Werkzeuge zum Managen der Ökosystemprozesse

Buffalos grasen auf einem Reisfeld bei Sonnenaufgang

Im Rahmen des Ganzheitlichen Weidemanagements gibt es verschiedene Werkzeuge, die zum Managen der Ökosystemprozesse und der Herde genutzt werden können. 

Technik - das am häufigsten verwendete Werkzeug

Die Technik, beispielsweise in Form von Maschinen oder der Digitalisierung, soll dabei helfen, die Menschheit auch in Zukunft ernähren zu können. Häufig wird Technik als einzige Lösung gesehen, wobei die durch Technik verursachten unerwünschten Nebenwirkungen auf unser Ökosystem dabei oftmals vernachlässigt werden. Bereits im Jahr 2010 wurde von Wissenschaftlern vorausgesagt, dass bei unserem derzeitigen Ressourcenverbrauch innerhalb der nächsten zwei Jahrhunderte das Weltall kolonialisiert werden müsste. So wäre die Erde bis dahin verbraucht und die Menschheit würde ansonsten aussterben. Ein zugegebenermaßen eher düsteres Szenario, jedoch kann nicht bestritten werden: Technik hat ihren Preis. Besonders dann, wenn sie angewandt wird, ohne sich ganzheitlich über ihre Auswirkungen Gedanken zu machen. Denn häufig wird Technik mit dem Ziel angewandt, die Natur beherrschen zu wollen; häufig werden schnelle Lösungen für ein Problem gesucht, ohne dass die Auswirkungen und Kosten bedacht werden, die das auf lange Sicht hat. Hier muss ein Umdenken stattfinden hin zu einer langfristigen Planung, bei der unerwünschte Nebenwirkungen mit einbezogen werden und weg von dem Suchen kurzfristiger Lösungen, die oftmals zu Lasten der Ökosysteme gehen.

Feuer

Das Abbrennen von Flächen wird häufig in dürren Gebieten durchgeführt, um abgestorbenes Gras zu entfernen. Der Effekt: Neues Gras kann nachwachsen. Im Ganzheitlichen Weidemanagement spielt Feuer als Werkzeug allerdings keine Rolle. Denn: Wird eine Fläche immer wieder abgebrannt, dann entwickeln sich auf dieser auch Pflanzen, die von dem Prozess des Abbrennens abhängig werden. So kann das Abbrennen auf der einen Seite zwar zu Artenreichtum führen, wird jedoch regelmäßig abgebrannt geschieht auf der anderen Seite genau das Gegenteil und die Arten in der Landschaft verarmen. Je länger Pflanzen zur Entwicklung brauchen, desto höher ist zudem der Schaden, den man mit Feuer anrichten kann.

Oft werden nur die kurzfristigen Erfolge beim Abbrennen gesehen, nicht aber die langfristigen Auswirkungen des Abbrennens auf die Ökosystemprozesse. So wird noch heute etwa die Hälfte der Weideflächen der Erde (750 Millionen Hektar) regelmäßig abgebrannt, was 3,7 Millionen Tonnen Kohlenstoff in die Atmosphäre freisetzt. Das ist beispielsweise dreimal mehr Kohlenstoff, als durch das Abbrennen von Wäldern freigesetzt wird. Zudem hat es negative Auswirkungen auf die Ökosystemprozesse, da beispielswiese mehr nackter Boden und größere Pflanzenabstände die Folgen des Abbrennens sind.

Erholung - das am meisten missverstandene Werkzeug

Böden unterliegen äußeren Einwirkungen, sei es durch Tiere, Maschinen oder Wetterereignisse wie Hagel oder Sturm. Ist ein Stück Land frei von allen äußeren Einwirkungen, dann spricht man von totaler Erholung. Diese kommt ursprünglich in der Natur nicht vor, da durch Tiere normalerweise immer Einwirkungen auf den Boden bestehen.

Das richtige Timing ist beim Werkzeug der Erholung ein wichtiger Faktor. So sollten Herdentiere nicht zu früh auf eine Weide zurückkehren, da dies zu Überweidung führen und der Boden zu stark zertrampelt werden kann. Eine zu lange Erholungsperiode kann jedoch auch negative Auswirkungen haben, insbesondere in dürren Gegenden. Denn in dürren Gebieten (8-10 auf der Skala) führt eine totale Erholung zu Wüstenbildung. In nicht-dürren Gegenden (1-3 auf der Skala) bleibt das System bei einer totalen Erholung hingegen stabil, die Vegetation wächst einfach weiter. Eine partielle Erholung, also eine teilweise Erholung von Flächen, führt ebenso wie die totale Erholung in dürren Gebieten zu Wüstenbildung, in nicht-dürren Gebieten führt sie zur Begrenzung des Potenzials einer Fläche. Denn: Graspflanzen wollen genutzt werden. Die richtige Zeitspanne zur Erholung ist also abhängig von der Dürre in der Gegend, dem Klima, der Jahreszeit sowie den Pflanzenarten. 

Lebende Organismen - das komplexeste Werkzeug

Es gibt eine ganze Reihe biologischer Lösungen auf Probleme, die wir in der Landwirtschaft haben: Artenreichtum statt Pestiziden; Anbausysteme, die mehrere Pflanzenarten vereinigen statt Monokulturen; Kompost statt synthetischen Dünger. Im Nachfolgenden werden einige Lösungen des Ganzheitlichen Weidemanagements vorgestellt. 

Tiereinwirkungen

Die Tiereinwirkungen umfassen alle Aspekte der direkten physischen Einwirkung, die Tiere auf eine Fläche haben. Dazu zählen die Abgabe von Kot, Urin und Speichel, das Reiben an Büschen oder Bäumen sowie das Trampeln und Graben. Besonders wichtig sind diese Einwirkungen in eher dürren Gegenden. So wird beispielsweise altes Pflanzenmaterial auf den Boden gebracht, wo es leichter verotten kann; Ernterückstände werden von den Tieren verarbeitet, die dann die Nährstoffe der Rückstände in Form von Kot und Urin wieder an den Boden abgeben. Tiereinwirkungen sind somit ein wichtiges Werkzeug, um dürre Gegenden wieder zu begrünen.

Besatzdichte und Herdeneffekt

Unter Besatzdichte versteht man die Anzahl an Tieren auf einer bestimmten Fläche in einem Moment. Je höher die Besatzdichte, desto natürlicher ist der Prozess und desto größer sind die Auswirkungen auf das Grasland. Der Herdeneffekt bezieht sich auf das Verhalten der Tiere: Ein große Herde, die sich ruhig fressend vorwärts bewegt, bewirkt keinen Herdeneffekt. Der Herdeneffekt wird in einer Notsituation sichtbar, wenn die Tiere aufgeregt sind. Erst dann wird der Boden und das Pflanzenwachstum beeinflusst. Auch kann er bei einer extrem großer Herdengröße von 2.500 bis 5.000 Tieren pro Hektar auftreten.

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