Brutgebiet für seltene Küstenvögel

Säbelschnäbler
Ein seltener Säbelschnäbler
Foto: Jürgen Reich

Die Insel Kirr in der Ostsee ist ein einzigartiges Brutgebiet für bedrohte Küstenvögel. Gemeinsam mit dem Nationalpark Vorpommersche Boddenlandschaft hat Naturefund dank zahlreicher Spenden jetzt 108.750 m² gekauft und für die Natur geschützt.

Lebensraum für seltene Küstenvögel schützen

Die Insel Kirr ist eines der bekanntesten Vogelschutzgebiete an der südlichen Ostseeküste. Sie gehört zum Nationalpark "Vorpommersche Boddenlandschaft" und ist mit ihrem verästelten Prielsystem, den weitflächigen Salzwiesen und intakten Küstenüberflutungsmooren ein einzigartiges Biotop von internationaler Bedeutung.

Allein 23 verschiedene Küstenvogelarten brüten hier, darunter Rotschenkel, Austernfischer, Säbelschnäbler und Kiebitz. Viele sind vom Aussterben bedroht und stehen auf der Roten Liste für bedrohte Vogelarten. Die Insel ist auch ein wichtiger Kranichrastplatz. Tausende Kraniche rasten hier beim ihrem jährlich Kranichzug.

Die Insel Kirr liegt südlich von Zingst und der Halbinsel Fischland Darß. Zahlreiche Grundstücke gehören noch privaten Eigentümern. Naturefund hat im Jahr 2012 begonnen, Spenden für den Kauf zu sammeln und konnte dank der Hilfe von 369 Menschen verschiedene Grundstücke von Privatpersonen kaufen und sie dem Nationalpark übergeben. Das gemeinsame Ziel ist, diesen Lebensraum für seltene Arten dauerhaft zu schützen.

Schutzzone II mit 300 Rindern

Das Nationalparkamt Vorpommern betreut den Nationalpark "Vorpommersche Boddenlandschaft", um das natürliche Biotop und die biologische Vielfalt auf der Insel langfristig für nachfolgende Generationen zu bewahren. Dazu wurde der Nationalpark in verschiedene Schutzzonen eingeteilt. Die Insel Kirr liegt in der Schutzzone II, in der durch gezielte Maßnahmen der Lebensraum für gefährdete Tiere und Pflanzen erhalten werden soll.

Zu einer dieser Maßnahmen gehören 300 Rinder, die jedes Frühjahr per Fähre auf die Insel gebracht werden und dort den Sommer über wild leben. Sie beweiden die wertvollen Salzwiesen, halten sie Busch- und Baumrfrei und erhalten so eines der wichtigsten Brutgebiete für die heimische Vogelwelt.

Ein Naturparadies an der Ostsee ist gerettet

Mit der Unterstützung von 369 Spendern und Spenderinnen sowie der guten Zusammenarbeit mit dem Nationalparkmanagement konnte Naturefund 108.750 m² kaufen (Stand August 2017) und dazu beitragen, dieses Naturparadies in der Ostsee zu bewahren. Einen großen Dank an alle, die uns geholfen haben, die heimische Artenvielfalt zu bewahren und Land für Säbelschnäbler & Co. langfristig zu schützen.

Hintergrund

Die Insel Kirr gehört zum Nationalpark Vorpommersche Boddenlandschaft und wird vom Nationalparkamt betreut. Das Nationalparkgebiet ist in zwei Schutzonen gegliedert: Zone I ist die Kernzone. Hier soll sich die Natur frei entfalten können, ohne menschlichen Einfluss.

In der Schutzzone II, der Pflege- und Entwicklungszone, wird durch gezielte Pflege- und Renaturierungsmaßnahmen die heimische Tier- und Pflanzenwelt erhalten und gefördert. Die Insel Kirr liegt in der Schutzzone II. Ein wesentlicher Schutzzweck des Nationalparkes ist es, die wichtigsten Wasser- und Watvogelbrutplätze an der deutschen Ostseeküste zu erhalten.

Durch den Kauf eines Teils der privaten Flächen auf der Insel, kann das Nationalparkamt nun die Wasser- und Watvogelbrutplätze besser schützen.

Besonderheit

In der sonst von Küstenschutz und Melioration stark veränderten Ostsee-Küstenlandschaft stellt das Überflutungsgrasland der Insel Kirr mit seinem intakten Prielsystem eine absolute Besonderheit dar.

Die Insel wird bei Hochwasser überflutet. Anders als an der Nordseeküste, tritt das Hochwasser nur auf, wenn starker Wind oder sogar Sturm aus östlichen oder nordöstlichen Richtungen das Wasser an die Küste „drückt“.

Im extremsten Fall treibt zunächst ein aus Westen kommendes Tief aus Richtung West oder Nordwest Wasser aus der Nordsee durch Skagerrak und Kattegat in das „Binnenmeer“ Ostsee. Zieht das Tief zur südlichen Ostsee und weiter bis nach Polen und dreht dann der Wind rasch auf Nord bis Nordost, dann „schwappt“ Wasser in der Ostsee wie in einer Badewanne zurück und läuft an der Küste Mecklenburg-Vorpommerns auf.

Tritt ein solches Hochwasser auf, überfluten die salzhaltigen Boddenwässer die Wiesen der Insel fast vollständig. Doch durch die Priele kann das Boddenwasser größtenteils wieder abfließen. Etwas Wasser bleibt jedoch immer in vielen Tümpeln stehen oder verdunstet in so genannten Salzpfannen oder Röten.

Die Insel Kirr wurde seit jeher als Viehweide genutzt. Über die Jahrhunderte entstanden im Zusammenspiel von Überflutungen und dem Tritt der Weidetiere, durch den Pflanzenreste unter Luftabschluss gerieten, einzigartige Küstenüberflutungsmoore auf der Insel.

Geschichte

Die  Bezeichnung „Kirr“ ist seit ca. 1696 geläufig und bedeutet „einen mit Sträuchern bzw. Büschen bewachsenen Ort“. Die Insel wird seit jeher als Viehweide genutzt.

Bereits seit 1336 – der Kirr gehörte zu der Zeit den Barther Bürgern und der Herrschaft Divitz – wurde ein Großteil des Gebiets als Weideland genutzt. 1823 verkaufte die Stadt Barth das Gehöft Klein Kirr, wo bis 1954 Landwirtschaft betrieben wurde.

Bis in die erste Hälfte des 20. Jhd. gab es auf dem Eiland zwei Bauernhöfe, von denen der eine nur noch als Ruine zu erkennen ist. Der andere befindet sich im Osten der Insel. Seit 1972 ist der Kirr offizielles Vogelschutzgebiet und ab 1990 Schutzzone II des Nationalparks.

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Insel Kirr in Mecklenburg-Vorpommern

Ziel: 108.750
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