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Die Urwaldreliktarten

Ein unscheinbarer, doch sehr seltener Kurzhornschröter Foto: Naturstiftung David

Diese meist kleinen Geschöpfe haben seltsame Namen, z. B. Glanz-Knochenkäfer, Kurzhornschröter, Feuerschmied oder Reiter‘s Strunksaftkäfer. Oft sind die Käfer so selten, dass es gar keine deutsche Artbezeichnung gibt.

11 verschollen geglaubte Arten wiedergefunden

Viele Urwaldreliktarten aus der Gruppe der totholzbewohnenden Käfer sind vom Aussterben bedroht. In den alten Laubwäldern der Hohen Schrecke in Nordostthüringen wurden jüngst elf, teilweise verschollen geglaubte Arten wiedergefunden.

Etwa 1.400 totholzbewohnende Käferarten sind in Deutschland bekannt. Die meisten Arten werden immer seltener und ihr Überleben ist entsprechend gefährdet. In unseren Wirtschaftswäldern mangelt es an stehendem und liegendem Starktotholz.

Alte Laubwaldbeständen sind sehr selten

Die Urwaldreliktarten nehmen innerhalb dieser Käfergruppe nochmals eine Sonderstellung ein. Sie brauchen nicht nur Totholz, sondern zusätzlich noch urwaldähnliche Strukturen.
Doch nach alten Laubwaldbeständen, mit Baumgruppen in der letzten Alters- oder Zerfallsphase, reich an liegendem oder stehendem Starktotholz, manchmal besonnt, manchmal beschattet und feucht, kann man in Deutschland und Europa lange suchen.

Zudem sind die Urwaldreliktarten hochspezialisiert und haben ihre ganz eigenen Ansprüche an den Lebensraum Wald. Aufgrund ihrer sehr geringen Mobilität kommen sie zusätzlich nur in Waldbeständen vor, die niemals gerodet wurden. Nachweise von Urwaldreliktarten bezeugen die ungebrochene Waldgeschichte des Standortes.

Spezialisten wie Reiter’s Strunksaftkäfer

Beispielsweise braucht Reiter’s Strunksaftkäfer – oder auch Synchita separanda – offene Wälder wie Säume, lichte Altbestände oder Windwurfflächen. Dort frisst er an wenigen Pilzarten, die auf oder in der Rotbuche vorkommen. Oder die Larve des Kurzhornschröters, Aesalus scarabaeoides, entwickelt sich über drei Jahre in rotfaulem Totholz vor allem der Eiche, das aber außen noch hart sein muss und in dichter Naturverjüngung an feuchteren Standorten liegt.

Ganz speziell sind die Ansprüche des Glanz-Knochenkäfers, Trox perrisii: die Larve entwickelt sich im Mulm (Totholz eines speziellen Zersetzungsstadiums) in Schwarzspechthöhlen, aber nur als Untermieter brütender Hohltauben oder Waldkäuze. Mulm mit Feder- und Knochenresten durchsetzt ist die Lieblingsspeise des Käfers. Von vielen anderen Urwaldreliktarten sind die Ansprüche unbekannt.

Urwälder dominierten lange in der Erdgeschichte

Die Urwaldreliktarten, von denen es noch höchstens 115 im Mitteleuropa gibt, stellen so hochspezialisierte Lebensraumansprüche, dass ihr Überleben fraglich ist. Aber sie sind an Urwälder angepasst, die über einen wesentlich längeren Zeitraum in der Erdgeschichte vorherrschten, im Vergleich zu der kurzen Zeitspanne, in der der Mensch die Wälder seinen Ansprüchen entsprechend umgebaut hat.

Ihr Überleben ist nur in einer Waldwildnis, also in weitgehend sich selbst überlassenen Laubwäldern möglich. Durch die Bereitschaft der Menschen und den Mut, ausreichend große Urwälder wieder zuzulassen, können diese Arten erhalten werden.

Ein sehr schönes und wichtiges Beispiel sind die Laubwälder der Hohen Schrecke. Es ist ein Waldgebiet von herausragender Bedeutung in Deutschland – allein durch den Fund der 11 Urwaldreliktarten. Wenn es uns gelingt, diesen Wald zu erhalten, haben Feuerschmied, Reiter‘s Strunksaftkäfer und auch der Glanz-Knochenkäfer eine Überlebenschance.

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