Uralter Buchenwald in Nordthüringen

Geheimnisvoller Buchenwald

Geheimnisvoller Buchenwald

Foto: Thomas Stephan

Naturefund hat gemeinsam mit der Naturstiftung David 210.718 m² Buchenwald auf dem Höhenzug der Hohen Schrecke gekauft und gesichert. Der Wald wurde noch nie komplett abgeholzt und ist damit eine absolute Seltenheit in Deutschland.

Ein großes, naturnahes Waldgebiet in Nordthüringen

Der Wald befindet sich auf dem Höhenzug „Hohe Schrecke“ am nördlichen Rand des Thüringer Beckens. Es ist eines der wenigen, großen, unzerschnittenen Waldgebiete in Deutschland, das seit dem Mittelalter nur teilweise forstwirtschaftlich genutzt und nie komplett angeholzt wurde. Ein Laubmischwald blieb erhalten, dem Experten Urwaldnähe bescheinigen.

Uralte, knorrige Baumriesen erheben sich geheimnisvoll. Luchs, Wildkatze und Rothirsch finden hier einen Lebensraum. Eine absolute Besonderheit sind Urwaldreliktarten, die auf der Hohen Schrecke wieder entdeckt wurden und den Urwaldcharakter des Waldes bestätigen.

Starke Unterstützung

Naturefund hat unverhofft Zuschüsse für den Buchenwald auf der Hohen Schrecke bekommen. Auch die Bundesrepublik Deutschland, der Freistaat Thüringen und die Zoologische Gesellschaft Frankfurt waren der Meinung, dass dieser Beinahe-Urwald unbedingt geschützt werden muss. Insgesamt konnte Naturefund erreichen, dass zu jedem Euro Spende zum Flächenerwerb weitere 9 Euro von unseren Projektpartnern dazugegeben werden.

Insgesamt konnten wir damit 200.718 m² uralten Buchenwald kaufen und dauerhaft für die Natur sichern. 

Grunddaten

Lage

Nordöstliches Thüringen und südwestliches Sachsen-Anhalt, zwischen Sömmerda, Artern und Bad Bibra.

Größe

210.718 m²

Tierwelt

Rothirsch, Wildkatze, Luchs, zahlreiche Fledermausarten darunter Bechsteinfledermaus, Rauhautfledermaus und Nymphenfledermaus, Hohltaube, Grauspecht, Raufußkauz, Uhu sowie elf Urwaldreliktarten (Totholzkäfer)

Pflanzenwelt

Buchen, Eichen, flacher Lackporling, Zunderschwamm

Besonderheit

Die insgesamt 7.300 ha Waldflächen auf dem Hohenzug der Hohen Schrecke waren niemals komplett gerodet. Dies belegen die elf, bisher nachgewiesenen Urwaldreliktarten, die nur auf dauerhafte urwaldähnliche Waldbestände angewiesen sind. Die sehr ursprünglichen Bestände haben einen hohen Totholzanteil und mächtige Alt-Buchen.

Besonders hervorzuheben sind ebenfalls die Fledermaus-Gemeinschaften aus hochgradig gefährdeten Arten. In einem Trockenriss einer mächtigen Alt-Buche wurde eine Wochenstube von 570 Weibchen der Rauhaut- und der Großen Bartfledermaus gefunden. Es ist ein deutschlandweit einmaliger Nachweis und der erste Nachweis einer Wochenstube der Rauhautfledermaus in Thüringen.

Geschichte

Die Hohe Schrecke wurde über mehrere Jahrhunderten bis 1934 von der Werther’schen Forstverwaltung extensiv genutzt. Im Zeitraum 1934 bis 1992 diente sie als Militärfläche, zuerst von der Deutschen Wehrmacht und ab 1945 von den Sowjettruppen. Eine geregelte Forstwirtschaft fand in diesem Zeitraum nicht statt.

Ab 1992 übernahm die Bundesrepublik Deutschland kurzfristig die Hohe Schrecke und übergab sie dem Freistaat Thüringen. Der Freistaat Thüringen begann mit der Privatisierung der einmaligen Laubwaldflächen. Mitten in diesem Prozess hinein – bisher waren erst 1.000 ha von 4.500 ha Gesamtfläche privatisiert – begann eine gemeinsame Initiative der Anrainerkommunen und der Naturstiftung David, die erfolgreich den Wald für den Naturschutz sicherte.

Im Jahr 2004 wurde auf der Hohen Schrecke das mit knapp 3.500 Hektar größte Naturschutzgebiet Thüringens ausgewiesen. Ein umfangreicher Plan für die naturschutzfachliche Entwicklung des Gesamtgebietes wurde entworfen. Der Ankauf der Waldflächen ist ein wichtiger Schritt, um den Wald in einen Urwald zu überführen.

Partner

Die Naturstiftung David ist der Partner von Naturefund. Sie ist jetzt Eigentümerin und Hüterin der Fläche.

Betreuungskonzept

Der Buchenbestand wird nach Ankauf als dauerhafte Wildnisfläche ohne jegliche forstliche Nutzung ausgewiesen und damit Teil des insgesamt 2.000 Hektar großen Wildnisgebietes werden. Die Waldflächen werden auch in der neuen Naturschutzgebietsverordnung als dauerhafte Wildnisflächen ausgewiesen.