Die vier Schlüsselprinzipien des Ganzheitlichen Weidemanagements

Bisons laufen in Richtung der Kamera auf einer grünen Weide

Vier Schlüsselprinzipen helfen dabei zu verstehen, wie die Natur funktioniert. Sie sind die Grundlage des Ganz-heitlichen Weidemanagements.

1. Schlüsselprinzip: Die Natur funktioniert als Ganzes

Eine ganzheitliche Perspektive ist in der Landwirtschaft unabdingbar. Denn: Zur effektiven Verwaltung von Landressourcen, der Erhöhung der biologischen Vielfalt, der Steigerung der Produktion und der Erzielung höherer Gewinne können nicht Aspekte in einem Bereich geändert oder kontrolliert werden, ohne Auswirkungen auf einen anderen Bereich zu haben. Voraussetzung für ein effektives Management ist daher die Nutzung von symbiotischen Beziehungen in der Natur.

Allan Savory, der Begründer des Ganzheitlichen Weidemanagements, erklärt: „Die Welt ist nicht nur komplexer, als wir denken, sie ist auch komplexer, als wir es je verstehen können. Seit Jahrhunderten hat der Mensch versucht, Land mit geringem Erfolg zu bewirtschaften, weil Land an sich nicht zu managen ist. Das Land ist so eng mit der Kultur der Menschen und der Wirtschaft verbunden, dass alle drei Bereiche ganzheitlich verwaltet werden müssen.“

2. Schlüsselprinzip: Dürre beeinflusst die Wirkung der Managementwerkzeuge

Dürre wird im Ganzheitlichen Weidemanagement auf einer Skala von 1 bis 10 gemessen, wobei 1 für nicht dürr und 10 für sehr dürr steht. Die Aufteilung erfolgt anhand dessen, inwieweit Feuchtigkeit für wachsende Organismen zur Verfügung steht, wie gut Feuchtigkeit über das Jahr verteilt ist und wie schnell tote Vegetation verrottet. Die Gesamtniederschlagsmenge spielt dabei eine untergeordnete Rolle. Vielmehr wird betrachtet, wie gleichmäßig sich der Niederschlag auf das gesamte Jahr verteilt und wie konstant die Luftfeuchtigkeit im Laufe des Jahres an der Bodenoberfläche ist. Je länger und stabiler die Feuchtigkeitsperioden sind, desto weniger dürr ist die Landschaft. So kann man beispielsweise Regenwald auf der Dürreskala bei 1 einordnen, während Wüste bei 10 einzuordnen ist. Weltweit sind mehr als 60 % der Flächen mehr oder weniger dürr.

Abhängig vom Grad der Dürre reagieren Landschaften und der Boden aufgrund der Geschwindigkeit und Effektivität des Vegetationsabbaus unterschiedlich auf die gleichen Einflüsse. In nicht dürren Gegenden zersetzt sich die Vegetation schnell und wird biologisch abgebaut. An der Zersetzung sind in erster Linie kleine Organismen wie Schimmelpilze, Käfer, Insekten und Mikroben beteiligt, die alle im Freien bei nahezu konstanter Luftfeuchtigkeit überleben können. In dürren Umgebungen gestaltet sich der Zerfall der Vegetation hingegen langsamer und erfordert fast immer große Weidetiere, die die Zersetzung erleichtern. Die Weidetiere unterstützen den Abbau der toten Vegetation, indem sie durch Trampeln und die Abgabe von Kot das Pflanzenmaterial mit der Erdoberfläche in Verbindung bringen. Ohne die Anwesenheit großer Pflanzenfresser ist die bodenbildende biologische Zersetzung in dürren Gegenden minimal.

3. Schlüsselprinzip: Das Räuber-Beuteverhältnis spielt eine wichtige Rolle

Beim dritten Prinzip spielen die ursprünglichen Bewegungen riesiger wilder Herdentiere eine Rolle: War ein natürlicher Feind, also ein Raubtier, in der Nähe der Weidetiere, schlossen sich diese zu ihrem Schutz in einer Herde zusammen und flüchteten. Dabei zertrampelten sie sowohl die Pflanzen als auch den Boden. Dabei brach der Boden auf und die Samen der Pflanzen wurden auf diesem verteilt. Da Herdentiere bei Panik zudem vermehrt ausscheiden, wurde der Boden außerdem mit Kot und Urin bedeckt. Das Räuber-Beute-Verhalten führte also dazu, dass neue Gräser gepflanzt und gleichzeitig gedüngt wurden. Es hielt in trockenen Gegenden riesige Graslandschaften über Millionen von Jahren aufrecht. Das Räuber-Beuteverhältnis wurde jedoch vom Mensch, indem er den Räuber aus der Landschaft verdrängte, zerstört. Durch das Fehlen eines natürlichen Feinds entspannten sich die Herdentiere zunehmend und verteilten sich in der Landschaft. Sie haben somit nicht mehr den gleichen Einfluss auf den Boden und die Vegetation.

In dürren Landschaften spielen Herdentiere, die sich eng beisammen bewegen, eine große Rolle für die Aufrechterhaltung der Gesundheit von Weideflächen. Das Ganzheitliche Weidemangement macht sich deshalb das Räuber-Beuteverhältnis zu nutzen: Das Vieh wird so gemanagt, dass das ursprüngliche Fluchtverhalten der Tiere nachgeahmt wird. Das Ergebnis: Gesunde Weideflächen. 

4.  Schlüsselprinzip: Die Zeit ist entscheidend für das Beweiden

Wenn Tiere zu lang auf einer Weide stehen oder zu früh dorthin zurückkehren, werden die Flächen überweidet. Denn nach der Beweidung nutzen Pflanzen Energie aus ihren Wurzeln, um neue Blätter und Triebe zu produzieren. Wenn die Pflanzen wieder genügend Blattmasse für die Photosynthese produziert haben, können sie ihre Energiespeicher wieder auffüllen. Bleiben Tiere allerdings zu lang auf einer Weide und fressen Pflanzen ab, bevor diese ihre Energiespeicher wieder auffüllen können, werden die Speicher erschöpft und die Wurzeln bilden sich zurück: Die Pflanze wird überweidet. Gleiches gilt, wenn Tiere zu früh auf die Weide zurückkehren und Pflanzen fressen, bevor sich diese erholt haben. Eine Überweidung kann also nicht gleichzeitig auf einer gesamten Weiden stattfinden, sondern geschieht pflanzenweise. Sie hat demnach nichts mit der Anzahl an Tieren zu tun, die auf der Weide stehen, sondern ist abhängig vom Zeitraum, in dem die Tiere auf der Weide stehen.

Eine Pflanze wird dann überweidet, wenn:

  • ein Tier zu lange auf der Fläche bleibt und nachwachsendes Pflanzenmaterial erneut frisst;
  • ein Tier zu früh auf die bereits beweidete Fläche zurückkommt und die Energiespeicher der Pflanze noch nicht wieder aufgefüllt sind;
  • ein Tier nach einer Nicht-Wachstumszeit zu früh auf die Fläche kommt und die Pflanze abfrisst.

Erfahren Sie mehr zum nächsten Baustein des Ganzheitlichen Weidemanagements: Den Ökosystemprozessen

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