· Naturefund Stellungnahme

Stellungnahme: Fragwürdige Zahlen, fahrlässige Strategie

von Misteln befallener Baum
Foto: Naturefund

Stellungnahme von Naturefund zum Sachstandsbericht von Roland Beek, Leiter des Grünflächenamtes, zum Thema Mistelbefall an Stadtbäumen, dargestellt im Wiesbadener Kurier vom 03.02.2020

Der Bericht von Roland Beek, vom Grünflächenamt Wiesbaden, zum Mistelbefall in Wiesbaden scheint in unseren Augen fragwürdig. Auch die von ihm genannten Zahlen betrachten wir mit Skepsis. Bereits im Januar 2019 hat Herr Beek bei einer öffentlichen Anfrage im Umweltausschuss Zahlen genannt, die nachweislich falsch waren: Vor einem Jahr behauptete er, dass nur 300 Stadtbäume in Wiesbaden von Misteln befallen wären. Eine darauffolgende Kartierung von Naturefund auf weniger als 5% der Wiesbadener Stadtfläche kam auf knapp 400 sichtbar infizierte Bäumen, darunter mehr als 250 Stadtbäume. Der Mistelbefall war also deutlich höher als von Herrn Beek angegeben. Die Ergebnisse der Kartierung sind transparent öffentlich zugänglich unter: www.naturefund.de/misteln-wiesbaden

Wenn Herr Beek jetzt behauptet, von den 2019 gefällten 465 Bäumen sei keiner aufgrund von Mistelbefall gefällt worden, sind wir selbstverständlich skeptisch. Wir fragen uns z.B., wie er die drei Bäume auf dem sehr kleinen Areal am Warmen Damm deklariert, die voller Misteln waren, abstarben und in den letzten Jahren gefällt wurden. Vielleicht sind diese Bäume in seiner Statistik an Altersschwäche gestorben? 

Natürlich stehen Stadtbäume unter vielfältigem Stress wie Trockenheit, Autoabgasen, verdichtetem Boden, Streusalzen im Winter und vielem mehr. Von diesen Stressfaktoren kann allerdings der Befall durch Misteln meistens am einfachsten und auch kostengünstigsten beseitigt werden. Alles andere, inklusive Nachpflanzungen, ist teurer und kostet Steuergelder. 

Herrn Beeks Behauptung, es mache keinen Sinn, die Misteln zu entfernen, müssen wir deutlich widersprechen. Jeder Bauer weiß, dass er Misteln entfernen muss, um seine anderen Bäume zu schützen, ganz gleich, ob es sich um Apfelbäume handelt oder andere. Tut er das nicht, so kann eine ausgereifte Mistel mit ihren weißen Beeren hunderte weitere Bäume in ihrer Umgebung anstecken – und das jedes Jahr. Die Inkubationszeit ist langsam und zuerst sind die kleinen Misteln kaum zu sehen. Doch sie verschwinden nicht, sondern wachsen und verbreiten sich weiter. 

Seit Anfang 2017 weisen Naturschutzorganisationen die Stadt Wiesbaden daraufhin, dass sich die Mistel im Wiesbadener Stadtgebiet stark ausbreitet. Doch die Stadt Wiesbaden hat seitdem nichts getan. So wurden allein in den letzten drei Jahren tausende neue Bäume infiziert, darunter auch Bäume von Privateigentümern. Es ist kaum anzunehmen, dass diese die Strategie des Grünflächenamtes Wiesbaden befürworten.

Dass der Umgang mit Misteln auch anders geht, zeigt z.B. die Stadt Mainz. Wer auf die andere Rheinseite fährt, sieht kaum Misteln. Auf die Frage, warum so wenig Misteln in Mainz zu sehen sind, erhielt Naturefund vom Umwelt- und Grünflächenamt Mainz die Antwort: „Wenn wir Misteln in Bäumen sehen, schneiden wir diese natürlich heraus.“

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