerika, Europa und die asiatischen Länder mit Zugang zum Pazifik. Zwischen diesen drei Großregionen spielt sich das Gros des Seehandels ab. Auf dem Pazifik sowie zwischen Asien und Europa nimmt der Containerlinienverkehr zu, auf den Atlantikrouten stagniert er, Afrika ist nach wie vor von marginaler Bedeutung. Weltweit wurden 2005 über 300 Millionen TEU-Container (20-Fuß-Einheiten) oder 9 Milliarden Kubikmeter umgeschlagen.

Erweiterung des Containerhandels

Internationale Reedereien bieten ihre Dienstleistungen über gemeinsame Agenturen an, die mehr als die Hälfte des weltweiten Containerhandels abwickeln. Um eine lückenlos funktionierende Transportkette zu gewährleisten, haben die großen Häfen riesige privatwirtschaftlich arbeitende Terminals gebaut.

Doch haben öffentliche Hafengesellschaften wie die von Singapur auch private Hafenanlagen in anderen Ländern gekauft. Gerade die Zukunft mittelgroßer Häfen hängt davon ab, ob sie ihren Anteil am Containerverkehr ausbauen können. Da die Frachtraten sinken, werden große Anstrengungen unternommen, um die Produktivität zu steigern und die Löhne zu drücken. Die vermehrte Registrierung in den offenen Schiffsregistern der so genannten Billigflaggen-Länder geht deshalb zu Lasten der Sicherheit und der Schiffsbesatzungen.

Handelsflotte: Schiffseigner und Flaggen Foto: © Le Monde diplomatique

Luftverkehr - Hohe Passagierzahl und bedeutender Anteil des Warenverkehrs 

Im Luftverkehr stieg die Anzahl der Passagiere 2005 auf über 2,22 Milliarden, davon entfielen 783 Millionen allein auf Flüge innerhalb der USA. Über ein Drittel des internationalen Warenverkehrs wird per Luftfracht abgewickelt. Die Anschläge vom 11. September 2001 haben gezeigt, dass der Flugverkehr besonders verwundbar ist, was auch ökonomische Folgen hat. Die von den USA ausgehende Deregulierungspolitik setzt Fluggesellschaften, Flughäfen, Flugzeugbauer, Flugpersonal und Passagiere zusätzlich unter Druck.

Internationale Allianzen von Luftfahrtgesellschaften

In der verschärften Wettbewerbssituation gingen einige, auch größere Fluggesellschaften Bankrott (Eastern Airlines oder Braniff). Mehrere führende Luftfahrtgesellschaften bildeten internationale Allianzen, um ihr ökonomisches Potenzial zusammenzulegen – sei es durch die Koordination ihrer Flugpläne oder durch gemeinsame Liniendienste.

Von den ursprünglich fünf strategischen Partnerschaften haben sich bis 2005 nur drei gehalten: Star Alliance (United Airlines, Lufthansa, SAS, ANA, Thai u.a.), Oneworld (American Airlines, British Airlines, Cathay Pacific u.a.) und Skyteam (Delta, Air France, Korean, Aeromexico u.a.). Sie beförderten 2005 insgesamt 41 Prozent der Fluggäste und machten über die Hälfte des globalen Branchenumsatzes.

Metropolisierung durch geographische Lage der Großflughäfen

Billigfluglinien, die vor allem kurze und mittlere Strecken bedienen und in den deregulierten Märkten nach Nischen suchen, wickeln inzwischen 10 Prozent des weltweiten Flugverkehrs ab. Die geographische Lage der Großflughäfen verstärkt die weltweite Tendenz zur Metropolisierung, was durch die »Hub«-Strategie der kooperierenden Luftfahrtgesellschaften zusätzliche Dynamik gewinnt: Die Kurz- und Mittelstreckenflüge steuern die Zentralflughäfen der Allianzen an, wo die Langstrecken- und Anschlussflüge ihre Passagiere aufnehmen.

Ziviler Flugverkehr Foto: © Le Monde diplomatique

Problematik häufigerer Flugverbindungen

Um international zu bestehen, bieten die großen Gesellschaften zudem häufigere Flugverbindungen an, sodass die Zahl der Flüge schneller steigt als das Passagieraufkommen. Dies verstärkt nachweislich den Klimawandel, führt zu mehr Umweltverschmutzung, zur Überlastung von Flughäfen und Flugrouten und zu erhöhter Lärmbelästigung für die Anwohner.

Autor: Pierre Thorez 

Professor für Geographie an der Universität Le Havre

Mehr Informationen zu dem Thema:

International Maritime Organization

Air Transport Association

Informationen zu Klima und Verkehr

Quelle:
Atlas der Globalisierung,
Le Monde diplomatique.

© 2006

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