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Naturefund forstet in drei Ländern Europas wieder auf

Aufforstung in Bad Orb, Deutschland Foto: Stadt Bad Orb

Naturefund forstet nicht nur im Regenwald auf, sondern auch hier in Europa. Auf einer Fläche von insgesamt 90.000 Quadratmetern wurden in Deutschland, der Schweiz und Österreich gemeinsam mit Michelin ein naturnaher Wald wieder aufgeforstet.

Deutschland

Liebe Leserin, lieber Leser,

In Deutschland wurden 60.000 Quadratmeter mit 25.000 Rotbuchen im Stadtwald der hessischen Gemeinde Bad Orb aufgeforstet. Die genauen Standorte haben fachkundige Revierförster sowie die Arbeitsgemeinschaft Waldnaturschutz der Hessischen Gesellschaft für Ornithologie und Naturschutz (HGON) im Main-Kinzig-Kreis sorgfältig ausgewählt.

Stürme und Borkenkäfer hatten in der Vergangenheit zahlreiche Bäume in dem vorherrschenden monotonen Fichtenwald geschädigt. Zuletzt hatten Borkenkäfer dort mehr als 30 Hektar Wald vernichtet. Die erforderlichen Fäll- und Aufräumarbeiten hinterließen großflächige Lichtungen. Es bot sich die einmalige Chance, hier wieder einen naturnahen Buchenwald aufzuforsten. Buchen sind im Vergleich zu Fichten wesentlich widerstandsfähiger gegenüber Stürmen und Trockenphasen und damit auch gegen Angriffe des Borkenkäfers.

Die Rotbuche hat ein relativ begrenztes Verbreitungsgebiet. Es reicht von den höheren Zonen der Pyrenäen bis an die Ostseeküste, von Südengland bis zu den Karpaten. Herzstück des weltweiten Vorkommens der Rotbuche ist Deutschland. Die größten Buchenwaldvorkommen gibt es noch in den Mittelgebirgen mit einem Schwerpunkt in Hessen. Allerdings sind Buchen-Urwälder in Deutschland längst verschwunden.

Fichten sind im Spessart nicht heimisch. Auch sind sie deutlich weniger resistent gegen die zunehmende Trockenheit und Wärme. Von Natur aus würde auf den gewählten Standorten ein Buchenmischwald stehen, der im Vergleich zu einem monotonen Fichtenforst auch wesentlich widerstandsfähiger gegenüber Stürmen und Trockenphasen ist.

Darüber hinaus bieten Buchenwälder einer größeren Anzahl an Tier- und Pflanzenarten einen Lebensraum, wie zum Beispiel dem Grau- und Schwarzspecht, dem Großschmetterling Nagelfleck oder dem Waldbingelkraut, Pestwurz und Seidelbast.

Schweiz

In der Schweiz haben Michelin und Naturefund auf einem Höhenzug des Juragebirges im Berner Seeland, dem Jolimont, auf rund 10.000 Quadratmetern Eichen gepflanzt.

Im Winter 2007 hatte hier auf dem Gebiet der Burgergemeinde Erlach ein heftiger Sturm gewütet. Auf der Bergkuppe wurden viele große Bäume entwurzelt, Äste und mitunter sogar ganze Baumkronen einfach abgerissen. Vor dem Sturm bestand der Wald aus Fichten und Douglasien. Von Natur aus würde hier jedoch ein Eichen-Hainbuchenwald stehen.

Im März 2008 wurden hier daher junge Eichen gepflanzt. Das Frühjahr wie auch der Herbst und mitunter sogar der Winter, wenn der Boden nicht gefroren ist, sind die besten Zeiten für Aufforstungen. Der Boden ist dann feucht genug, damit die jungen Pflanzen ihre Wurzeln in der Erde verankern und anwachsen können.

Eichen breiten sich heutzutage fast kaum auf natürliche Art aus, denn junge Eichensetzlinge sind eine Lieblingsnahrung des Rehwildes. Deshalb wurde die Fläche eingezäunt, denn der Zaun schützt die jungen Eichen vor dem Verbiss durch Rehwild. Eichen kommen relativ gut mit trockenem und warmen Klima zurecht. Damit sind sie für die mögliche Erwärmung gut gerüstet.

Österreich

Mit Unterstützung der Baumpaten haben Michelin und Naturefund in Niederösterreich auf rund 17.000 Quadratmetern ein ganz besonderes Aufforstungsprojekt gestartet. Nahe der Stadt Mistelbach wurden gemeinsam mit dem österreichischen Bundesforschungszentrum für Wald und der Stiftung Fürst Liechtenstein der in Österreich fast ausgestorbene Speyerling, ein Wildfruchtbaum, die kaum noch in der Wildnis vorkommene Eibe sowie heimische Stiel- und Traubeneichen angepflanzt.

Den Aufwuchs der jungen Bäume werden in dem kommenden Jahren Wissenschaftler des Bundesforschungszentrums begleiten. Diese Bäume sollen langfristig Samen für weitere Aufforstungen liefern, damit sich auch an anderen Orten in Österreich diese seltenen Baumarten wieder ausbreiten können.

Dabei haben die Forscher auch den Klimawandel im Blick und die besondere Lage von Niederösterreich. Im Weinviertel, etwa 50 Kilometer nördlich von Wien gelegen, herrscht kontinentales Klima vor. Die Sommer sind warm und trocken, die Winter kalt und lang. Eichen können die zunehmende Trockenheit wesentlich besser überstehen als zum Beispiel Buchen.

Stiel- und Traubeneichen sind grundsätzlich nicht selten. Doch ursprüngliche, echte österreichische Eichenbestände gibt es nur noch vereinzelt. Von diesen wenigen, manchmal nur ein Hektar großen alten Eichenwäldern in Österreich stammen die Setzlinge, die hier angepflanzt werden. Sie sollen langfristig die Grundlage dafür schaffen, dass sich die einheimischen Eichenarten wieder vermehrt ausbreiten können. Die lichten Eichenwälder bieten zudem Lebensraum für viele heimische Tierarten wie Ringelnatter oder Fransenfledermaus, aber auch Tagfaltern wie der Braune Eichenzipfelfalter oder der seltene Mittelspecht.

Der seltene Speyerling ist ein Wildobstbaum aus der Familie der Rosengewächse. Er kann im Wald Höhen von über 30 Metern und ein Alter von bis zu 600 Jahren erreichen. Seine großen birnen- bis apfelförmigen Früchte sind im überreifen Zustand essbar. Der gerbstoffreiche Saft der unreifen Früchte wird manchmal in geringen Mengen dem Apfelwein zugefügt.

Eiben sind sehr langsam wachsende, immergrüne Sträucher oder kleine bis mittelgroße Bäume, die über 1.000 Jahre alt werden können. Das Holz der Eibe ist äußert hart und gleichzeitig biegsam. Da Eiben sehr langsam wachsen, wurden in der Vergangenheit mehr Eiben eingeschlagen als nachwachsen konnten. Deshalb sind heutzutage Eiben fast nur noch in Parks und kaum noch in der freien Natur anzutreffen.

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