· Naturefund

Reise-Blog: Die Gründung von Naturefund CR

Ich bin auf der Forschungsstation La Cherenga, die nach dem Mittelamerikanischen Agouti (Dasyprocta punctata ) – in Spanisch „Cherenga“ benannt wurde. Morgens gegen fünf, sechs Uhr bevölkern sie die Rasenfläche rund um die Station und suchen nach Nahrung.

Fotos

Flächenkauf zweier Grundstücke nahe Golfito

Die Station liegt auf einem Areal von 20 ha, das zum großen Teil noch von Regenwald bedeckt ist. Sie dient Forschenden und Studierenden als Standort für ihre Untersuchungen und ist Bestandteil der Fundación de Golfito, mit der Abkürzung FudG, unserem Projektpartner auf Costa Rica. Die Station liegt etwa 10 km Luftlinie von dem Wald entfernt, den wir aktuell mit der Fundación de Golfito kaufen und damit dauerhaft schützen wollen. Bei dem Wald handelt es sich um zwei Grundstücke von etwas mehr als 176 ha, fast noch komplett bewaldet, wobei ca. 80 % Primärregenwald ist. Verschiedene kleine Berge nebst zwei Wasserfällen schaffen eine einzigartige Landschaft. Da auf den 10 km zwischen der Station bis zu den Grundstücken vor allem undurchdringlicher Regenwald und natürlich keine Wege liegen, wählen Oscar Quiros, Präsident der Fudg, und ich bei unserem Besuch der Projektflächen den Weg drumherum: Wir fahren ca. 30 km, davon die Hälfte auf der Inter America, dem mittelamerikanischem Teilstück der Panamerica, der Straße, die den gesamten Kontinent von Kanada bis nach Chile durchzieht.

Als wir von der Inter-America abbiegen, kommen wir nach wenigen Meter am Haus der Nachbarn vorbei. Da diese gerade dabei sind, die Weizenernte zum Trocknen auszulegen, steigen wir aus und sagen Hallo. Sie sind sehr freundlich, schon ein wenig älter und begrüßen Oscar, den sie gut kennen. Man kommt ins Gespräch, nach einer Weile kommt auch die Tochter vorbei, die für ihre Eltern Medikamente aus der nahegelegenen Apotheke geholt hat. So nebenbei fragt Oscar, ob dieser oder jener Nachbar immer noch sein Land verkaufen möchte. Als wir dann wieder im Auto sitzen, erzählt mir Oscar all das, was er erfahren hat: Ja, der Nachbar, der u. a. 100 ha Wald besitzt, von dem der größte Teil noch unberührt ist, braucht Geld und möchte verkaufen. Und auch ein anderer Nachbar hat Interesse, sein Land zu verkaufen. Und … und das ist sehr spannend … auch das alte Ehepaar möchte sein Land verkaufen. Auf Oskars Frage, ob sie nicht Interesse hätte, das Land ihrer Eltern zu bewirtschaften, schüttelt die Tochter energisch den Kopf.

Weitere Flächen im Visier

Also: 24 ha Farmland, welches an die anderen beiden Grundstücke grenzt, stehen zum Verkauf. Wobei der Begriff Farmland nicht deutsche Äcker meint, sondern sehr feuchten Wiesen, mühsam dem Urwald abgerungen, auf denen ein paar magere Zeburinder stehen sowie einige Reisfelder. Die Felder und Wiesen sind von Bäumen und Bächen durchzogen und das Ganze erinnert im Grund mehr an ein großes, grünes Feuchtgebiet.

Auf dem Rückweg auf der Inter-America fällt der Blick rechts auf eine große bewaldete Hügelkette und Oscar sagt so nebenbei, dass all das noch unberührter Regenwald ist, der bis zu den Nationalparks und Schutzgebieten auf der Osa-Halbinsel reicht. Wie groß ist das Gebiet, frage ich ihn. So ca. 4.000 – 6.000 ha Regenwald, größtenteils noch unberührt und … nicht geschützt. Hmm, denke ich, ein wenig groß für Naturefund alleine, aber ich kann ja mal anfangen zu träumen.

Naturefund Costa Rica

Der Tag, der darauf folgt, ist der perfekte Tag, um diese Träume fortleben zu lassen. Es ist ein denkwürdiger Tag, denn an diesem Tag haben wir Naturefund Nr. 2 gegründet, genauer Naturefund in Costa Rica oder formell Naturefund CR. Wir haben jetzt also auch einen Standort in diesem tropischen und wunderschönem Land. Seit 12 Jahren begleiten wir unseren Partner hier beim Schutz von Regenwald. Da Naturefund neben Kühe hüten, Streuobstwiesen pflegen und Bäume auf Äckern pflanzen im Grunde und eigentlich Land für die Natur kauft, ist das genau das, was wir hier machen wollen: Wir wollen Regenwald kaufen und dauerhaft für die Natur … und für uns Menschen sichern. Da dies sehr viel Regenwald sein wird und daher vermutlich auch ein sehr langes Projekt, war der Gedanke geboren, hier in Costa Rica eine Naturefund-Dependance zu gründen.

So kam Prof. Oscar E. Quiros mit drei seiner Studentinnen und zwei Mitarbeiter der Green Industry Group, die hier für ein deutsches Unternehmen einen Klimaschutzbeitrag leisten und wieder aufforsten, da wo doch kein Regenwald mehr steht, um Naturefund CR zu gründen. Zuerst haben wir uns ein wenig mit Naturefund im Allgemeinen und mit ein paar von unseren Werkzeugen beschäftigt, die evtl. auch hier eingesetzt werden können, z. B. mit dem Dynamische Agroforst. Dann ging es jedoch vor allem um das große Regenwaldgebiet, dass wir schützen wollten. Schließlich haben wir zusammen die Satzung von Naturefund CR gelesen, den einen oder anderen Fehler oder eine bessere Formulierung entdeckt und schließlich die Satzung unterzeichnet. Jetzt beginnt der lange Weg durch die Behörden, bis dann in hoffentlich in nicht allzu langer Zeit die Anerkennung von Naturefund offiziell in Costa Rica erfolgt. Wir freuen uns!

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