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Grunddaten: Insel Kirr

Säbelschnäbler Jürgen Reich

Naturefund hat gemeinsam mit dem Nationalparkamt Vorpommern 53.700 m² auf der Ostseeinsel Kirr gekauft, um die Fläche dauerhaft dem Nationalpark zu zuführen. Nun wollen wir weitere Flächen auf der Insel schützen.

Grunddaten Projekt

Lage

Die Grundstücke liegen auf der Insel Kirr, welche die bekannteste Salzgraslandinsel im Nationalpark Vorpommersche Boddenlandschaft ist. In dieser Lagunenlandschaft der Ostsee liegt die Insel in einer Meerzunge zwischen der Festlandküste Mecklenburg-Vorpommerns und der Halbinsel Fischland-Darß-Zingst. Das flache Eiland hebt sich in weiten Bereichen nur wenig über dem Wasserspiegel der Bodden empor.

Größe

Die zu kaufenden Grundstücke sind insgesamt 70.000 Quadratmeter groß. Die Insel Kirr selbst ist 3,5 km lang und 1,5 km breit und umfasst 370 Hektar umgerechnet 3.700.000 Quadratmeter.

Tierwelt

Wichtiges Brutgebiet für Watvögel. Derzeit brüten dort 23 verschiedene Küstenvogelarten, darunter 140 Paare des Rotschenkels, weiterhin Uferschnepfe, Austernfischer, Säbelschnäbler, Kiebitz und Brandseeschwalbe.

Eine Besonderheit der Insel sind die acht Brutpaare des Alpenstrandläufers. Die für den Ostseeraum endemische Unterart schinzii kommt als Brutvogel nur noch auf der Kirr vor.

Eine weitere faunistische Rarität der Insel stellt das einzige Brutpaar des Kampfläufers von Mecklenburg-Vorpommern dar. Ohne diese Individuen gilt die Art an unserer Küste als ausgestorben.

Pflanzenwelt

Auf dem Kirr dominiert die zentrale Pflanzengesellschaft der Salzweide, auch Boddenbinsenweide genannt. Neben der Bodden-Binse wachsen hier Strand-Dreizack, Strand-Wegerich, Rotschwingel, Grasnelke und Meerbinse.

In den feuchteren und salzigeren Bereichen entstehen vor allem bei stärkerer Beweidung Andelrasen, die durch Salz-Schuppenmiere und Andelgras gekennzeichnet sind.

Die typische Ausbildung dieser Pflanzengesellschaft ist sehr kurzrasig, da sie einen hohen Futterwert hat und vom Weidevieh und rastenden, die Vegetation abweidenden Vögeln, vor allem Gänsen, bevorzugt verzehrt wird.

Hintergrund

Die Insel Kirr gehört zum Nationalpark Vorpommersche Boddenlandschaft und wird vom Nationalparkamt betreut. Das Nationalparkgebiet ist in 2 Schutzonen gegliedert: Zone I ist die Kernzone. Hier soll sich die Natur frei entfalten können, ohne menschlichen Einfluss.

In der Schutzzone II, der Pflege- und Entwicklungszone, wird durch gezielte Pflege- und Renaturierungsmaßnahmen die heimische Tier- und Pflanzenwelt erhalten und gefördert. Die Insel Kirr liegt in der Schutzzone II. Ein wesentlicher Schutzzweck des Nationalparkes ist es, die wichtigsten Wasser- und Watvogelbrutplätze an der deutschen Ostseeküste zu erhalten.

Durch den Kauf eines Teils der privaten Flächen auf der Insel, könnte das Nationalparkamt die Wasser- und Watvogelbrutplätze noch besser schützen.

Besonderheit

In der sonst von Küstenschutz und Melioration stark veränderten Ostsee-Küstenlandschaft stellt das Überflutungsgrasland der Insel Kirr mit seinem intakten Prielsystem eine absolute Besonderheit dar.

Die Insel wird bei Hochwasser überflutet. Anders als an der Nordseeküste, tritt das Hochwasser nur auf, wenn starker Wind oder sogar Sturm aus östlichen oder nordöstlichen Richtungen das Wasser an die Küste „drückt“.

Im extremsten Fall treibt zunächst ein aus Westen kommendes Tief aus Richtung West oder Nordwest Wasser aus der Nordsee durch Skagerrak und Kattegat in das „Binnenmeer“ Ostsee. Zieht das Tief zur südlichen Ostsee und weiter bis nach Polen und dreht dann der Wind rasch auf Nord bis Nordost, dann „schwappt“ Wasser in der Ostsee wie in einer Badewanne zurück und läuft an der Küste Mecklenburg-Vorpommerns auf.

Tritt ein solches Hochwasser auf, überfluten die salzhaltigen Boddenwässer die Wiesen der Insel fast vollständig. Durch die Priele kann das Boddenwasser größtenteils wieder abfließen.

Etwas Wasser bleibt jedoch immer in vielen Tümpeln stehen oder verdunstet in so genannten Salzpfannen oder Röten.

Die Insel Kirr wurde seit jeher als Viehweide genutzt. Über die Jahrhunderte entstanden im Zusammenspiel von Überflutungen und dem Tritt der Weidetiere, durch den Pflanzenreste unter Luftabschluss gerieten, einzigartige Küstenüberflutungsmoore auf der Insel.

Partner

Als Untere Naturschutz und Untere Forstbehörde ist das Nationalparkamt Vorpommern der unmittelbaren Landesverwaltung von Mecklenburg Vorpommern zuzuordnen. Das Nationalparkamt verwaltet neben dem Nationalpark Vorpommersche Boddenlandschaft auch den Nationalpark Jasmund.

Geschichte

1336 wurde „insule in Kyrre“ erstmals erwähnt. Die noch heute geltende Bezeichnung „Kirr“ ist seit ca. 1696 geläufig und bedeutet „einen mit Sträuchern bzw. Büschen bewachsenen Ort“. Die Insel wird seit jeher als Viehweide genutzt.

Bereits seit 1336 – der Kirr gehörte zu der Zeit den Barther Bürgern und der Herrschaft Divitz – wurde ein Großteil des Gebiets als Weideland genutzt. 1823 verkaufte die Stadt Barth das Gehöft Klein Kirr, wo bis 1954 Landwirtschaft betrieben wurde.

Bis in die erste Hälfte des 20. Jhd. gab es auf dem Eiland zwei Bauernhöfe, von denen der eine nur noch als Ruine zu erkennen ist. Der andere befindet sich im Osten der Insel. Seit 1972 ist der Kirr offizielles Vogelschutzgebiet und ab 1990 Schutzzone II des Nationalparks.

Betreuungskonzept

Die Weideflächen werden von einem Landschaftspflegebetrieb gepflegt. Durch die Beweidung der Insel mit Rindern wird das Überflutungs-Salzgrasland erhalten.

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