· Naturefund Landbrief

Bewegungen auf dem Salzgrasland

Queller Foto: D. Böhme

Mit ihren Salzwiesen ist die Insel Kirr ein einzigartiges Biotop für Pflanzen, die Salz in ihren Zellen speichern, Rinder, die ein halbes Jahr fast wild auf der Insel leben und für zahlreiche seltene Küstenvögel. Auch eine außergewöhnliche Pflanze ist hier zu Hause, die sich besonders gut an diese extrem rauen Bedingen angepasst hat. Es ist der Queller. Manche nennen ihn auch den kleinen Kaktus in den Lagunen der Ostsee.

Lieber Leser, liebe Leserin,

wir haben es fast geschafft: Nur noch knapp zehn Prozent unserer Fläche auf der Insel Kirr sind noch ungeschützt. Herzlichen Dank für Ihre tolle Unterstützung! Als kleines Dankeschön schicken wir Ihnen eine neue Geschichte von der Ostseeküste über salzige Gesellen und vierbeinige Landschaftspfleger.

Mitte Juni war es nämlich soweit – 340 Rinder eines Landschaftspflegebetriebes im Nationalpark Vorpommersche Boddenlandschaft ließen sich auf die Salzwiesen der Insel Kirr einschiffen. Mit einer speziellen Viehfähre setzten die Tiere in kleineren Gruppen über.

Sie werden den Sommer über auf den fetten Salzwiesen der Küstenvogelinsel Kirr weiden. Für die Kühe ist der Verzehr der aromatischen Salzgrasland-Pflanzen nicht nur besonders gesund, sondern auch extrem schmackhaft.

Extreme Lebensbedingungen im Salzgrasland

Wer auf der Salzwiese gedeihen will, muss mit extremen Lebensbedingungen zurechtkommen können. Kräftige Winde und Wasser mit Salzgehalten von 0,1 % bis 1,0 % prägen die Artenzusammensetzung auf der Wiese.

Bei den Überflutungen dringt das Salzwasser tief in den Boden ein. Die Pflanzenwurzeln bekommen salziges Wasser „zu trinken“ und müssen außerdem mit wenig Sauerstoff im Boden „atmen“ können. Kräftige Winde zerren häufig an Stengel und Blättern und drohen sie zusammen mit hoher Sonneneinstrahlung auszutrocknen.

Kleiner Kaktus in den Lagunen der Ostsee

Eine außergewöhnliche Pflanze, die sich besonders gut an diese extrem rauen Bedingen angepasst hat, ist der Queller. Sein Aussehen gleicht einem kleinen Kaktus von grüner, rötlicher oder grüngelber Farbe. Seine Blätter sind stark verkleinert – zu Schuppen reduziert, die sich um den Spross legen.

So setzt der Queller sowohl die Verdunstung als auch den Luft- bzw. Wasserwiderstand der Blätter herab. Genial ist: im sauerstofffreien Boden versorgt das ausgedehnte Durchlüftungsgewebe die Wurzelzellen des Quellers aus dem inneren des Pflanzenkörpers heraus mit Frischluft.

Vom Salz der Erde

Der hohe Salzgehalt des Bodenwassers stellt die Pflanzen des Salzgraslandes vor eine besonders schwierige Herausforderung. Wie beim Menschen wirkt zu viel Salz auch beim Grünzeug giftig auf den Organismus.

Dabei ist gerade die Steuerung des Wasserhaushaltes der zentrale Dreh- und Angelpunkt für Gewächse. Denn mit dem Wasser nehmen die Pflanzen auch die für sie lebenswichtigen Nährsalze auf. Als Durstlöscher im Reich der Pflanzen fungiert im Wesentlichen ein Prinzip namens Osmose.

Da in den Wurzelzellen meist eine höhere Stoffkonzentration als im Boden vorhanden ist, strömt Wasser, dem Prinzip des Konzentrationsausgleiches folgend, aus dem Boden in die Wurzelzellen ein.

Die Strategie des Überlebenskünstlers

Auf der Salzwiese ist die Situation jedoch anders herum. Im Bodenwasser liegt die höhere Salzkonzentration vor. Die Wurzeln sind der Gefahr des Wasserentzugs ausgesetzt. Dadurch müssten sie trotz des großen Wassersangebotes verdursten und austrocknen, gäbe es keine Überlebensstrategie.

Die des Quellers funktioniert so: er reichert in seinen Zellen Salz an, überwindet so die osmotische Saugkraft des Salzbodens und kann Wasser aufsaugen. Zum Ausgleich der hohen Salzkonzentration in der Pflanze, nimmt er zusätzlich Wasser in sein Gewebe auf. Wegen dieser Verdünnung des eingedrungenen Salzes quellen seine Sprosse im Laufe des Sommers immer dicker auf. Daher auch der Name.

Wie der Queller benötigen nur wenige Salzpflanzen Salz zum besseren Wachstum. Viele der Salzgraspflanzen gedeihen viel besser ohne Salz, doch können sie den Salzeinfluss wesentlich besser erdulden als „normale“ Landpflanzen. Helfen Sie uns, auch noch die letzten 3.500 m² dieser einzigartigen Lebenswelt zu schützen:

Zum aktuellen Schutzprojekt

Terminankündigung: Merken Sie sich schon mal den 4. August vor, wenn Sie ein anderes seltenes Tier erleben wollen. Am 4. August laden wir Sie herzlich zu einer Biberwanderung im Spessart ein. Mehr Informationen schicken wir Ihnen in Kürze.

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