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Küstenvögel und Salzgrasland

Uferschnepfe Foto: Dietmar Nill

Es sind solche Refugien wie die Insel Kirr, auf denen Watvögel wie Rotschenkel, Uferschnepfe, Säbelschnäbler, Austernfischer, Kiebitz und Co. bevorzugt ihrem Brutgeschäft nachgehen können.

Uferschnepfe und Co. auf dem Kirr

Im Wissen um die Bedeutung dieses einzigartigen Lebensraums für die Küstenvögel unternahmen engagierte Ornithologen bereits Anfang des vergangenen Jahrhunderts intensive Schutzanstrengungen.

Als Küstenvogelbrutgebiet ist die Insel seit 1972 offizielles Vogelschutzgebiet und seit 1990 ist sie Pflege- und Entwicklungszone des Nationalparks. Ihr kommt außerdem der Status als EU-Vogelschutzgebiet und als Feuchtgebiet internationaler Bedeutung (RAMSAR-Konvention) zu. Der Erhalt der Salzweiden und eines der wichtigsten Wasser- und Watvogelbrutgebiete an der deutschen Ostseeküste ist auch in Zukunft Aufgabe des Nationalparkamtes.

Salzgrasland – die Tundra unter den Lebensräumen

In der sonst von Küstenschutz und Melioration stark veränderten Ostseeküstenlandschaft stellt das flache, tundraähnliche Überflutungsgrasland der Insel Kirr mit seinem intakten Prielsystem ein einzigartiges Biotop dar.

Bei Hochwasser überfluten die salzhaltigen Boddenwässer die Insel fast vollständig und versorgen die Pflanzen mit wertvollen Mineralien. Durch die Priele fließt das Boddenwasser größtenteils wieder ab oder schafft zahlreiche Tümpeln, mit einer Vielzahl an Kleinstlebewesen.

Weidegänger für den Naturschutz

Neben der Überflutung der Wiesen nehmen die Rinder eine Schlüsselfunktion für die Entstehung und den Erhalt des Salzgraslandes ein: Schon die Bauern des Mittelalters trieben ihre Rinder auf der Suche nach fetten Weiden auf die Insel Kirr.

Die Tiere grasten in unmittelbarer Nähe zum ursprünglichen Schilfgürtel und verdrängten nach und nach das Schilf. Eine mit niedrigen Gräsern bewachsene und regelmäßig überflutete Weide entstand.

Der Tritt der Weidetiere verdichtete den Boden und brachte Pflanzenreste unter Luftabschluss. So schufen Mensch und Natur im Zusammenspiel über Jahrhunderte ein einzigartiges Küstenüberflutungsmoor.

Brutgeschehen

Als Brutgebiet für Watvögel ist die Insel Kirr im landesweiten Maßstab bedeutsam. Derzeit brüten dort 23 verschiedene Küstenvogelarten. Allein 140 Paare des bedrohten Rotschenkels nisten auf der Insel, weiterhin sind auch Uferschnepfen, Austernfischer, Säbelschnäbler und Kiebitze mit hoher Individuendichte vertreten. Auch unzählige Brandseeschwalben bevölkern zur Brutzeit lautstark die Insel.

Eine Besonderheit der Insel sind die 8 Brutpaare des Alpenstrandläufers, eine Art, die zu Beginn des 20. Jahrhunderts in Mecklenburg-Vorpommern noch häufig anzutreffen war. Die für den Ostseeraum endemische Unterart schinzii kommt als Brutvogel nur noch in Relikten vor – der Kirr ist derzeit die einzige Brutstätte dieser Schnepfenvögel in Deutschland.

Sein Verschwinden an unserer Küste ist in den nächsten Jahren wahrscheinlich. Eine weitere faunistische Rarität der Insel stellt das einzige Brutpaar des Kampfläufers von Mecklenburg-Vorpommern dar – ohne diese Individuen gilt die Art an unserer Küste als ausgestorben.

Die Insel Kirr weist darüber hinaus eine große Lachmöwenkolonie auf, die im Jahr 2010 über 1.950 Brutpaare umfasste. Auch Sturm- und Silbermöwe nutzen den Kirr zur Aufzucht ihrer Jungen – mit 110 bzw. 70 Brutpaaren (2010) ist die Population aber wesentlich kleiner als die der Lachmöwe.

Auf dem Durchzug

Ein Naturschauspiel der besonderen Art ist im Herbst der allabendliche Einflug der Kraniche an ihre Schlafplätze in den geschützten Flachwassergebieten der Bodden. Einer dieser Schlafplätze ist zunehmend auch die Insel Kirr; im Oktober 2011 wurden hier über 10.000 Kraniche gezählt.

Mit lautem Trompeten landen hier Tausende dieser faszinierenden Vögel des Glücks, nachdem sie tagsüber auf abgeernteten Mais- und Getreidefeldern ihre Energiereserven „aufgetankt“ haben. Vor ihrer anstrengenden Reise in den Süden sammelt sich etwa ein Drittel der gesamten Population des westeuropäischen Zugweges in dieser Region.

Durch ihr ehrenamtliches Engagement …

… halten die Vogelwärter das Betreuungsregime in den Küstenvogelbrutgebieten auf hohem fachlichen Niveau. Sie übernehmen neben dem Küstenvogelmonitoring einen Teil der Gebietsbetreuung und informieren Besuchergruppen über die nicht öffentlich zugängliche Insel Kirr.

Im Zusammenspiel mit der extensiven Beweidung des Salzgraslandes und der Bejagung von Raubsäugern herrschen auf der Insel ideale Bedingungen für Küstenvögel. Fuchs und Marderhund hätten ansonsten mit den Gelegen der bodenbrütenden Küsten- und Wiesenvögel leichte Beute.

 

Zum aktuellen Schutzprojekt

Mehr über die Vorpommerische Boddenlandschaft

Mehr über den Säbelschnäbler

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