8. Naturefund Think Tank März 2012

Samen säen

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Foto: Naturefund

Am 13. März 2012 lud Naturefund zum 8. Think Tank-Treffen ein. Thema war die Aufforstung in einem Naturefund-Projekt in Madagasakar. Katja Wiese besuchte das Projekt im Februar 2012 und stellte das Projekt und die Erprobung einer neuen Aufforstungsmethode vor.

Aufforstung in Madagaskar dringend benötigt

Katja Wiese stellte als Erstes das Projekt in Madagaskar und die besondere Situation auf Madagaskar dem Plenum vor:

Die Insel Madagaskar ist seit 60 Millionen Jahren vom Festland getrennt. Von den über 12.000 Pflanzenarten, darunter 4.220 Baumarten und über 1.000 Orchideenarten. 80% der Pflanzenarten sind endemisch und kommen nur auf Madagaskar vor. Aber nur noch etwa 10% der ursprünglichen Vegetation ist heute noch vorhanden.

Herausforderung: Von den etwa 20 Millionen Menschen, die auf Madagaskar leben, kochen gut 95% mit Holz oder Holzkohle. Dies hat zur Folge, dass mehr und mehr Wälder abgeholzt werden und Madagaskar's einzigartige Pflanzen- und Artenvielfalt bedroht ist. Diese gerodeten, kahlen Flächen, die dabei entstehen, trockenen schnell aus und sind oft für die Landwirtschaft nicht mehr zu gebrauchen. Auf der Suche nach Farmland und Einkommen holzen die Menschen dann noch mehr Wälder ab.

Aktuelles Naturefund-Projekt zur Wiederaufforstung

Seit 2009 hat Naturefund, in Zusammenarbeit mit der gemeinnützigen Organisation Ho'Avy aus Madagaskar, mehrere Baumschulen im Dorf Ranobe, im Südwesten Madagaskars, aufgebaut und bereits Tausende von Baumsetzlingen gepflanzt. Ranobe ist etwa 10 Kilometer von der Pazifikküste enfernt und liegt 100 Kilometer nördlich der Hafenstadt Toliara.

Um die Pflanzen- und Artenvielfalt auf Madagaskar dauerhaft zu schützen, müssen auch alternative Einkommensquellen zum Holzeinschlag geschaffen werden. Mit Hilfe der sukzessionalen Agroforstwirtschaft kann dies geschehen, denn es ensteht ein naturnaher Wald, der gleichzeitig von den Bauern landwirtschaftlich genutzt werden kann und darüber hinaus neue Einnahmequellen, wie z.B. Baobab-Öl und Medizin-Pflanzen, bietet.

Einführung einer neuen Aufforstungsmethode

Die sukzessionale Agroforstwirtschaft (SAFS) basiert auf dem Wissen der indigenen Völker Lateinamerikas. SAFS wurde Anfang 1980 von dem Schweizer Ernst Götsch systematisiert und ab 1995 von Götsch und dem Deutschen Joachim Milz weiter entwickelt. SAFS ahmt zwei zentrale Mechanismen der Natur nach: 1. Den Prozess der natürlichen Sukzession; 2. Die Akkumulation von Energie respektive Biomasse in einem System.

Die Prinzipien der SAFS-Methode können in allen Klima und Vegetationszonen angewandt werden – in der Land- wie in der Forstwirtschaft. Mit dieser Methode kann Primärwald in 15 bis 20 Jahren wieder aufgebaut werden.

Dabei wird die natürliche Sukzession, also den Prozess der Besiedlung von Flächen durch Pflanzengesellschaften, die auf den jeweiligen Böden und dem spezifischen Biotoptyp von Natur aus vorkommen, genutzt. Die Sukzession wird kombiniert mit Nutzpflanzen und Bäumen.

Naturefund hat SAFS bereits in seinem Projekt in Honduras erfolgreich eingeführt. Ende Februar flog Katja Wiese gemeinsam mit  Joachim Milz, ein Experte für das System Waldgarten, udd nach Madagaskar, um mit den Leuten vor Ort zu schauen, ob und wie die Methode Waldgarten dort eingesetzt werden kann. Die erste Ergebnisse sind vielversprechend.

Sukzession im Think Tank

Im Plenum wurden dann zwei Fragen diskutiert: 1. Mit welchen "Werkzeugen" kann die Methode erfolgreiche in Madagaskar eingeführt werden? Dazu kamen folgende Ideen:

  • "IKEA"-Wolldecke - eine Wolldecke wird verteilt, auf der grafisch die Methoden von SAFS darsgestellt werden;
  • Die Methode wird im Zeitraffer in einem Youtube-Video gezeigt;
  • Ein Projekt "Train-the-Trainer" wird in Madagaskar eingeführt. Die Trainer erhalten einen Job und Anerkennung. Sie werden mit Namen im Internet genannt.
  • Westliche Industrieunternehmen werden gewonnen, gemeinsam mit den Bauern Wald aufzuforsten und dabei auch seltenen und "kostbare" Nutzpflanzen anzupflanzen, wir Vanille oder spezielle Gewürze;
  • Es wird Nutzholz angebaut, das später als Heizholz verwendet wird und damit den Naturwald vor weiterer Abholzung schützt;
  • Ranobe wird zur "Eliteregion", welche die Aufforstung und den Schutz des Waldes wegweisend in Madagaskar umsetzt. Lokalstolz kann enstehen.
  • Gutes Personal vor Ort ist wichtig, Frauen werden einbezogen;
  • Zusammenarbeit mit Schulen/unis im der Forschung in Deutschland;
  • In Deutschland bekannt machen, PR und Nachhaltigkeitsbericht;
  • Prominente Paten gewinnen - der Idee ein Gesicht geben.