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Sechster Kongress des Agroforstnetzwerkes ECOSAF

Ende Dezember 2019 fand der sechste Agroforst Kongress in der bolivianischen Stadt Cochabamba statt, der von Naturefund gemeinsam mit anderen Organisationen unterstützt wurde. Die rund 200 Teilnehmer interessierten sich vor allem für ein Thema: Wie kann man die dynamische Landwirtschaftsmethode Agroforst nutzen, um das durch die Waldbrände geschädigte Tiefland möglichst schnell und nachhaltig aufzuforsten?

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Nachdem sich im Dezember 2019 die politische Lage in Bolivien ein wenig gelegt hatte, wurde alles daran gesetzt den Agroforst Kongress in Cochabamba noch Ende des Jahres stattfinden zu lassen. Dynamischer Agroforst ist die Kombination aus Landwirtschaft und Forstwirtschaft, eine naturnahe und ressourcenschonende Anbautechnik, in der Synergieffekte zwischen verschiedenen Pflanzenarten genutzt werden. Die boliviansiche Organsisation ECOSAF - Espacio Compartido en Sistemas AgroForestales – ECOSAF ein Agroforst-Netzwerk, das aus Deutschland von SCHEUNE e.V. und von uns unterstützt wurde, organisierte die Konferenz.

Die Nachfrage war groß! Denn die Agroforstmethode bildet eine effektive Maßnahme zur Aufforstung. Kurz nach den starken Waldbänden, bei denen über fünf Millionen Hektar Wald des bolivianischen Tieflands verbrannt sind, war Aufforstung ein hochaktuelles Thema. Rund 200 Teilnehmende kamen zum Kongress. Der Beitrag des Imkers Pablo Astorga über das Imkern als Förderung der Wiederaufforstung stand im Mittelpunkt des Kongresses. Weitere Möglichkeiten einer schnelle Wiederaufforstung, aber auch die Resultate einer Studie des Agraingenieurs Maurico Azero über die Unterschiede der Agroforstsysteme in den Regenwald- und Trockenregionen waren weitere wichtige Themen.

Die Agroforst-Studie wurde bereits im September 2019 mit dem Preis des in Bolivien für Forschung zuständigen Ministeriums ausgezeichnet. Herausragende Ergebnisse sind zum Beispiel die Diversität der Kohlenstoffspeicherung. Agroforstsysteme in Trockenregionen sind eine wirkungsvollere Kohlenstoffsenke als Agroforstsysteme in Regenwaldregionen, da Agroforstsysteme in den humiden Tropen Kohlenstoff überwiegend in ihren Kronen speichern während Agroforstsysteme in semiariden Zonen wie den Andentälern, Kohlenstoff vor allem über das große Wurzelwerk im Boden speichern. Dadurch ist das CO2 hier eher der Rückführung in die Atmosphäre entzogen. Ein weitere Ergebnis ist, dass bei Agroforstparzellen, in der die Bäume in Reihen gepflanzt sind, der Bodenhumus im Bereich der Baumreihen höher als auf den Ackerflächen dazwischen ist. Generell verbessern sich aber auf der gesamten Fläche die Bodenparameter (erhöhter Humusgehalt, erhöhte Bodenfruchtbarkeit und hohe Bodenwasserspeicherfähigkeit) stetig. Interessant ist auch die Erkenntnis, dass in einer Baumreihe, in der in einem Abstand von 1,0 bis 1,5 Meter abwechselnd verschiedene Arten von Obstgehölzen und Begleitbaumarten gepflanzt sind, keine Konkurrenz messbar ist, wohl aber bei derselben Anordnung von nur Obstgehölzen der gleichen Art. Logisch, denn gleiche Arten haben den gleichen Nährstoffbedarf und stehen deshalb zur Nachbarpflanze in Konkurrenz, während verschiedene Arten den Boden unterschiedlich nutzen oder sich sogar durch ihre Symbionten gegenseitig bereichern.

Die Besichtigung verschiedener Agroforstsysteme stand ebenfalls auf dem Plan, darunter auch das in dieser Region erste Agroforst-Feld, welches mit einem Traktor befahrbar ist. Avocado-Bäume, Zitronenbäume und neun verschiedene Arten von Begleitbäumen stehen der Höhenlinie gemäß in der Reihe, dazwischen liegt ein fünf Meter breiter Streifen auf dem Futtergetreide angebaut wird. Die ökonomischen Daten machen eine solche Anbaumethode, die sich ab dem dritten Jahr rentiert und gleichzeitig den Boden restauriert, auch für größere landwirtschaftliche Betriebe interessant.

Am Vormittag des Folgetages gab es vier Themenbereiche mit Inputvorträgen und Austausch: Imkerei, Agroforstsysteme in den humiden Tropen, die Praxis von Agroforstsysteme in der Andenregion und wissenschaftliche Studien über Agroforstsysteme in den Anden. Die Ergebnisse dieser runden Tische wurden zum Inhalt einer Verkündigung, die am Nachmittag dem abschließenden Plenum vorgestellt wurde. Darin finden sich als zentraler Punkt die Aufforderung an die verschiedenen Regierungsebenen angesichts des Klimawandels Agroforst zu fördern, um die Nahrungsmittelsicherheit zu gewährleisten. Zudem sollten die Umweltdienstleistungen der Agroforstsysteme anerkannt werden. In Frankreich zum Beispiel werden Agroforstsysteme bestehend aus einem Getreidefeld mit Wertholz-Baumreihen deshalb gefördert, weil Messungen erwiesen haben, dass die Bäume mit ihrem Wurzelbalg unterhalb der Getreidewurzeln die Ausschwemmung von Stickstoffdünger auffangen und somit die Nitrat-Kontaminierung des Grundwassers mindern.

Die Rahmenbedingungen müssen stimmen, damit die Bauern - Groß und Klein - sich auf Agroforst einlassen. Denn auch wenn die Parzellen mit dem Traktor befahrbar sind, so gibt es noch genug Handarbeit bei Baumschnitt und Ernte. Besonders arbeitsintensiv sind die artenreichen und dicht bepflanzten dynamischen Agroforstsysteme, wobei gerade diese einen total ausgelaugten Boden in wenigen Jahren gesunden lassen; ein weiteres Ergebnis der oben genannten Studie.

Nachhaltigkeit bedeutet unter anderem den nachfolgenden Generationen fruchtbare Böden zu hinterlassen und damit Nahrungssicherheit und Wasserverfügbarkeit zu gewährleisten, ganz abgesehen von der Biodiversität der Flora und Fauna.

Zum Abschluss des Agroforstkongresses reichten alle Teilnehmenden ihren Nachbarn die Hand und bildeten eine lange Friedenskette. Ein sehr emotionaler Moment der gleichzeitig die gemeinsame Stärke spüren ließ. Das Motto: „Gemeinsam sind wir stark“ gilt genauso für den Acker wie für die Gesellschaft. Nach den Unruhen in Bolivien war dieser Agroforstkongress ein Lichtblick für eine kooperierende, sich auf Augenhöhe austauschende, diversitätsreiche Zivilgesellschaft, die gemeinsame Anstrengungen unternimmt für ein Gutes Leben heute und in Zukunft.

Etwa eine Woche nach dem Kongress hat das Fernsehen der Universidad Mayor de San Simón in Cochabamba ein Interview mit José Sánchez Ponce, dem Koordinator des ECOSAF-Netzwerkes und der Autorin dieses Berichtes aufgezeichnet. Hier 

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