Insektizide

Auch Nicht-Zielorganismen sind betroffen

Insektizide werden als Fraß-, Kontakt- oder Atemgift gegen Insekten eingesetzt. Sie wirken meist über eine Störung des Nervensystems, einige greifen auch in den Entwicklungsvorgang bei Insekten ein.

Gefahr für uns Menschen

Insektizide werden als Fraß-, Kontakt- oder Atemgift verwendet, von Insekten sowie von Pflanzen aufgenommen und systematisch über diese verteilt. Sie rufen eine Störung des Nervensystems hervor, wenige greifen auch in den Entwicklungsvorgang von Insekten ein. Durch den Einsatz von Insektiziden werden auch Nichtzielorganismen, wie zum Beispiel viele Nützlinge und geschützte Arten, beeinträchtigt. Da die Nervensysteme von Mensch und Insekt einander sehr ähnlich sind, werden Insektizide als kritischste Wirkstoffgruppe für uns Menschen eingestuft. Sie können akut giftig, krebserregend, fortpflanzungsschädigend, nervengiftig oder hormonell wirksam sein. Schwangere und Kinder sind überdurchschnittlich gefährdet.  

Entwicklung der Insektizide

Organchloride waren die ersten synthetischen Insektizide. Zu ihnen zählt das bekannte Insektizid Dichlordiphenyltrichlorethan (DDT), welches seit 1940 als Kontakt- und Fraßgift eingesetzt wurde und Jahrzehntelang das meist verwendetet Insektizid weltweit war. Die Höchstmengen erreichten unter anderem 35 Kilogramm DDT pro Hektar. 65 Im Vergleich: Die verwendeten Mengen heutiger Insektizide liegen teilweise unter 100 Gramm pro Hektar. Nach jahrelangem Einsatz mehrten sich in den 1960er Jahren jedoch Berichte, DDT würde sich im Fettgewebe von Menschen und Tieren anreichern und möglicherweise Krebs auslösen. Daraufhin wurde es in den 1970ern dann in vielen Ländern verboten.

Der weltweite Umsatz von Insektiziden lag im Jahr 2018 bei etwa 8 Milliarden US-Dollar. 50% des Anteils entfällt auf Mittel gegen beißende und 30 % auf Mittel gegen saugende Insekten. Etwa 10% wird für Mittel gegen Milben eingesetzt. 64

Neonicotinoide

Neonicotinoide sind eine Gruppe von Wirkstoffen, die als Nervengift gegen Schadinsekten angewendet werden. Sie sind die meistverwendeten Insektizide weltweit und werden in der Landwirtschaft, dem Obstanbau, in der Veterinärmedizin und in Fischfarmen ausgebracht. Aufgrund der vielfältigen Nutzung und chemischen Eigenschaften findet man Neonicotinoide im Boden, im Wasser und in der Luft wieder. Ausgebracht werden sie als systemische Spritz-, Gieß- und Beizmittel. 67

Neonicotinoide werden in 120 Ländern bei 140 verschiedenen Kulturpflanzen eingesetzt. 71 Von 2003 bis 2009 haben sich die Verkäufe einiger Neonicotinoide verfünfzehnfacht. Damit wurde ein 2,6 Milliarden US-Dollar schwerer Absatzmarkt geschaffen mit einer Verbrauchsmenge von 20.000 Tonnen jährlich weltweit.  67,68,70

Weltweit gibt es sieben Neonicotinoid-Wirkstoffe:
•    Imidacloprid und Thiacloprid - entwickelt von Bayer CropScience, wobei die US-amerikanischen Umweltbehörde zweiteres als vermutlich krebserregend einstuft
•    Clothianidin - entwickelt von Bayer CropScience und Sumitomo
•    Nitenpyram - entwickelt von Sumitomo
•    Thiamethoxam - entwickelt von Syngenta
•    Acetamiprid - entwickelt von Nippon Soda
•    Dinotefuran - entwickelt von Mitsui Chemicals

Der giftige Stoff kommt auch in Lebensmitteln vor

Insektizide befinden sich, genauso wie Herbizide, mittlerweile in vielen Lebensmitteln. Ein gutes Beispiel ist Honig.69 Die Bienen kommen beim Sammeln des Nektars mit Pestiziden in Kontakt, wodurch der Honig später ebenso Pestizide beinhaltet. Ökotest hat sogar in Honig aus ökologischer Bienenhaltung das Neonicotinoid Thiacloprid gefunden. Bio-Imker müssen ihre Stöcke zwar so aufstellen, dass in einem Umkreis von drei Kilometern keine landwirtschaftliche oder nicht-landwirtschaftliche Verunreinigung zu erwarten ist, da Bienen aber mitunter bis zu sechs Kilometer weit fliegen, um Nektar zu sammeln, können weitere Felder bereits mit Insektiziden behandelt worden sein. Aufgrund der Schädlichkeit der Neonicotinoide für Bienen hat die EU-Kommission 2013 die Nutzung für drei von ihnen eingeschränkt: Clothianidin, Imidacloprid und Thiamethoxam. Nachgewiesen wurden Insektizide außerdem auch bereits in Gurken, Paprika, Gewürzen, Pfirsichen, Rucola, Salat, Tee und Tomaten.

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Studien zu Insektiziden

Autor: E. A. D. Mitchell et al. (2017)   Papel: Science

A worldwide survey of neonicotinoids in honey

Growing evidence for global pollinator decline is causing concern for biodiversity conservation and ecosystem services maintenance. Neonicotinoid pesticides have been identified or suspected as a key factor responsible for this decline.

Autor:
E. A. D. Mitchell et al.
Publicado:
2017
Papel:
Science
Páginas
109-111
Link/Pdf:
http://bit.ly/2ZqcCId
Autor: N. Simon-Delso et al. (2014)   Papel: Environmental Science and Pollution Research

Systemic insecticides (neonicotinoids and fipronil): trends, uses, mode of action and metabolites

Since their discovery in the late 1980s, neonicotinoid pesticides have become the most widely used class of insecticides worldwide, with large-scale applications ranging from plant protection (crops, vegetables, fruits), veterinary products, and biocides to invertebrate pest control in fish farming. As a result of their extensive use and physicochemical properties, these substances can be found in all environmental compartments including soil, water, and air.

Autor:
N. Simon-Delso et al.
Publicado:
2014
Papel:
Environmental Science and Pollution Research
Páginas
5-34
Link/Pdf:
http://bit.ly/2LveMwH
Autor: D. Goulson (2013)   Papel: Journal of Applied Ecology

An overview of the environmental risks posed by neonicotinoid insecticides

Neonicotinoids are now the most widely used insecticides in the world. It has recently emerged that neonicotinoids can persist and accumulate in soils. They are water soluble and prone to leaching into waterways. Being systemic, they are found in nectar and pollen of treated crops. The consumption of small numbers of dressed seeds offers a route to direct mortality in birds and mammals.

Autor:
D. Goulson
Publicado:
2013
Papel:
Journal of Applied Ecology
Páginas
977–987
Link/Pdf:
http://bit.ly/2Ztpxcs
Autor: C. H. Krupke et al. (2017)   Papel: Journal of Applied Ecology

Planting of neonicotinoid-treated maize poses risks for honey bees and other non-target organisms over a wide area without consistent crop yield benefit

Neonicotinoid insecticides are routinely used as seed treatments on most grain and oilseed crops, yet the extent and likelihood of spread of insecticide residues during planting has not previously been quantified. Based on locations of maize fields and apiaries in the state, the likelihood of neonicotinoid exposure for foraging honey bees is high. Other non-target organisms are also likely to encounter neonicotinoid residues.

Autor:
C. H. Krupke et al.
Publicado:
2017
Papel:
Journal of Applied Ecology
Páginas
1449–1458
Link/Pdf:
http://bit.ly/2Lg6Hf4
Autor: L. W. Pisa et al. (2014)   Papel: Environmental Science and Pollution Research

Effects of neonicotinoids and fipronil on non-target invertebrates

Neonicotinoid insecticides exhibit very high toxicity to a wide range of invertebrates, particularly insects. It can be said that existing levels of pollution with neonicotinoids and fipronil resulting from presently authorized uses frequently exceed the lowest observed adverse effect concentrations and are thus likely to have large-scale and wide ranging negative biological and ecological impacts on a wide range of non-target invertebrates in terrestrial, aquatic, marine and benthic habitats.

Autor:
L. W. Pisa et al.
Publicado:
2014
Papel:
Environmental Science and Pollution Research
Páginas
68-102
Link/Pdf:
http://bit.ly/2LldDYt

Unser täglich Gift

Die aufgeführten Daten und Fakten stützen sich auf das Buch "Unser täglich Gift" von Johann G. Zaller, Ökologe an der Wiener Universität für Bodenkultur sowie Experte der Österreichischen Biodiversitätskommission.

"Unser täglich Gift"

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