Bisphenol A & Co.

Gefähricher Abfall

Gefähricher Abfall

Foto: Naturefund

Bisphenol A (BPA) ist der bekannteste Zusatzstoff in Plastik. Anhand von BPA zeigen wir hier die grundsätzlichen Gefahren auf sowie den langen Weg von einem anfangs als unbedenklich eingestuften Stoff bis zu seinem Verbot - in einigen Ländern.

Mehr Fett, weniger Libido

Bisphenol A (BPA) ist einer der ältesten und am besten untersuchten chemischen Zusatzstoffe von Plastik. Bereits Ende des 19. Jhrds. wurde BPA zum ersten Mal hergestellt und war eine zeitlang als Östrogenersatz im Gespräch. Die östrogene Wirkung von BPA ist zwar da, jedoch zu schwach für eine Östrogentherapie.

Heute ist BPA ein wichtiger Ausgangsstoff für die Herstellung polymerer Kunststoffe. BPA ist damit in sehr vielen Plastikgegenständen enthalten. Außerdem wird BPA Weichmachern zugesetzt, um unerwünschtes Oxidieren zu verhindern.

Sachgemäße Verwendung?

Zahlreiche, sich zum Teil wiedersprechende Studien und Aussagen begleitet die Verwendung von BPA. Allein die Europäische Kommission machte viele Kehrtwendungen. 2003 kam sie in ihrer Risikobewertung zu dem Ergebnis, dass von BPA keine Gefährdung für die Verbraucher ausgehe, solange Plastik sachgemäß verwendet wird.

Zur sachgemäßen Verwendung gehört allerdings, dass Gegenstände z. B. aus Polycarbonat wie Mixer und Mixbehälter nicht erhitzt werden. Das geschieht zum Beispiel im Geschirrspüler. Beim Spülgang wird BPA aus dem Plastik herausgelöst und im gesamten Spülwasser verteilt. Alles andere Geschirr kommt mit dem Spülwasser in Kontakt und beim nachfolgendem Trocknen bleibt ein feiner Film inklusive BPA zurück. Kurz: Jedes Mal, wenn Plastik in die Geschirrspüle gelangt, kann es sein, dass die Verwendung von BPA gemäß der Bewertung der europäischen Kommission nicht mehr unbedenklich ist.

Dennoch, die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) erhöhte 2007 den Grenzwert für BPA von 10 µg pro kg Körpergewicht und pro Tag auf 50 µg/kg pro Tag. Der Migrationswert, der festlegt, wie viel BPA ein Lebensmittel durch den Kontakt mit der Verpackung aufnehmen darf, lag damit bei 3 mg/kg. Die Akkumulation von BPA immenschlichen Körper durch die Nutzung verschiedener Produkte aus Plastikverpackungen fand offenbar zu dem Zeitpunkt keine Berücksichtigung.

Vollständige Neubewertung von Bisphenol A

Noch September 2010 bekräftige die EFSA ihre Haltung zu BPA. Doch schon zwei Monate später, im November 2010 gab der „Ständige Ausschuss für die Lebensmittelkette und Tiergesundheit“ der EU bekannt, dass ab 1. März 2011 die Produktion und ab 1. Juni 2011 der Verkauf von Babyflaschen aus Polycarbonat, die BPA enthalten, in der EU verboten ist.

Vor allem Veränderungen im Gehirn von Kleinkindern und Föten aufgrund von BPA wurden zunehmend für wahrscheinlich gehalten. In Frankreich gilt daher seit 2013 ein Verbot von BPA in allen Lebensmittelverpackungen für Kleinkinder. Ab Juli 2015 soll es in Frankreich keine Lebensmittelverpackungen mehr geben, die BPA enthalten.

Weitere Untersuchungen stellen einen Zusammenhang zwischen der Aufnahmen von BPA im menschlichen Körper mit verschiedenen Krankheiten fest, darunter Herz-Kreislaufprobleme, Diabtes,  Herabsenkung der Spermienzahl, Fettleibigkeit und ... hier kommen wir zu der anfangs genannten Libido ... verringerte sexuelle Lust bei Männern.

Vielleicht sollten Männer statt Tigerjagen lieber Plastikflaschen absetzen? Ein frecher Kommentar sei uns gestattet....

Studien, die Bedenken bzgl. BPA äußern, gibt es u. a. von National Toxicology Program, National Institute of Environmental Health Sciences, dem Risikobewertungskommittee der Europäischen Chemikalienagentur, Ecole Nationale Supérieure Agronomique de Toulouse, Chemtrust u. a.