Dynamischer Agroforst für Kleingärtner

Unsere Schritt für Schritt Anleitung zeigt Ihnen, wie Sie einen eigenen dynamsichen Agroforst anlegen am Beispiel eine Obstparzelle von 3x 3m. 

Eine Obstparzelle für den Kleingarten - 3 x 3m

Benötigtes Material: Spaten, Maßband, Pfanzen, Kompost.

Zusätzlich nützlich: Imprägnierte Pflanzenkohle, Eimer Erde aus dem Wald, von einer Hecke oder einem guten Beet.

 

 

1. Standort auswählen

Ein guter Standort ist die Basis für einen florierenden dynamischen Agroforst. Wichtig ist das Verhältnis von Licht & Schatten. Ist die Parzelle viel der prallen Sonne ausgesetzt, muss man das beim Pflanzen mit einplanen und Schattenspender setzen. Liegt die Parzelle immer im Schatten, dann leiden Pflanzen die viel Sonne brauchen. Auch der Wind spielt gerade am Anfang eine große Rolle. Bläst er oft und stark, dann müssen Jungpflanzen geschützt werden und neue Pflanzen im Windschatten anderer Pflanzen gesetzt werden.

Von der Umgebung sollte man sich auch ein Bild machen. Gedeiht eher viel rund um die Parzelle oder herscht Ödnis? Liegt direkt neben meinem Standort eine Straße und gibt es nur wenig Pflanzen in der Umgebung? Oder liegt die Parzelle in der Natur und es gibt überall viele Bienen, Regenwürmer und andere Tiere, die meinen Pflanzen gut tun?

Zu guter Letzt sollte man die Parzelle ausmessen. Wer sich ein Raster anlegt, hat es leichter mit Planen. Zur Not kann man auch einfach Schritte gehen, unsere Pläne sind immer in 33 x 33cm großen Feldern angelegt.

Platz suchen

Platz suchen

Foto: Naturefund

Parzelle ausmessen

Parzelle ausmessen

Foto: Naturefund

 

2. Pflanzplan erstellen

Die drei Prinzipien im dynamischen Agroforst sind: Vielfalt, Dichte und Schnitt.

Die Vielfalt erstreckt sich nicht nur über die Arten und Typen an Pflanzen. Man muss die Pflanzen auch bezüglich ihrer Ausdehnung oberhalb und unterhalb (Wurzeln) der Erde richtig kombinieren.

Der Grundsatz Dichte bezieht sich vor allem darauf, die Pflanzen dicht zueinander zu setzen. So können sie voneinander profitieren und das Ganze wird mehr als die Summe seiner Teile. Wichtig ist hierbei Pflanzen zusammen zu setzen, die gut miteinander harmonieren.

Beim Schnitt zeigt sich die Dynamik im Agroforst. Durch gezielte Eingreifen wird Biomasse erzeugt, verdeckte Pflanzen bekommen wieder mehr Licht und der dynamische Agroforst kann gesteuert werden. Die Biomasse und das Mulchmaterial bleiben unbedingt im System.

Neben den drei Prinzipien gibt es noch enige nützliche Pflanzen, die man idealerweise mit einplant und dadurch das gesamte System weiter stärkt:

  • Bodenverbesserer - Pflanzen wie Lupine, Ginster, Erbse und Bohne binden Stickstoffe im Boden. Pflanzen mit tiefen Wurzeln, die den Boden in unteren Schichten auflockern und Wasser nach oben tragen. Sowie Pflanzen die schnell wachsen und vor allem viel Mulchmaterial liefern.
  • Repellent - Pflanzen die Schadinsekten vertreiben, beispielsweise durch ihren (lokal) strengen Geruch.
  • Begleitpflanzen - Diese stärken das Wachstum und die Gesundheit von Nachbarpflanzen, da sie Dichte, Freuchtigkeit, Schatten und Schutz bieten.
  • Ammenpflanzen - Schnellwachsende Pflanzen, welche eine empfindliche nicht so schnellwüchsige Art vor Wind schützt.

Mit diesem Wissen können Sie ihren eigenen Pflanzplan erstellen. Naturlich haben wir auch vorgefertigte Naturefund Pflanzpläne für Sie verfügbar.

Wählen Sie einfach nach Ihrem Ziel aus:

Pflanzplan dynamischer Agroforst-Blumengarten

Pflanzplan dynamischer Agroforst-Kräutergarten

Pflanzplan dynamischer Agroforst-Obstgarten

Pflanzplan

Pflanzplan

Foto: Naturefund

Pflanzplan studieren

Pflanzplan studieren

Foto: Naturefund

 

3. Pflanzlöcher vorbereiten und Boden erkunden

Tiefe Löcher sind Pflicht für einen guten Start. Dadurch hat man etwas mehr Arbeit beim Ausheben, spart sich aber später das Schleppen der Gießkanne. Als Orientierung für Bäume etwa 1x1x1m, für Sträucher 50x50x50cm und für Pflanzen etwas weniger, je nach Größe.

So lernt man gleich den Boden besser kennen, kann Steine und Hindernisse aussortieren und die Wurzeln finden viel lockere und nahrhafte Erde für einen schnellen Start.

Wichtig ist, die oberen 20cm des Bodens separat aufzuheben. In der oberen Schicht befindet sich ein anderes Mikroklima und andere Organismen als in dem Boden darunter. Deshalb unbedingt diesen Boden am Ende wieder als oberste Schicht auftragen.

Bei der Bodenqualität kann man grob in 3 Kategorien unterteilen: 1. satt schwarz, mit Humus und riecht gut; 2. steinig und sandig; 3. klebrig und lehmig. Der beste Boden ist der erste, bei den anderen sollte man entsprechend mehr Mulch (Kompost) einarbeiten. Regenwürmer sind stets ein guter Indikator für guten Boden.

Boden erkunden

Boden erkunden

Foto: Naturefund

Unterschiedliche Schichten

Unterschiedliche Schichten

Foto: Naturefund

 

4. Boden vorbereiten

Den Oberboden und restlichen Erdaushub jeweils mit Kompost mischen. Wenn vorhanden, sollten Sie imprägnierte Pflanzkohle untermischen. Eine genaue Anleitung zur Herstellung der Pflanzkohle stellen wir demnächst ebenfalls zur Verfügung. Wichtig ist, dass die Kohle mit Pflanzensud o.Ä. Methoden imprägniert wird.

Untermischen von effektiven Mikroorganismen. Sie können diese entweder kaufen oder aus der Umgebung selbst beschaffen. Gekaufte haben den Nachteil, dass sie meist nicht an den neuen Standort angepasst sind. Dadurch können die Organismen sich nicht optimal entwicklen oder werden sogar verdrängt. Besser und günstiger ist ein Eimer Erde aus einem guten Beet aus der Umgebung, Walderde oder die Erde von einer Hecke in der Nähe.

Einen Pflanzpfahl können Sie direkt zu Beginn des Auffüllens einsetzen, oder wenn das Loch schon ca. zur Hälfte wieder gefüllt ist.

Den Oberboden (die obersten 20cm) sollten Sie auf der gesamte Fläche der 3x3m Parzelle umgraben und mit Kompost oder imprägnierter Pflanzenkohle mischen.

Boden mischen

Boden mischen

Foto: Naturefund

Pflanzkohle vorbereiten

Pflanzkohle vorbereiten

Foto: Naturefund

Mischung einfüllen

Mischung einfüllen

Foto: Naturefund

 

5. Zielarten pflanzen

Jetzt geht es los - Bäume, Sträucher und alles Weitere wird eingepflanzt.

Als Erstes beginnt man mit den größten Pflanzen. Deren Abstand zueinander ist wichtig und darf nicht zu klein sein, da sie sich sonst gegenseitig behindern. Im zweiten Schritt werden die restlichen Pflanzen auf der Parzelle verteilt und eingepflanzt, der Pflanzplan gibt Hilfestellung. Zu guter Letzt werden die Samen verstreut und leicht angedrückt.

Im dynamischen Agroforst ist der Boden stets mit Mulch bedeckt. Mulchmaterial ist Biomasse wie Pflanzenschnitt, noch nicht zersetzter Kompost oder auch Pferdemist mit Stroh. Dieser wird auch zu Beginn um die Pflanzen verteilt. Hier gilt: 5-10cm Platz zum Stamm der Pflanzen lassen.

Es sollte kein Rindenmulch verwendet werden, dieser ist zu sauer. Und auch kein Material von Nadelbäumen. Optimal ist Material von Laubbäumen wie Blätter, dünne Äste oder auch Grasschnitt. Auch Stroh vom Bauernhof funktioniert gut, alle Biomasse, die sich gut zersetzt.

Alternativ kann man auch Kleintierstreu aus dem Bau- oder Tiermarkt verwenden. Hier sollte man auf Holzspäne wie Pappel, Esche, Buche (Laubbäume) oder Hanf achten.

Bäume brauchen zu Beginn besonders viel Wasser. Zum Stamm hin Erde aufschichten, wie ein kleiner Kegel, und dann rund herum einen Gießring ziehen. Der Stamm sollte nicht im Wasser stehen. Der Ring rundherum ist ideal, um Wurzeln zu wässern (siehe Foto).

Wässern ist in den ersten 14 Tagen ein wichtiges Thema. Der Boden sollte immer feucht sein, Mulchmaterial hilft hier viel. Ist der Boden trocken, entsprechend Nachwässern.

Baum pflanzen

Baum pflanzen

Foto: Naturefund

Baum gießen

Baum gießen

Foto: Naturefund

Weitere Pflanzen

Weitere Pflanzen

Foto: Naturefund

Schicht aus Stroh

Schicht aus Stroh

Foto: Naturefund

 

6. Schnitt der Pflanzen

Dies steht nach einiger Zeit an. Wir werden hier besonders für den Kleingarten noch eine genaue Anleitung geben.

Wer es nicht erwarten kann, auch unserer allgemeinen Seite zum dynamischen Agroforst findet man umfangreiche Anleitungen zum Vorgehen.

Schnitt im dynamischen Agroforst

Die wichtigsten Begriffe sind:

  • Verjüngungsschnitt

  • Raumschnitt

  • Luft- + Lichtschnitt

  • Biomasseschnitt

  • Synchronisationsschnitt

Schnitt

Schnitt

Foto: Naturefund