· Susanne und Stefan Haas

Natur- und Bärenschutz „zum Anfassen“ – ein Erfahrungsbericht

Susanne und Stefan Haas im kantabrischen Gebirge.

Im Frühjahr 2016 haben wir uns für drei Monate beruflich freistellen lassen und eine längere Reise nach Spanien unternommen, um das Land, die Leute und die Sprache kennenzulernen. Ein Wunsch war es auch, uns im Rahmen einer Freiwilligenarbeit für ein Projekt im Natur- und Umweltschutz zu engagieren.

Auf der Website von Naturefund sind wir Anfang 2016 auf ein für uns sehr interessantes Projekt in Asturien gestoßen. Interessant war das Projekt, da es den Schutz der Wildtiere - vor allem der gefährdeten kantabrischen Braunbären - mit der Arbeit zum Erhalt der Wälder und Obstwiesen in der Region verbindet. Wir haben uns sehr gefreut, dass Frau Wiese ihre Kontakte zum Projektpartner FAPAS in Asturien genutzt und uns damit die Möglichkeit gegeben hat, unmittelbar mit FAPAS in Kontakt zu treten. Auch die Kollegen von FAPAS haben sehr schnell und unmittelbar auf unsere E-Mails reagiert. Für Anfang Juni waren wir dann verabredet: in einem sehr kleinen Dorf in einem Tal in der Nähe von Oviedo. Es war toll, während unserer Reise durch Spanien zu wissen, dass wir zum Ende hin die Möglichkeit haben werden, die erworbenen Spanisch-Kenntnisse praktisch anzuwenden und uns bei der Arbeit im Projekt nützlich zu machen.

FAPAS ist eine Organisation, die seit vielen Jahren vielfältige Projekte und Maßnahmen zum Schutz der Natur und der Wildtiere im Norden Spaniens durchführt. Ein ganz wichtiger Punkt ist dabei u. a. der Erwerb von Land, das Pflanzen von Obstbäumen und das Aufstellen von Bienenstöcken. Wie in den ländlichen Regionen in Deutschland ist es auch in Asturien üblich, dass die Menschen in die Städte ziehen und damit die auch für die Wildtiere wichtigen Kulturlandschaften nicht mehr gepflegt werden und verloren gehen. Die unmittelbar sichtbaren Aktivitäten und Projekte von FAPAS werden begleitet von Maßnahmen zur Information der Öffentlichkeit, Gesprächen mit Politikern und den Behörden vor Ort sowie vieles anderes mehr. Z. B. ist es ganz offensichtlich sehr wirksam, in den Cafés und Bars in den Brennpunktgebieten der Wilderei die Information über versteckte Fotokameras im Wald zu streuen, obwohl diese natürlich nicht zur Überführung von Wilderern, sondern zu Abschätzung der Bestände an Wildtieren dienen. Die auf der Website von Naturefund vorhandene Projektbeschreibung gibt einen guten Überblick über die unmittelbaren Aktivitäten und die Hintergründe der Arbeit im Projekt „Früchte für die Bären“.

Auch unsere Arbeit und die gemachten Erfahrungen waren sehr vielfältig. Der Schwerpunkt war ganz klar die Unterstützung der FAPAS-Kollegen bei der von Naturefund finanzierten Aufforstung mit Bäumen, die den Bären Nahrung bieten. Im Juni bedeutet dies vor allem, dass die im Verlauf des Winters und im Frühjahr gepflanzten jungen Bäume gegen Fraß durch Ziegen, Gämsen sowie frei laufende Kühe und Pferde geschützt werden müssen.

Wir haben einige Tage am Steilhang verbracht und uns natürlich gefragt, ob das überhaupt das richtige Terrain für eine Aufforstung ist. Aber wir konnten aus den Gesprächen mit den Kollegen von FAPAS lernen, dass das für uns Menschen eher schwierige bis unzugängliche Gelände für die Bären kein Problem darstellt – im Gegenteil. Zusätzlich haben wir an Exkursionen mit den FAPAS-Mitarbeitern teilgenommen, u. a. zur Kontrolle neu aufgestellter Bienenstöcke auf den FAPAS-eigenen oder angemieteten Flächen auf inzwischen verlassenen Fincas in den Bergen. Dabei haben wir auch die Flächen aufgesucht, die in den vergangenen Monaten und Jahren von FAPAS in Zusammenarbeit mit anderen Partnern aufgeforstet worden sind. Wir haben dabei sehr viel darüber gelernt, wie sich der Waldbestand und die Vegetation in Asturien über die Jahrhunderte hinweg und in den letzten Jahrzehnen verändert hat und warum eine Aufforstung auf den von Erosion betroffenen Berghängen nicht ohne weiteres möglich ist. Ohne geeignete Fahrzeuge (und geeignete Fahrer) ist es vollkommen unmöglich, sich in den Bergen sicher an die Orte zu bewegen, an denen die Bienenstöcke stehen und die Arbeit beim Aufforsten bedeutet manchmal auch, das Material zu Fuß an die benötigten Orte zu bringen. Aber die Präsenz in den abgelegenen Gebieten hat auch den guten Nebeneffekt, dass Wilderer sich nicht sicher sein können, unentdeckt zu bleiben.

Ein Höhepunkt bei unserem Aufenthalt bei FAPAS war ganz klar die Exkursion, bei der wir einen FAPAS-Mitarbeiter bei einer Tour zur Kontrolle und Wartung der Foto-Fallen in den Wäldern begleiten konnten. Hier geht nichts mehr mit einem Fahrzeug, sondern hier geht es zu Fuß in die Täler und auf die Berge. Es war schon etwas Kondition notwendig (und gutes Schuhwerk), denn die Tour führte auch durch Bachbetten und durch unwegsames Gelände die steilen Hänge hinauf. Aber immer wieder konnte man bei einer Rast die herrliche Bergwelt in Asturien genießen. Bei den Touren werden nicht nur die Fotokameras untersucht, die Chipkarten kontrolliert und getauscht, sondern auch andere Spuren der Bären gesucht und dokumentiert. U. a. haben wir gemeinsam mit dem FAPAS-Kollegen eine ganz frische Spur auf den Wegen und an einem Baum entdecken können, den ein männlicher Bär zur Markierung seines Reviers genutzt hat.

Und was uns dann - fast am Ende unserer Zeit bei FAPAS - total begeistert hat: direkt oberhalb des bewohnten Tals an einem Berghang gegenüber der FAPAS-Baumschule konnte wir einen Bär mit eigenen Augen (und natürlich noch viel besser mit einem Fernrohr) beobachten. Ein fantastisches Erlebnis, das den gemachten Erfahrungen noch einen weiteren Höhepunkt hinzufügt. Die Erfolge der Arbeit von FAPAS in Asturien sind - wie vielfach beschrieben und auch auf der Website von FAPAS, Naturefund und anderen Projektpartnern dokumentiert - sichtbar und nachhaltig. Wir haben einen sehr guten Eindruck bekommen, warum die Vielzahl der Maßnahmen zum Schutz der Wildtiere in Asturien erforderlich ist und wie die verschiedenen Projekte und Aufgaben miteinander in Verbindung stehen bzw. wie sich diese ergänzen. Allerdings ist eine Unterstützung von FAPAS weiterhin erforderlich, da die Arbeit teilweise auch in der Kritik der Bevölkerung steht. Wir haben in dem kleinen Ort Proaza gewohnt und an den Abenden durchaus den Eindruck gewonnen, dass über die Arbeit von FAPAS in den Cafés und Bars diskutiert wird. Natürlich haben wir mit unseren noch nicht so sehr ausgeprägten Sprachkenntnissen die konkreten Inhalte der Diskussionen nicht vollständig verstehen können aber doch gemerkt, dass man - nachdem man uns „Exoten aus Deutschland“ mit der Arbeit von FAPAS in Verbindung bringen konnte - über die Arbeit und die Ergebnisse der Arbeit von FAPAS diskutiert wurde. Nicht allen Bewohnern scheint es recht zu sein, dass sich neben dem Braunbär auch der Wolf wieder ausbreitet. Eine Diskussion die in den Regionen, in denen Menschen und Wildtiere so eng zusammen leben, verständlich ist und auch in Deutschland sicherlich künftig noch häufiger geführt werden wird. Hoffentlich!

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