Training in dynamischen Agroforst

Bericht von Jeremie Razafitsalama, Missouri Botanical Garden, der im Juli 2014 Bolivien besuchte und drei Wochen lang in tropischen wie semiariden Standorten die Methode dynamischer Agroforst (der essbare Wald) kennenlernte.

1. Tag, 3. Juli 2014

2. Tag, 4. Juli 2014

3. Tag, 5. Juli 2014

4. Tag, 6. Juli 2014

1. Tag, 3. Juli 2014

Blick auf die Farm Mollesnejta im Jahr 2001

Blick auf die Farm Mollesnejta im Jahr 2001

Foto: Mollesnejta

Mein Training in Bolivien, Juli 2014. Bericht von Jeremie Razafitsalama, Missouri Botanical Garden.

1. Tag, 3. Juli 2014

Bevor ich erzähle, wie mein Training im dynamischen Agroforst in Bolivien ist, gebe ich erst einmal eine Überblick über die Farm Mollesnetja im Ort Combuyo im Tal von Cochabamba und mein Eindruck nach der ersten Ortsbesichtigung. Die lokalen Bedingungen sind voller Hindernisse, um einen produktiven „Waldgarten“ aufzubauen:

  • Wir befinden uns auf 2.800 m über NN.
  • Das Klima ist trocken mit einer jährliche Niederschlagsmenge 400-600 mm, neun Monate im Jahr herrscht Trockenheit;
  • Es weht ein starker, trockener Wind
  • Der Boden ist steinig.

Diese Bedingungen erschweren die landwirtschaftliche Produktion in Combuyo. Daher wurden Versuchsflächen mit verschiedenen Kombinationen von Pflanzensystemen angelegt, um konkrete Ergebnisse zu erhalten.

Eine der größten Herausforderungen ist die Wasserknappheit und der ausgetrocknete Boden. Daher wurde vor allem zwei Strategien verfolgt:

1. Die erste Strategie bestand in der Herstellung eines Mikroklimas, das die Feuchtigkeit im Ökosystems erhöht: Dies geschah vor allem durch das Pflanzen Bäumen wie Obstbäumen, Bäume für Bauholzbedarf und einheimische Arten. Grundvorraussetzung war:

a) es sollten einheimische Baumarten sein, welche perfekt an die lokalen Umweltbedingungen angepasst sind (z. B. Dodonea viscosa) oder

b) eingeführte Arten, die gut Wasser speichern können und gleichzeitig die Umgebung befeuchten (z. B. Opuntia sp.)

2. Die zweite Strategie bestand in der Verbesserung der Bodenqualität, vor allem durch die Erhöhung der Wasserspeicherkapazität und ein Substrat mit einer höheren Bodenfeuchte. Dies wurde erreicht durch:

a) Verwendung von organischen Materialien vor allem als Mulch rund um den Wurzelansatz der Bäume, aber auch sonst wurde organische Material verteilt, um den Nährstoffeintrag in den Boden zu erhöhen, die Austrockung zu minimieren und Wasser besser im Boden zu halten.

b) Verwendung Kompost gemischt mit Kohle, wodurch ebenfalls die Absorptionsfähigkeit und die Wasserhaltekapazität des Bodens erhöht wurde.

2. Tag, 4. Juli 2014

Satellitenbild von den verschiedenen Parzellen

Satellitenbild von den verschiedenen Parzellen

Foto: Mollesnejta

Besichtigung der verschiedenen Versuchsflächen auf Mollesnejta: 1. Tropische Bäume, 2. Olivenbäume u. a. und 3. Bäume für Bauholz.

1. Versuchsfläche, tropisch:

Die tropische Parzellen bestand aus etwa 30 verschiedenen Arten von Pflanzen. Die Boden ist felsig, verarmt und trocken. Nach ein paar Jahren der Bepflanzung und natürlichen Sukzession, hatte sich die Bodenqualität deutlich verbessert und die Pflanzen begannen sich zu entwickeln. Die große Pfalnzenvielfalt hatte ein Ökosystem geschaffen, das aus einheimischen Arten, eingeschleppte Arten und Obstbäumen betsand. Durch die angewendete Agroforsttechnik konnten trotz widriger Umweltbedingungen die Pflanzen wachsen und ihre Rolle im Ökosystem spielen, wobei vor allem der Schutz, die Verbesserung und die Wiederherstellung des Boden bedeutsam ist.

2. Versuchsfläche, Olive

Dieses Grundstück lag am Hang, war sehr steinig mit einer kaum vorhandenen organischen Bodensubstanz. Hier wurden viele Arten gepflanzt, wie z. B. Shinus molle, Acacia dealbata, Dodonea viscosa, Opuntia sp., Olea europea, Psiddium guyava ... Trotz der schelchten Bodenqualität sind alle Arten angewachsen, aber mit einem relativ langsamen Wachstum.

3. Versuchsfläche, Bauholz

Auf der Versuchsfläche für die Produktion von Bauholz wurden folgende Arten gepflanzt: Acacia dealbata, Eucalyptus globulus, Pinus Radiata und Pinus sp. Diese Arten wurden nach den Prinzipien von Agroforstbestand angebaut und mit einer großen Vielfalt anderer Arten gemischt, darunter Obstbäume, aber auch typische lokale Arten Shinus molle. In dieser Parzelle waren die Reinigung und das Management der Pflanzen, z. B. durch gezielten Baumschnitt, wichtig, um den Wettbewerb unter den Bäumen zu verringern, das organische Materie auf den Boden zu erhöhen und die Holzqualität zu verbessern. Die Bäume mit den größten Wachstum waren in dieser Parzellen Acacia dealbata.

Die Techniken der Agroforstwirtschaft wurden auch für den Aufbau eines natürlichen Windschutz eingesetzt. Da hier der Wind permanet weht, wurden einige einige Pflanzen gepflanzt, um den Aufprall des Windes auf das Grundstück abzubremsen. Die verwendeten Arten sind Acacia dealbata, Acacia sp, sp Jacaranda und Eucalyptus globulus.

3. Tag, 5. Juli 2014

Kakteen fördert Bodenfeuchtigkeit

Kakteen fördert Bodenfeuchtigkeit

Foto: Mollesnejta

Am Samstag, den 5. Juli, hat Jeremi seinen ersten Praxistag. Er lernt verschiedene Parzellen auf Mollesnejta kennen und die wichtigsten Faktoren von dynamischen Agroforst.

Erster Praxistag

Thema: Pflanzung der Kaktusart Opuntia sp und anschließende Beobachtung der Ergebnisse in alten Plantagen, Demonstration des System Carbonisierung und Mittagessen mit dem Präsidenten des Bauernverbandes Combuyo.

Nach wir uns verschiedene Anbaupraktiken von dynamischen Agrofost angeschaut haben, ist deutlich zu erkennen, dass diese Form der Agroforstwirtschaft (sukzessionaler oder dynamischer Agroforst) eine gute Technik zur Verbesserung der Bodenqualität und des Pflanzenwachstums ist. Bis hierhin kann ich bereits nach den ersten Eindrücken meiner Ausbildung Mollesnetjia folgende wichtige Schlussfolgerungen zu dieser Praxis der Agroforstwirtschaft ziehen, die wesentlich für den Erfolg sind:

  • Die Kenntnis der Vegetationsentwicklung;
  • Respekt für die natürliche Dynamik;
  • Erstellen einer hohen Pflanzendichte innerhalb des Systems, um eine optimale Produktion von organischen Stoffen sicherzustellen und den Austausch zwischen den Pflanzen zu erhöhen.
  • Die Schaffung von Vielfalt im System, welche die Widerstandsfähigkeit der Pflanzen gegenüber Umweltfaktoren erhöht (ökologischer Zustand, Krankheiten);
  • Die Anwesenheit von einheimischen Arten ist wichtig, weil sie besser an die lokalen Umweltfaktoren angepasst sind;
  • Um die Parzelle effektiv zu managen, muss man die Antworten bzw. Reaktionen von Pflanzen auf externe Faktoren wie Umweltbedingungen oder den Einfluss von Nachbarpflanzen richtig intepretieren. Diese Faktoren werden z. B. durch Krümmung eines Teils der Pflanze, Krautfäule, frühen Verzweigung, zu langsames Wachstum im Vergleich zu anderen Individuen der gleichen Spezies, abnorme Entwicklung u. a. sichtbar. Dies erfordert vom Management das richtige Schneiden, Beschneiden, Fällen oder Entwurzelung sogar, wenn nötig.
  • Vermeiden von Alterung der Pflanzen ist ebenfalls ein wichtiger Faktor, denn er verursacht die Abnahme der Energieproduktion im Gesamtsystem. Pflanzen, welche die Reifephase ihres Lebenszyklus erreicht haben, sollten entfernt werden, um eine Überalterung im System zu verhindern.

Das Training an diesem Tag dreht sich um dies wichtigen Schritte der sukzessionalen oder dynamischen Agroforstwirtschaft.

4. Tag, 6. Juli 2014

Im Hochland mit ersten Bäumen

Im Hochland mit ersten Bäumen

Foto: Mollesnejta

Noemi und Jeremi reisen vom kargen, wüstenähnlichen Hochland in tropische Tiefland.

Reisetag ins tropischen Tiefland

An diesem Sonntag reisen Noemi und ich ins tropische Tiefland von Rurrenabanque, um Kontakt mit Partnern aufzunehmen, welche Erfahrungen im Bereich der Entwicklungshilfe und der Anwendung von dynamischer Agroforstwirtschaft haben.

Auf dieser Reise erlebe ich den deutlichen Kontrast zwischen dem Klima der verschiedenen Regionen. Die Regionen von Cochabamba und La Paz sind durch ein trockenes Klima gekennzeichnet, während die Region um Rurrenabanque feuchtwarm ist. Wasser in den trockenen Regionen stammt vom Regenwasser während der dreimontatigen Regenzeit und der Eisschmelze im Frühjahr, welche von den hohen Bergen kommt. Das erklärt auch die vorherschende Dürre in Cochabamba und La Paz. Diese Regionen sind auch durch die Knappheit oder vollständige Abwesenheit von Bäumen gekennzeichnet. Rurrenabanque wiederum ist ein Feuchtgebiet mit natürlichen Wäldern und einer jährlichen Niederschlagsmenge von rund 2000 mm, welche die großen Flüsse versorgen.

Entwicklungsprojekte und dynamischer Agroforst

Mit Hilfe von Marion Remuz, Leiterin des GIZ-Büros und verantwortlich für den Bereich Entwicklung und Erhaltung in der Region von La Paz und Beni, bekamen wir entscheidene Hinweise zu Personen im Bereich Agroforst, welche mir bei meiner Ausbildung behilflich sein konnten.

Dynamischer Agroforst wurde vor allem für den Anbau von Kakao-und Obstbäume in der Region Sapecho und Rurrenabanque angewandt. Einige Entwicklungsprogramme und Organisationen bemüthen sich um die Verbreitung dieser Technik mit dem Ziel, die Produktion der Landwirte zu verbessern und gleichzeitig die Erhaltung der natürlichen Ressourcen zu fördern. Trotz der Begeisterung für diese Projekte ist auf allen Ebenen das Fehlen von Unterstützung seitens der Regierung zu spüren.