7. Naturefund Think Tank Oktober 2011

Treffen bei KlimaINVEST

Treffen bei KlimaINVEST

Foto: Making Sense

Am 19.10.2011 traf sich das Naturefund Wald Netzwerk zum 7. Think Tank-Treffen. Zum ersten Mal in Hamburg gemeinsam mit dem 4. Hamburg CSR-Salon. Thema war: Sinnvolle Waldschutzprojekte – wie sehen sie aus?

4. Hamburg CSR-Salon am 19. Oktober 2011

Eingeladen hatten Naturefund, KlimaINVEST und Making Sense. Das Treffen fand in den Räumen von KlimaINVEST statt. Das Thema war:

Sinnvolle Waldschutzprojekte – wie sehen sie aus? Worauf sollte ein Unternehmen bei der Auswahl eines Projektes achten?

Impulsreferat von Katja Wiese, Naturefund, über:

1. Waldzustand
2. Waldschutz-Projekte
3. Wald und Unternehmen

1. Waldzustand

Rund 31 Prozent der Erde sind bewaldet, über 4,2 Mrd. Hektar. Die Bewaldung ist ungleich verteilt. Wald bedeckt vor allem Russland, Kanada, USA, China und Kongo. Davon sind:

36% Urwälder
57% Sekundärwälder
6,5 % Waldplantagen

Zentrale Waldgebiete: Tropisch bzw. boreale Wälder

Boreal (von griech. Kälte): Boreale Wälder kommen nur auf der nördlichen Halbkugel zwischen dem 50. und 70. Breitengrad vor. Es handelt sich um Nadelwälder. Es sind die größten zusammenhängenden Wälder der Erde, etwa 2 Mrd. Hektar, sie decken 13% der Erdoberfläche ab.

Der Waldverlust schreitet seit Jahren voran

Jährlicher Waldverlust 1990 – 2000: 0,2%, 8.400.000 ha
Jährlicher Waldverlust 2000 – 2010: 0,13 %, 5.400.000 ha

Der größte Waldverlust erfolgt in Südamerika und Afrika (Südamerika: 4 Mio. ha/Jahr, Afrika 3,5 Mio. ha/Jahr). Hauptursachen für den Druck auf Waldgebiete entstehen vor allem durch Umwandlung von Wald in Ackerflächen, durch die Holzindustrie und zunehmend durch die Biospritproduktion.

Waldzuwachs

2000 – 2010 0,07% in Ostasien, 2,8 Mio. Hektar
2000 – 2010 0,02% in Europa, 694.000 Hektar

Der größte Teil des Zuwachses beruht auf Waldplantagen.

Verlust an Urwäldern

Von 2000 – 2010 lag der Verlust an Urwäldern pro Jahr bei 4 Millionen ha. Das bedeutet ein Verlust an CO2-Speicher in Biomasse und Böden, Verlust der Artenvielfalt und zahlreicher Funktionen, die ein Wald übernimmt, wie beispielsweise stabiles regionales Klima oder stabiler Wasserhaushalt.

2. Wann sind -Projekte effektiv?

  • Waldschutz ist nur effektiv, wenn die Menschen vor Ort einbezogen sind und einen Nutzen vom Waldschutz haben.
  • Notwendig für Waldschutz sind auch klare Regeln, die auch bei Nichteinhaltung sanktioniert werden, (E. Osborne).
  • Entscheidend für den langfristigen Erfolg von Waldschutzgebieten ist auch die politische und gesellschaftliche Situation vor Ort (s. Costa Rica versus Honduras).
  • Meistens sind es langsame Veränderungen, oft sind daher langfristige Projekte sinnvoll.

Katja Wiese erzählte daraufhin von Beispielen von gelungenen und auch misslungenen Waldschutzmaßnahmen aus den Naturefund-Waldschutzprojekten in Honduras, Nicaragua und Costa Rica.

3. Wald und Unternehmen

Wenn ein Unternehmen sich entscheidet, ein Waldschutz-Projekt umzusetzen, ist die Klärung folgender Punkte wichtig:

Intern:

  • Entscheidung der Führung?
  • Echtes Engagement oder Marketingabsicht?
  • Produkt oder Image fördern?
  • Kurzfristig (ein Jahr) oder langfristig?
  • Waldschutz national oder international?
  • Das Ziel: Was genau wollen Sie mit Waldschutz erreichen?

Extern:

  • Situation vor Ort: Politik, Gesellschaft, bestehend Kontakte oder eine andere Form von Verbindung?
  • Projektpartner: Haben Sie Vertrauen in den Partner? Wie ist der Kontakt? Gibt es Referenzen?
  • Projekt: Was genau soll gefördert werden?
  • Menschen: Wie sind die Menschen vor Ort integriert?
  • Wichtig: Klare Kommunikation und Vereinbarungen!

Europa versus Tropen

Mitteleuropa:

Mitteleuropa ist ein Waldland. Die beste Form der Aufforstung hier ist in den meisten Fällen: Nichts zu tun, Wald entsteht von alleine. Es gibt jedoch drei Ausnahmen, bei denen der aktive Aufbau von Wald sinnvoll ist:

1. Umforstung, z. B. von Nadelwald in Laubmischwald. In Deutschland liegt der Anteil von Nadelwald bei über 50%. Von Natur aus wäre Deutschland nur zu 2-3% mit Nadelwald bedeckt. Laubmischwald ist zudem stabiler gegenüber klimatischen Veränderungen.

2. Vernetzung von Wäldern, dadurch wird der Austausch der Arten erleichtert. Eine größere Vielfalt führt zu einem stabileren Waldbiotop.

3. Aufbau von Auenwäldern. Auwälder sind reich an Arten, können aufgrund des hohen Anteils an Mooren verhältnismäßig viel CO2 im Boden speichern und sind gleichzeitig natürliche Überflutungsgebiete bei Hochwasser.

Tropen:

Der wichtigste und effektivste Schritt zum Schutz von Wäldern in den Tropen wäre der Stopp von Umwandlung von Wald in Ackerfläche oder in Flächen für die Biospritproduktion. Ebenso wichtig ist es, Alternativen zu schaffen für die Nutzung von Holz als Einkommensquelle. Dazu können auch nachhaltige Waldnutzungsformen gehören.