Hamberger Moor in Niedersachsen

Übersicht

24. April 2017

Grunddaten zum Schutz des Hamberger Moores

Naturefund hat die Chance, eines der letzten großen Moore in Norddeutschland dauerhaft zu sichern. Bedrohte Arten wie der Graue Kranich finden hier einen sicheren Lebensraum.

Lage:

Hambergen, Niedersachsen, zwischen Bremen und Bremerhaven im Landkreis Osterholz. Zwischen zwei Geestrücken gelegen.

 

Größe der ersten zu kaufenden Fläche:

28.397 m2

 

Ziel der gesamten zu kaufenden Fläche:

50.000 m²

 

Geschichte:

Während der letzten Eiszeit entstanden die Voraussetzungen für die Bildung des Teufelsmoores als das Gletscherschmelzwasser die Geest abtrug und so eine Senke formte. Der hohe Grundwasserspiegel machte dann das Entstehen der Niedermoore und daraus dann der Hochmoore möglich.

Das Hamberger Moor als Hochmoor wurde seit dem 18. Jahrhundert durch Entwässerungsgräben trockengelegt um dort weitere Siedlungs- und landwirtschaftliche Flächen zu erschließen und nicht zuletzt um den Torf darin abbauen zu können. Bis Mitte/Ende des 20. Jahrhunderts wurde das Moor großflächig von den Landwirten Hambergens und den angrenzenden Gemeinden als Handtorfstich genutzt. Torfkanäle zum Abtransport des Torfes in Halb-Hunt-Torfschiffen nach Bremen wurden angelegt. Die Reste des „Hambergener Hafens“ sind erhalten. Von dort starteten die Torfkähne ihre Reise nach Bremen.

Vereinzelte Handtorfstiche sind bis heute erhalten.

In den Randbereichen des Hamberger Moores sind Weideflächen angelegt.

Ab den 1970er Jahren begann der Landkreis Moorflächen aufzukaufen um moortypischen Pflanzen und Tieren eine Überlebensmöglichkeit zu bieten.

 

Hintergrund und Besonderheiten:

Moore sind aufgrund ihrer einzigartigen Tier- und Pflanzenwelt schützenswert.

Ebenfalls dienen Sie als CO2-Senke und sind damit ein bedeutender Beitrag zum Klimaschutz in Deutschland. Ziel ist daher, die Wiedervernässung der Moore soweit als möglich.

Das Teufelsmoor ist das größte besiedelte Moorgebiet in Deutschland.

Die besondere Eigenart des Teufelsmoores ist die intensive Durchdringung von Naturelementen der Moorlandschaft mit den Kulturelementen der Findorff’schen Moorkolonisation (18. Jhdt) und zusätzlich auch der künstlerischen Verarbeitung von Mensch und Natur im Moor durch die Worspweder Künstlergenerationen (Zitat Q1).

Das Hamberger Moor ist Teil des Teufelsmoores und hat eine Größe von ca 300ha. Es ist 1978 als Landschaftsschutzgebiet ausgewiesen worden und gehört zu den FFH-Gebieten (1).

Das Moor dort hat eine Mächtigkeit von bis zu 7m. Davon 5,5m Schwarztor und 1,5m Weißtorf.

Naturschutz und Interessen der alteingesessenen Bewohner prallen im Teufelsmoor z.T. heftig aufeinander.

Wegen Ablebens der Eigentümer bzw. Aufgabe der Landwirtschaft wird es möglich Flächen zu kaufen und sie dem Naturschutz zur Verfügung zu stellen. D.h. Ziel soll es sein, langfristig dem Hamberger Moor den Hochmoorcharakter wiederzugeben.

 

Natur des Hochmoores:

Hochmoore haben sich im Teufelsmoor aus Niedermooren gebildet.

Der vorhandene Birkenbruchwald wird durch Regenfälle durch Torfmoose verdrängt. Die Torfmoose haben eine hohe Speicherfähigkeit für Regenwasser. Andere Pflanzen werden durch das Moos verdrängt, so dass Moosteppiche entstehen. Vereinzelt kommen andere Pflanzenarten wie Wollgräser und Heidekrautgewächse vor. Die Moosdecken speichern Wasser wie ein Schwamm und bilden über dem Grundwasser eigene Wasserspeicher. Auf der Unterseite des Mooses sterben Pflanzenteile ab. Oben wächst das Moos nach. So wächst die Dicke der Moosschicht. Abgestorbene Teile bilden die Torfschicht. Wobei die Torschicht bei optimalen Wasserverhältnissen pro Jahr 1mm wächst. Moortypische Pflanzen wachsen mit dem Moor mit. Untypische Pflanzen wir Birken werden vom Moos „verschlungen“.

Junge Torfschichten im oberen Teil des Moores werden Weißtorf genannt. Pflanzenreste sind sichtbar. Alte Torfschichten im unteren Teil werden Schwarztorf genannt. Pflanzenreste sind nicht sichtbar. Konservierte Teile z.B. von Bäumen können gefunden werden. Schwarztorfschichten sind mehrere Tausend Jahre alt. Moor- und Torflächen sind besonders nährstoffarm und säurereich.

Ein intaktes Hochmoor bildet eine Vegetationsfläche aus kleinflächigen (kleiner 1m2) Hügeln (Bulten) und flachen Senken (Schlenken) mit den für sie typischen Pflanzen.

Intakte und ursprüngliche Hochmoorflächen sind im Teufelsmoor nur noch vereinzelt anzutreffen. Im Bereich Hambergen sind das Hamberger Moor und das Heilsmoor gute Beispiele für die Renaturierung des Hochmoores.

 

Tierwelt:

  • Ringelnatter

  • Kreuzotter

  • Viele Libellenarten. Z.B. Gebänderte Prachtlibelle, Kleine Binsenjungfer, Hochmoor-Mosaikjungfer.

  • Viele Tag- und Nachtfalterarten. Z.B. der Hochmoor-Bläuling (Plebejus optilete) und das kleine Nachtpfauenauge (Saturnia pavonia)

  • Kranich (Grus grus)

  • Waldeidechse

  • Reiher- und Krickenten

  • Graugans

  • u.a.

Pflanzenwelt:

  • Sumpf-Calla (Calletum palustris)

  • Moor-Glockenheide (Erica tetralix)

  • Wollgras (Eriophorum vaginatum)

  • Torfmoose (Sphagnum caspidatum)

  • Waldtorfmoose

  • Gagelstrauch (Myrica gale)

  • Rauschbeere (Vaccinium uliginosum)

  • Sonnentau (Drosera)

  • Moorbirken

  • Faulbaum

  • Krähenbeere

  • Wasserschlauch

  • Pfeifengras

  • Rohrkolben

  • u.a.

Zum Teil regenerierte Torfstichgebiete mit Birken-Moorwäldern und z. T. sehr gut ausgeprägten Übergangs- und Schwingrasenmoore.

 

Pflanzenarten im Hamberger Moor:

Wollgras

Wollgrasarten fallen durch ihre weißen Fruchthaare auf, die wie Wattebäusche im Wind taumeln. Die Fruchthaare erleichtern die Ausbreitung der Samen durch den Wind. Es gibt spezielle Arten die auf Bulten oder in Schlenken wachsen.

 

Sonnentau

Der mittlere Sonnentau wächst auf feuchten Flächen häufig an Trittstellen des Wildes. Er kann zeitweise unter Wasser wachsen. Der Rundblättrige Sonnentau wächst auf eher trockenen Flächen. Durch die tierische Nahrung bessert der Sonnentau seinen Nährstoffhaushalt auf. Er steht unter Naturschutz.

 

Gagelstrauch

Ursprünglich ist er im Randbereich des Moores anzutreffen. Es gibt Pflanzen beiderlei Geschlechts. Er gibt dem Moor den typischen Geruch und blüht im April bis Mai. Von den Moorbewohnern wurde er zwischen die Wäsche gelegt, weil der Geruch Wollmotten abschreckt. Er wurde auch als Hopfenersatz zur Bierherstellung verwendet. Heutzutage wird z.B. das Bier „Gageleer“ in Belgien angeboten. Er steht auf der roten Liste der gefährdeten Pflanzenarten.

 

Tierarten im Hamberger Moor:

Wegen des Kalkmangels im Moor können schalen- und skelettbildende Arten wie Fische, Muscheln, Schnecken, Asseln nicht existieren.

Typische Vogelarten des Moores sind heute nicht mehr anzutreffen:

Bruchwasserläufer, Goldregenpfeifer, Birkhuhn, Großer Brachvogel.

In den verwaldeten Moorbereichen sind nicht gefährdete Vogelarten anzutreffen: Fitis, Baumpieper, Goldammer, Rotkehlchen, Habicht, Meise, Specht.

 

Kreuzotter

Kommt regelmäßig in degenerierten Hochmoorflächen vor. In Gebüschen und Heidegebieten jagt sie nach Eidechsen, Fröschen und Mäusen. Im Winter schläft sie in Gruppen in abgetrockneten Torfrippen, die sicher vor Frost und Hochwasser sind. Sie werden bis zu 70cm lang.

Sie steht auf der roten Liste der gefährdeten Tierarten.

 

Ringelnatter

Sie jagt an Gewässern in Niedermoor- und Hochmoorbereichen. Männchen können bis zu 75cm lang werden. Ringelnattern ernähren sich hauptsächlich von Amphibien.

 

Moorfrosch

Der Moorfrosch ist die säureresistenteste Art und kann am Übergang von Nieder- zu Hochmoor in Gräben, wassergefüllten Handtorfstichen und Kleingewässern siedeln. Die Männchen sind blaugefärbt.

Er ist „streng geschützt“ nach FFH-Richtlinie.

 

Kranich

Die großen Gewässerflächen im Teufelsmoor werden seit einigen Jahren als Rast- und Futterplatz auf der Weiterreise in den Süden für den Kranich genutzt. Tausende Kraniche können jedes Jahr im Spätsommer/Herbst im Teufelsmoor beobachtet werden. Der NABU Hambergen bietet jährlich sehr gut besuchte Exkursionen zur Kranichbeobachtung an. Der Landeanflug großer Gruppen in der Abenddämmerung ist spektakulär und die typischen Rufe sind gern gehört.

Einzelne Kranichpaare haben sich inzwischen als Brutpaare angesiedelt. So werden auch Brutpaare im Hamberger Moor vermutet.

 

Hochmoorbläuling

Der Hochmoorbläuling kann im Landkreis nur an zwei benachbarten Flächen beobachtet werden: Im Hamberger Moor und im Niedersandhausener Moor. Er ist damit die exklusive Tierart im Hamberger Moor. Männchen und Weibchen sind violett-/lilablau gefärbt.

Sie fliegen von Juni bis August. Die Raupen ernähren sich von Blättern z.B. der Moos-, Rausch,- Heidelbeere.

Er steht auf der roten Liste der gefährdeten Tierarten.

 

Libellen

Im Moor leben speziell an das Biotop angepasste Arten. Wärmeliebende Arten bzw. deren Larven nutzen den starken Aufheizeffekt der Moorgewässer. Die Libellen brauchen das Torfmoospolster und senkrechte Pflanzen wie Wollgras und Seggen am Gewässerrand.

Die Hochmoor-Mosaikjungfer gehört mit Spannweiten von 9-10cm zu den größten Libellenarten in Deutschland. Sie sind von Juli bis September aktiv. Das Weibchen sticht die Eier in die Torfmoose ein.

Sie steht auf der roten Liste der gefährdeten Tierarten.

 

Partner:

Eigentümer wird der NABU Niedersachen. Der NABU Hambergen wird gemeinsam mit der Naturschutzbehörde des Landkreises Osterholz geeignete Maßnahmen ausarbeiten. So z.B. Entkusselung der Birken und Kiefern, Verschließen von Gräben und Artenerfassung.

 

Betreuungskonzept:

Das Konzept wird vom NABU Hambergen zusammen mit der Naturschutzbehörde des Landkreises ausgearbeitet werden.

Vorschläge des NABU sind:

  • Entkusselung der Birken und Kiefern

  • Verschließen von Gräben

  • Eine systematische Artenerfassung ist wünschenswert. Die Datenlage zu Pflanzen- und Tierarten zum Hamberger Moor ist veraltet bzw. unzureichend.

 

Aktivitäten des NABU Hambergen in Moorgebieten:

Der NABU Hambergen betreut seit 1995 Moorflächen. Ein vielfach ausgezeichnetes Projekt ist die Renaturierung des Heilsmoores.

 

Quellen (u. A.):
(Q1) Konukiewitz/Weiser. Die Teufelsmoorsiedlungen . Dort „Die Natur des Teufelsmoores“, H.G. Kulp. Edition Temmen.
(Q2) Meting/Kück. Hambergen. Hsg und Verlag: SG Hambergen.

Übersicht

Größe: 50.000 m²
gesichertgesichert: 41.610 offenoffen: 8.390
Paten & Patinnen: 334  Bisher gespendet: 69.352 €