Milliardäre aller Länder, vereinigt euch!

Der Reichtum der Reichen und Superreichen wächst unaufhörlich – die Gewinner der Globalisierung bekommen ein Gesicht. Und sie haben selbst wiederum einen Weltmarkt hervorgebracht: den für Luxusgüter. Hier werden mehrere hundert Milliarden Dollar pro Jahr umgesetzt.

Die Spitze des Eisbergs

Laut der Zeitschrift Forbes häuften die weltweit 691 Dollarmilliardäre 2005 ein Vermögen von 2,2 Billionen US-Dollar an. Davon gehörte mehr als die Hälfte, 1,3 Billionen, den 50 Allerreichsten. Doch die Milliardäre, über die die Wirtschaftsmagazine und Illustrierten berichten, sind nur die Spitze des Eisbergs. Seit zwanzig Jahren steigt der Wert des Besitzes der Oberschicht – Immobilien, Wertpapiere und andere Investitionen, insbesondere solche in Kunstwerke – im Tempo der Globalisierung des Kapitals, im Tempo der durch die Globalisierung der Finanzmärkte erzielten Profite.

Reichtum steigt über Wirtschaftswachstum hinaus

Der Reichtum dieser Klasse von Rentiers steigt in einem Maße, das weit über das Wirtschaftswachstum hinausgeht. Etwa 30 Millionen Haushalte vertrauen mehr als eine Million Dollar privaten Vermögensverwaltungsgesellschaften an. Die meisten befinden sich in den drei großen Regionen der »Triade«, in Nordamerika, der Europäischen Union und Japan. Die Offshore-Finanzzentren und Vermögensverwalter arbeiten aber auch für die Eliten des Südens, etwa aus Lateinamerika, dem Nahen Osten oder Afrika.

Wo die Superreichen zu Hause sind

Wo die Superreichen zu Hause sind

Foto: © Le Monde diplomatique

Luxuskonsum

Was als Luxuskonsum gilt, ist relativ. Experten betonen Kriterien wie die Exklusivität – ob echt oder künstlich geschaffen, sei dahingestellt – und das Image eines Produkts oder einer Marke. Daher lässt sich der Weltmarkt für Luxusgüter kaum abgrenzen und sein Wert kaum schätzen. Für 2003 reichen die Zahlen der Marktforscher von 120 bis 760 Milliarden Euro (Eurostaf bzw. Boston Consulting).

Zu diesem Segment gehören Luxustourismus und -hotellerie, hochpreisige Autos, Haute Couture, Schmuck, Parfüm und Kosmetika, Weine und Spirituosen sowieTischkultur – allein der Umsatz mit Glaskristallwaren, Goldschmiedekunst, Porzellan und Fayencen lag 2001 bei 8 Milliarden Dollar, die Schweiz setzt allein mit Luxusuhren 3 Milliarden Dollar jährlich um. Luxusgeschenke für das Haustier gelten als besonders schick, etwa Pololeibchen mit Logo von Ralph Lauren sowie Hundeleinen und Hundehalsbänder von Louis Vuitton, Prada, Chanel und Burberry.

China als neues Luxus-Eldorado

Die Vereinigten Staaten und die Europäische Union hielten 2003 zusammen einen Anteil von 71 Prozent am globalen Luxusmarkt. Hier und in Japan, wo 70 Prozent der wohlhabenden asiatischen Klientel leben, operieren die Konzerne, die diesen Markt bestimmen.

Aber die aufstrebenden Märkte Asiens, in erster Linie China, stellen ein neues Eldorado dar. Hier treten die neuen Reichen mit ihrem Konsumverhalten in die Fußstapfen der Erdölmonarchen. Auf der einen Seite stehen Millionen Bauern, die beim rasanten chinesischen Marsch in den Kapitalismus zurückgelassen wurden, auf der anderen Seite lebt nun eine Klasse von Vermögenden, die das politische und wirtschaftliche Leben im Land bestimmt.

Luxusprodukte finden in China und Hongkong bereits 10 bis 13 Millionen Kunden. Hier finden sich bereits 8 bis 12 Prozent des globalen Luxusmarkts, mit einer jährlichen Wachstumsrate von etwa 20 Prozent, und das Zurschaustellen von Reichtum und Protzerei sind längst keine Ausnahme mehr. Die verbreitete Devise der Wohlhabenden lautet, so ein Manager von Louis Vuitton gegenüber dem Economist (17. Juni 2004): »Seht her, ich bin reich!«

55 Jahre für einen Audi arbeiten

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Foto: © Le Monde diplomatique

Der Club und seine Luxusmarken

Die Zahl der Dollarmilliardäre in der Welt stieg nach Angaben des Wirtschaftsmagazins »Forbes« von 476 im Jahr 2003 über 582 im Jahr 2004 auf 691 im Jahr 2005. Ihr Nettovermögen nahm binnen zwei Jahren von 1,4 auf 2,2 Billionen US-Dollar zu. 2005 befanden sich unter den neuen Mitgliedern des Clubs 69 Amerikaner und 38 Europäer; auch Island, Kasachstan, die Ukraine und Polen gehören jetzt zu ihren Heimatländern. Neu aufgenommen wurde außerdem ein 35-jähriger Chinese.

Bill Gates ist mit jetzt 46,5 Milliarden Dollar seit elf Jahren der reichste Mann der Welt, knapp gefolgt von einem weiteren Amerikaner, Warren Buffet (44 Milliarden). Auf Platz drei steht der indische Stahlbaron Lakshmi Mittal, 25 Milliarden schwer. Darauf folgen der Mexikaner Carlos Slim Helu (23,8) undder Saudi Alwaleed Bin Talal Al-Saoud (23,7) sowie der Ikea-Chef Ingvar Kamprad (23,3).

Der erste Deutsche ist auf Platz 8 Karl Albrecht (»Aldi«) mit 18,5 Milliarden Dollar, während sein Bruder Theo es mit 15,5 Milliarden nur auf Platz 20 geschafft hat. Dritter ist der Versandunternehmer Michael Otto mit 8,3 Milliarden Dollar auf Platz 45. Nicht mehr im Club sind der russische Oligarch Michael Chodorkowsky, mittlerweile im Gefängnis und 12,8 Mil liarden Dollar ärmer, der verstorbene kanadische Frittenkönig Harrison McCain und der Mitte Februar 2005 ermordete ehemalige libanesische Premierminister Rafik Hariri.

Für Michael Zaoui, Topmanager der Investmentbank Morgan Stanley, bilden 17 Luxusgüterkonzerne eine Branche, deren Aktien 2005 einen Wert von 112 Milliarden

Dollar besaßen. Die Konzerne sind: Coach, Tod's, Swatch, Richemont, LVMH, Bvlgari, Burberry, Hermès, Polo Ralph Lauren, Tiffany, Tommy Hilfiger, Escada, Hugo Boss, Waterford Wedgwood, Marzotto, Clarins und Valentino.

Autor: Claude Serfati

Claude Serfati ist Wirtschaftswissenschaftler an der Universität Saint-Quentin-en-Yvelines und Autor u.a. von „Impérialisme et militarisme, actualité du XXIe siècle“, Lausanne (Page deux) 2004.

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