Die Methode Dynamischer Agroforst

Dynamischer Agroforst im Hochland von Bolivien

Dynamischer Agroforst im Hochland von Bolivien

Foto: Kaulich

Dynamischer Agroforst ist eine Aufforstungs- und Anbaumethode, die in kurzer Zeit zur Wiederbewaldung und einem erhöhten Ertrag führt. Die Methode nutzt und verstärkt natürliche Prinzipien und kann überall auf fast jedem Boden angewandt werden.

Dynamischer Agroforst

Die Anbaumethode dynamischer Agroforst (DAF) entstand in den 1980er und 1990er Jahren in Brasilien und Bolivien. Sie basiert auf dem Wissen den indigenen Völker Lateinamerikas, das von dem Schweizer Ernst Götsch und anderen an die Bedürfnisse der heutigen Landwirtschaft angepasst und auch weiterentwickelt wurde.

Es gibt Parallelen zu den Ansätzen von Permakultur (PK) und Analog Forstwirtschaft (AF). Alle drei Ansätze nutzen natürliche Prinzipien wie z. B. Sukzession oder Bodenbedeckung für den Anbau. Während, verkürzt zusammengefasst, es der PK vor allem um nachhaltigen, integrierten Anbau geht und AF insbesondere die Balance zwischen dem Erhalt von reifen Primärwäldern und ökonomischen Nutzen sucht, setzt DAF im Unterschied dazu konsequent auf dem Aufbau von naturwaldähnlichen Systemen mit einer hohen Biomasseproduktion, die auch oder nebenbei ein Vielzahl von Produkten für den Menschen liefern. Ein weiterer wichtiger Unterschied ist, dass DAF gezielt den Schnitt der Pflanzen einsetzt, um das System u. a. in einem jugendlichen Status zu halten und so eine erhöhte Biomasseproduktion zu fördern.

Seit 2011 setzt Naturefund DAF in seinen verschiedenen Projekten in unterschiedliche Ländern und Ökosystemen mit großem Erfolg ein: Honduras (seit 2011), Nicaragua (seit 2012), Süd-Madagaskar (seit 2013), Bolivien (seit 2014) und Nord-Madagaskar (seit 2015), verschiedene Standorte in Europa (Start 2016).

Interessante Forschungsergebnisse

Erst Mitte 2005 beginnt sich die Forschung mit dieser Methode zu beschäftigen. Die ersten Forschungsergebnisse zeigen, dass die Methode DAF bestimmte natürliche Mechanismen „entdeckt“ hat, die bisher nicht oder kaum genutzt wurden (Vielfalt, Dichte, Schnitt neben anderen).

So kam erst im Februar 2017 eine Studie zu dem Ergebnis, dass Mais besser wächst, wenn Mykorrhizen von Bäumen im Boden vorhanden sind. Dieses Ergebnis macht deutlich, dass es Synergieeffekte zwischen Pflanzen gibt, die im herkömmlichen Anbau bisher nicht berücksichtigt wurden, die aber ein großes Potenzial besitzen, den Anbau nachhaltiger und ertragreicher zu gestalten, als bisher möglich war. Ein weiterer Vorteil von DAF ist, das die Methode in jeder Klimazone auf fast allen Böden eingesetzt werden kann. Degenerierte Böden können mit DAF in verhältnismäßig kurzer Zeit wieder fruchtbar gemacht werden.

Großes Potenzial für Klimaschutz und mehr

Damit besitzt DAF ein großes Potenzial:

1. Die Lebensbedingungen vieler Menschen, die von einer kleinbäuerlichen Landwirtschaft leben, zu verbessern,

2. Natürliche Lebensräume wieder herzustellen und naturnahe Puffer rund um Schutzgebieten aufzubauen und

3. Die Folgen des Klimawandels mit veränderten Regenzeit, langen Trockenphase oder Stürmen abzumildern.

Darüber hinaus besitzt DAF mit seiner hohen Biomasseproduktion kombiniert mit der Verwendung von Pflanzenkohle im Boden, das Potenzial Kohlenstoff langfristig im Boden zu speichern (bis zu 1.000 Jahre und mehr), während der Humusgehalt und damit die Fruchtbarkeit der Böden zunimmt. Damit ist DAF nicht nur eine der besten Antworten auf die Herausforderungen 1., 2. und 3., sondern könnte sich als eine der entscheidenden Faktoren erweisen, den Klimawandel abzubremsen oder sogar umzukehren. 

Prinzipien von dynamischen Agroforst

Dynamischer Agroforst imitiert einen Naturwald und wendet vor allem drei Prinzipien an:

  1. Vielfalt der Arten,
  2. Hohe Pflanzdichte und
  3. Regelmäßiger Schnitt der Pflanzen.

Die Methode kann in jeder Klimazone auf fast allen Böden eingesetzt werden. Degenerierte Böden können mit dieser Methode in verhältnismäßig kurzer Zeit wieder fruchtbar gemacht werden.

Optimale Verteilung der Pflanzen

Optimal hat eine Parzelle

  • Max. 50 % Nutzpflanzen,
  • Mind. 25 % Pflanzen, welche den Boden verbessern und
  • Mind. 25% lokale und einheimische Pflanzen.

Die optimale Verteilung der Pflanzen und die Anwendung der Prinzipien erhöht in kurzer Zeit die Fruchtbarkeit und Wasserspeicherfähigkeit des Bodens. Die Pflanzen sind besser versorgt und widerstandsfähiger gegen Krankheiten und Schädlinge. Dünger und Pestizide werden kaum noch benötigt, bei gleich hohem und meist höherem Ertrag im Vergleich zum konventionellen Anbau.

Forschung steht erst am Anfang

Zudem sind Synergieeffekte zwischen Pflanzen beobachtbar, die noch kaum erforscht sind. Erst seit einigen Jahren beginnt die Forschung auf diese Methode aufmerksam zu werden. Naturefund stellt aktuell die Forschungsergebnisse zusammen.

Eine Doktorarbeit aus Berkely, USA, untersuchte z. B. von 2011 bis 2013 verschiedene Anbaumethoden von biozertifiziertem Kakao im Tiefland von Bolivien. Das Ergebnis: In Monokultur erbrachte ein Hektar 350 kg Bio-Kakao pro Jahr, im einfachen Agroforst 438 kg und in einer Kakaoparzelle mit dynamischen Agroforst lag die Ernte bei 510 kg ("The Contribution of Organic Cocoa Production to Social–Ecological Resilience in a Changing Climate", Jacobi 2013).

Die Methoden des dynamischen Agroforst