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Bolivien in Bewegung

Auf den Straßen Boliviens
Photo: Naturefund

Die Ereignisse überschlagen sich. Am Freitag Abend begann die Polizei sich auf die Seite der Demonstranten zu stellen. Damit war dem Präsidenten Evo Morales eine wichtige Säule des Staates weggebrochen.

Proteste gingen weiter

Obwohl die Menschen auch von den Bloqueos, den Straßensperren, genervt waren und es für viele bedeutete, dass sie keine Einnahmen hatten, harrten Alt wie Jung an ihrem Posten aus und legten den Verkehr lahm. Samstag überschlugen sich dann die Ereignisse. Die Wahlkommission, die Organización de Estados Americanos (OEA), welche die Wahl am 20. Oktober überprüfte, kam zu dem Ergebnisse, das es massive Unregelmäßigkeiten gegeben hat und empfahl Neuwahlen.

Daraufhin reisten aus allen Landesteilen Menschen nach La Paz in die Hauptstadt und zum Regierungssitz. Aber auch in allen anderen Städten waren die Menschen auf den Straßen. In der Nacht zum Sonntag wurde dann ein Fernsender und ein Radio von Zivilisten gestürmt, beides Medienanstalten, die fast nur positiv über Evo berichtetet hatten. Als die gut 100 Journalisten und Journalistinnen das Gebäude verließen, wurden sie ausgebuht, mehr geschah nicht.

Friedlicher Widerstand

Überhaupt habe ich den Widerstand der Bevölkerung als friedlich erlebt. Ich hatte nie Angst auf den Straßen, es war keine aggressive Stimmung, die Menschen war freundlich, lächelten, sagten meist ja, wenn ich fragte, ob ich ein Foto machen kann, und fast immer sagten sie „Wir wollen keine Diktatur, wir wollen Demokratie!“ und „Evo muss gehen.“ Und sie blieben bei ihren selbstgebastelten Straßensperren, harrten in der Sonne, im Regen und oft auch nachts aus.

Neuwahlen ausgerufen

Sonntagmorgen kamen die ersten Nachrichten: Evo Morales beugt sich dem Urteil der Wahlkommission und ruft Neuwahlen aus. Ein erster wichtiger Schritt. Als ich dann nachmittags auf die Straßen ging, waren die Bloqueos immer noch da. Ich sprach eine Frau an und sie erzählte mir, dass sie solange bei der Straßensperre bleibt, bis Evo zurücktritt. Als ich weiterging fuhren auf einmal 100 Motorräder oder mehr mit lautem Gedonner an mir vorbei und die Leute an den Straßen klatschten. Wieder sprach ich eine Frau an und erfuhr von ihr, dass die Fahrer zu einem Platz fahren, wo die Lager von Gegner und Befürwortern von Evo gerade einander gegenüberstehen und sich die Motorräder einfach zwischen die beiden Gruppen stellen werden, um Gewalttätigkeiten zu verhindern.

Als ich dann im Café war, erlebte ich die einzige aggressive Situation. Ein Mann stritt sich mit einer Gruppe von älteren Damen, worüber weiß ich nicht, aber eine ältere Damen war so erbost, dass sie seinen Kaffee auf seinen Stuhl auskippte. Gleich schlagen sie sich, dachte ich, aber sie beruhigten sich, nur eine erlitt einen epileptischen Anfall, die Stimmung war einfach angespannt, die Nerven lagen bloß. Dann kam im Fernseher die Nachricht, dass Evo mit seinem Flugzeug La Paz verlässt. Alle klatschten.

Die friedliche Revolution hat Erfolg

Auf dem Weg zurück zum Hotel geschah es dann, ich war allein in einer Nebenstraße, auf einmal knallte es überall von Feuerwerk, in der Stadt, auf dem Berghängen, es hörte überhaupt nicht mehr auf. Ich stand einen Augenblick still da, ließ es nur auf mich wirken und wusste auf einmal, Evo war zurückgetreten. Tränen kamen mir, ich war einfach berührt, eine friedliche Revolution hat einen Präsidenten, der nicht gehen wollte, zum Rücktritt gezwungen.

Ich ging zurück auf die großen Straßen, von überall her strömten die Menschen, zogen zu den großen Plätzen, hatten Fahnen in den Händen und lachten. Die Stimmung war ausgelassen und wunderbar. Am 9. November 1989 war ich nicht an der Berliner Mauer, doch ein wenig kommt mir der 10. November 2019 in Bolivien vor, wie der Mauerfall in Deutschland.

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