9. Naturefund Think Tank September 2012

Sherport

Sherport

Foto: Sherport

Am 25.09.2012 trafen sich der 9. Think Tank in Wiesbaden. Dabei wurde das mobile Bezahlsystem Sherport vorgestellt und diskutiert. Sherport ist eine Eigenentwirklung von Naturefund.

Sherport - ein mobiles Bezahlsystem für die Natur

Eingeladen hatte Naturefund diesmal zu einem ganz besonderen Thema. Sherport, ein mobiles Bezahlsystem, das seine erste interne Testphase bereits absolviert hat. An dem Abend wurde Sherport erläutert und ein kritisches Feedback eingeholt.

Zuerst gab Katja Wiese ein Impulsreferat über Hintergründe und Funktionsweise von Sherport

  • Warum arbeitet eine Naturschutzorganisation an einem Mobile Payment System?
  • Welche langfristigen Ziele sind damit verbunden?
  • Wie funktioniert das System in der Praxis?

Vorteile einer mobilen Internetnutzung für die Natur

Die mobile Internetnutzung ist auch für eine Naturschutzorganisation wie Naturefund, die über das Web einen engen Kontakt zu seinen Partnern, Förderern und der interessierten Bevölkerung pflegt, ein zentrales Thema. Die Vorteile des Webs, die von der Schnelligkeit über unmittelbare Vernetzung bis zu direkten Umweltvorteilen (papierlos, keine Logistik, ...) reichen, liegen auf der Hand. Durch die Verbreitung der Smartphones lassen sich diese Vorteile zusehend aus mobil nutzen.

Derzeit werden verschiedenste Wege entwickelt, auch die herkömmliche Geldbörse – aber auch EC- und Kreditkarten – durch diese Technologie zu ersetzen. Da es für diesen interessanten Markt noch keine etablierten Standards gibt, ist das Zeitfenster für Aktivitäten in diesem Segment gerade sehr spannend.

1. Ein Bezahlsystem für die Natur

Naturefund hat seit jeher den ökologischen Gedanken mit den ökonomischen Rahmenbedingungen verbunden zum Nutzen der Natur. Auf diesem Wege konnte Naturefund viele große Projekte realisieren. Dabei entstand die Idee, bei Bezahlsystemen eine „ökologische Alternative“ zu entwickeln.

Bei jeder Transaktion mit Sherport sollte ein kleiner Betrag für den Naturschutz abfallen. Der Slogan von Sherport lautet entsprechend »system for a blue planet«.

2. Datenschutz und Datenhoheit

Der Datentransfers bei Sherport findet unter höchsten Sicherheitsstandards statt. Langfristiges Ziel ist jedoch auch, das Thema Sicherheit auf ein „soziales“ Niveau zu heben. So ist hier Sicherheit nicht nur für den Zahlungsverkehr im engeren Sinne gemeint, sondern auch in Bezug auf die dazugehörigen Daten des Nutzers und seiner Aktivitäten. Daten sind das Öl der Zukunft, daher werden diese aller Orten gesammelt  – und auch gehandelt.

Das ist bei Sherport anders! Neben der Datenhoheit werden dem Nutzer auch eine uneingeschränkte Transparenz sowie entsprechende Kontroll- und Entscheidungsmöglichkeiten geboten über alle seine Bezahlvorgänge. Er kann bestimmen, bei welcher Aktivität welche Informationen über ihn an den Händler weitergeleitet werden. Seine Anschrift ist bspw. nur bei Versand der Ware notwendig.

Sherport soll sich nun in einem ersten Praxis-Test bewähren und dabei entsprechend den Erfahrungen im „Real-life-Betrieb“ optimiert werden. Für diese Beta-Phase sind verschiedene Onlineplattformen im Gespräch, von denen eine überschaubare Anzahl ausgewählt werden wird. Danach wird das System frei angeboten und in einen späteren Schritt vom reinen Online-Handel auch auf den stationären Handel ausgeweitet.

3. Einloggen und Bezahlen

Die Funktionsweise, die lediglich eine einmalige Anmeldung auf der Seite von www.sherport.com erfordert, ermöglicht es, sich bei allen teilnehmenden Anbietern ebenso unkompliziert wie sicher anzumelden, sprich zu authentifizieren und Bezahlungen abzuwickeln. Notwendige Voraussetzung ist neben der erstmaligen Anmeldung ein Smartphone egal welchen Typs, das QR-Codes scannen kann und einen Internetzugang ermöglicht.

Für das Login auf allen Webseiten, die Sherport anbieten, muss man sich also nicht mehr seine hier angegebene E-Mail-Adresse und sein für diesen Zugang gewähltes Passwort erinnern. Dies übernimmt Sherport in Kombination mit dem genutzten Smartphone. Die dahinterliegenden Verschlüsselungen entsprechen höchsten Anforderungen.

Damit ist Sherport bereits für diese Anwendung sicherer als die eigene E-Mail-Adresse und eine Zahlenkombination, die man sich merken muss – oder der Zettel, auf dem man nichtmerkfähige Codes und Passwörter notiert hat. Die Bezahlung – also die Anweisung für eine Geldtransaktion – wird zusätzlich durch einen PIN gesichert.

Feedback des Think Tanks

Idee und Zielsetzung fanden durchweg großen Anklang. Gerade die Übertragung des ökologischen Gedankens in ganz neue Bereiche der Ökonomie wurde gelobt. Eingangs wurde zwar der geringe Anteil von 0,1%, der pro Umsatz als Spende den Naturefund-Projekten zugute kommt, als sehr klein eingeschätzt.

Allerdings war klar, dass das System nicht teurer sein darf als Wettbewerbsangebote. Verschiedenste Optionen für weitergehende Services und Leistungen, die einen Mehrwert bieten, für den interessierte Nutzer zusätzlich zu zahlen bereit sind, konnten spontan erarbeitet werden.

In der praktischen Anwendung taten sich jene Teilnehmer etwas schwer, die mit dem Smartphone nicht so routiniert umgehen und die den „fliegenden Wechsel“ zwischen PC, Smartphone und deren Apps nicht gewohnt sind. Eine eigene Sherport App, die derzeit in Entwicklung ist, soll hier Abhilfe schaffen. Wichtig erschien auch, dass die App sofort signalisiert, wenn die drahtlose Verbindung nicht die notwendige Qualität aufweist, die Transaktion zu beenden, um Wiederholen, Warten, Abbrüche etc. zu vermeiden.

Testphase und Optimierung

Mängel wurden in den Bereichen „look and feel“ diskutiert. Zwar wirkt das, was der Anwender auf der Sherport-Homepage und dem Smartphone zusehen bekommt sehr aufgeräumt – damit jedoch auch etwas trocken. Verschiedene Ansätze hier gegenzusteuern wurden diskutiert.

Als Beta-Kunden, aber auch für weitere Ausbaustufen, wurden viele Optionen zusammengetragen, die von anderen NGOs über Unternehmen mit „grüner Grundausrichtung“ bis zu Verlagen und Buchhandlungen reichen.

Wichtig erschien es auch, in der Testphase schon Zertifizierungen zu erhalten, die die Sicherheit, Alltagstauglichkeit und Seriosität belegen (Stiftung Warentest, Ökotest, trustedshop, TÜV, ...).

Sicherheit versus Open Source?

In Abwägung zu den maximalen Sicherheitsstandards, die angestrebt werden, stand der Open-Source-Gedanke. Dieser ist vor allem bei der Weiterentwicklung und Optimierung der Anwendung von Vorteil, birgt jedoch auch seine Gefahren. Auf jeden Fall soll der Open-Source-Charakter sich darin wiederfinden, dass die Anwendung nicht nur von Unternehmen mit hohem ethischen Ansprüchen genutzt werden darf, sondern eine weite Verbreitung über NGOs-,Öko- und LOHAS-Unternehmungen hinaus finden soll.

Als größte Gefahr wurde der Aspekt gesehen, vom Volumen möglicher Nachfrager / User überrollt zu werden, sodass dann nicht mehr die Integrität der dahinter stehenden Naturschutzorganisation gewahrt werden kann. Hier soll die Qualität des Systems und damit der „grüne Anspruch“ stets dem ökonomischen Wunsch übergeordnet bleiben. Gleichzeitig darf jedoch auch unter dem Gesichtspunkt Service & Transparenz nicht am falschen Ende gespart werden.

Direkt zur Sherport: https://sherport.com