Bericht Madagaskar März 2015

Bauern beim Anlegen einer Musterparzelle

Bauern beim Anlegen einer Musterparzelle

Foto: Naturefund

Dynamischer Agroforst ist neu für Madagaskar. Daher ist eine systematische Erfassung der Erfahrungen und Ergebnisse wichtig, um die langfristige Einführung von AD sicherzustellen.

Übersicht

1. Einführung

Die traditionellen Anbaumethoden in Madagaskar sind Wanderfeldbau und Brandrodung. Beides führt zu einem Rückgang der Wälder und zur Bodenerosion. Naturefund und Missouri Bontanical Garden starteten im Oktober 2014 ein Pilotprojekt im Norden von Madagaskar nahe der Schutzgebiete Makirovana und Oronjia.

Ziel des Projekts war, die Anbaumethode dynamischer Agroforst (kurz: AD) einzuführen und zu testen, ob und wie AD in Madagaskar angewandt werden kann. Sind die Ergebnisse positiv, soll AD weiter verbreitet werden. AD ist eine Aufforstungs- und Anbaumethode. die in kurzer Zeit zu einer Wiederbewaldung und zu Verbesserung des Bodens führt, während Kleinbauern auf derselben Fläche Nahrungsmitteln anbauen.
Im Oktober 2014 wurden sieben Bauern für ausgewählt, die ein besonderes Interesse an neuen Anbaumethode hatten.

2. Standorte

Zwei Standorte im Norden von Madagaskar mit unterschiedlichen ökologischen Bedingungen wurden für die Einführung ausgewählt: Oronjia mit trockenem Klima und Makirovana mit  feuchtem Klima. Es wurden sieben Musterparzellen nach den Prinzipien des dynamischen Agroforst angelegt:

1. 1. Je eine Parzellen in Anjiamena und Ambararata nahe dem Schutzgebiet Oronjia. Die Bauern wollen hier Früchte anbauen, um ihr Einkommen zu steigern. Es wurden vor allem Zitronen, Stachelannone, Orangenbäumen, Avocados, Zimtäpfel und Mangos gepflanzt.

2. Insgesamt fünf Parzellen in Andranomadio, Antsahakasaka, Antanambaon'Isokitra, Antsahavola und Marojalan'Isokitra nahe dem Schutzgebiet Makirovana. Auch hier wollen die Bauern Pflanzen zum Verkauf anbauen, vor allem Kakao, Kaffee und Gewürznelken.

3. Analyse der wesentlichen Ergebnisse

Die Ergebnisse der ersten drei Monate zeigen, dass mit AD die Überlebensfähigkeitsrate der angebauten Pflanzen bei mehr als 90% liegt. Allein das ist schon ein großer Vorteil. Die Bauern beobachteten zudem ein verbessertes Pflanzenwachstum im Vergleich zu den traditionellen Methoden.

Dennoch traten auch einige Schwierigkeiten auf. Vor allem das für AD typische Beschneiden der Pflanzen führte zum Absterben einiger Setzlinge, wenngleich das Wachstum von anderen Pflanzen gefördert wurde. Die Analyse ergab, das Beschneiden während der heißen und trockenen Perioden für die Setzlinge schädlich ist. Während dieser Perioden leiden die Pflanzen unter der starken Sonne und brauchen Schatten, um eine Austrocknung zu vermeiden.

4. Schlußfolgerungen aus den ersten Ergebnissen

Die ersten Schlußfolgerungen, die wir aus den Musterparzellen mit der dynamischen Agroforstmethode ziehen können, sind:    

Hitze und Trockenheit sind Bedingungen, die das Leben der Pflanzen beeinflussen. Eine dichte Bepflanzung der Parzelle sowie sowie selektives Schneiden und Verteilen des Schnittguts auf dem Boden sichern selbst bei einer längeren Trockenperiode den Erhalt und das Überleben der Setzlinge. Doch das Schneiden während einer heißen und trockenen Periode kann zum Absterben der Sämlinge führen. In diesem Fall muss für künstlichen Schatten gesorgt werden.

Die Berücksichtigung der örtlichen Bedingungen ist für die Auswahl der Arten wichtig.

Die Artenvielfalt auf der Pflanzungsparzelle erzeugt ein intaktes, gut funktionierendes System. Durch die Artenvielfalt wird das Wachstum aller Pflanzen angeregt.

Die optimale Pflanzzeit und ausreichend Wasser sind ebenfalls wichtige Kriterien für den Erfolg der Pflanzung.

5. Status und Ausblick

Das Projekt zur Einführung und Verbreitung von AD im Norden von Madagaskar ist gestartet. Es wurden sieben Bauern ausgewählt und sieben Musterparzellen mit AD angelegt. Bereits nach wenigen Monaten sind die Erträge der Parzellen gut bis sehr gut. Die Hauptpflanzen wie Kakao oder Kaffee entwickeln sich so gut, das die Bauern mehr als zufrieden sind. Auch die Begleitpflanzen wachsen gut und versprechen eine zusätzliche Ernte. Dies motiviert die Bauern umso mehr. Dieser Erfolg hat bereits weitere Bauern angezogen, die von der Effektivität der Methode beeindruckt sind.

Unser Ziel ist, Bauern zur Anwendung von AD zu motivieren, und damit die weniger produktive und teilweise auch zerstörerische traditionelle Methode zu ersetzen. Das ist uns im ersten Pilotprojekt gelungen. Die Unterstützung weiterer interessierter Bauern wäre jetzt ein wichtiger Schritt, um AD weiter zu verbreiten.

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