· Wiesbadener Kurier

Sie kauft Land am Computer

Luftbild von den Fläche Foto: NABU Wildeck-Obersuhl

Jugendideal Naturschutz: Wovon sie als 13-Jährige träumte, verwirklicht Katja Wiese jetzt mit 37. Die Wiesbadenerin baute seit April 2003 den Verein Naturefund auf, der seit Mai 2004 Land kauft, um es unter Naturschutz zu stellen.

Kindheitheitstraum

"Wenn ich groß bin, kaufe ich Land für Natur", schwört die Hamburger Kapitänstochter, als sie die öden Wiesen Nordfrieslands sieht und erfährt: "Da waren früher große Sümpfe, die trockengelegt wurden." Nach dem Abitur bereist Katja Wiese zwei Jahre Südafrika, China und Frankreich. Sie studiert Wirtschaft und Politik. 1998 gibt sie ihre Stelle beim NDR auf, um für den World Wildlife Fund Firmen zu betreuen. Eine mit Sitz in Wiesbaden wirbt sie ab. Sie zieht hierher, berät Unternehmen zu Marketing, Kommunikation und neuen Medien. Jetzt hat sie den Sprung in die Selbstständigkeit gewagt.

Das berufliche Know-how nutzt sie für Naturefund. "Bis 2020 sollen in jedem Land der Erde zehn Prozent der Fläche unter Naturschutz stehen", erklärt Wiese ihre Vision. Damit stößt sie bei Naturschutzorganisationen auf Widerhall. Das mittlerweile von aktiven und 30 Förder-Mitgliedern getragene Projekt deckt sich mit der Flora-Fauna-Habitat-Richtlinie der EU. Sie fordert die EU-Länder auf, bis 2008 zehn Prozent ihrer Fläche unter Naturschutz zu stellen.

Effektiver Landkauf

"Naturefund konzentriere sich auf Landkauf, da sich so schnell, wirkungsvoll und langfristig günstig Lebensräume für Pflanzen und Tiere sichern lassen", betont Wiese und erläutert das Konzept. Über den Verein kann jeder Land kaufen, das der Naturschutzbund NABU als neuer Besitzer betreuen wird. Konkret geht es um die Werra-Auen: 65.000 Quadratmeter Sumpfwald und 15.000 Feuchtwiesen und Teichen. Das Areal gehört der Thüringer Nachbargemeinde und lag deshalb 40 Jahre lang brach. Für Zugvögel Drehpunkt vor den Alpen, beherbergt es gut 230 Vogelarten, darunter eine ganze Graureiher-Kolonie sowie Hunderte weitere teils gefährdete Tier- und Pflanzenarten.

"Man denkt, so was gibt es nur in Afrika oder Asien", schwärmt Wiese von dem Paradies. Dass Naturefund nur bis Mai Vorkaufsrecht hat, sorgt sie nicht. 70.000 € muss der Verein für die acht Hektar sammeln, die er in rund 2.500 Parzellen eingeteilt hat. "87 sind bereits gekauft, weitere 150 gebucht", freut sich Wiese – und das Telefon in ihrem Büro klingelt ständig. Ein Quadratmeter kostet 1 €, rund 20 Cent decken alle Organisationskosten ab. Pate wird man ab 30 € und kann dann auch über das Landstück virtuell im Internet fliegen.

"Sollte der NABU das Gebiet jemals verkaufen, erhält Naturefunddas gesamte Geld verzinst für ein neues Projekt zurück", betont Wiese. Künftig ist auch geplant, in anderen Ländern Land zu kaufen. "Wir investieren nur dort, wo eine Naturschutzorganisation die Betreuung übernimmt, die politische Lage stabil und die Bevölkerung einverstanden ist."

Mehr über das Sumpfwald-Projekt

Bilder vom Sumpfwald

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